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Mehr heimische Futtermittel

Landwirtschaft

VÖL fordert mehr Leguminosen

In der letzten Woche tage die Vereinigung Ökologischer Landbau (VÖL) in Hessen gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zum Anbau von Körnerleguminosen.

Anbau geht zurück
Der Anbau dieser eiweißreichen Futterpflanzen geht in dramatischer Weise zurück. In Deutschland sind allein im letzen Jahr rund 25% weniger Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen angebaut worden als 2006. Fast alle Züchter haben aufgegeben, sich um das Saatgut zu kümmern. In Deutschland gibt es nur noch ein einziges Unternehmen, das Körnerleguminosen im Zuchtprogramm hat. In anderen europäischen Ländern sieht es nicht besser aus.
Für den Ökologischen Landbau ist diese Entwicklung ein großes Problem. Die Stickstoff sammelnden Leguminosen sind ein unverzichtbarer Teil seiner Wirtschaftsweise. Aber selbst die derzeitigen Wachstums­raten im Ökologischen Landbau sichern keine ausreichende Nachfrage nach entsprechendem Saatgut. Dabei wäre es auch für den konventionellen Landbau dringend notwendig, mehr Leguminosen anzubauen. Die viel zu engen Fruchtfolgen mit ihrer hohen Krankheitsanfälligkeit könnten aufgelockert werden. Dadurch könnte der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erheblich gesenkt werden

Keine importierte GVO-Futtermittel
Martin Trieschmann, landwirtschaftlicher Berater von Naturland, rechnete außerdem vor, dass bei einer Ausweitung der Anbaufläche für Körnerleguminosen von derzeit vier auf 20 Prozent rund ein Fünftel des mit hohen Energiekosten erzeugten mineralischen Stickstoffdüngers eingespart werden könnte. Der Import von eiweißreichen Futtermitteln könnte um mehr als 10 Prozent gesenkt werden. Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Verringerung der Konkurrenz des hohen Fleischkonsums bei uns mit den Bedürfnissen in den armen Ländern der Welt. Die Unabhängigkeit von importierten Futtermitteln ist aber auch aus einem ganz anderen Grunde wichtig: in vielen Ländern werden zunehmend gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Nur die Unabhängigkeit vom internationalen Futtermittelmarkt kann garantieren, dass in Deutschland auch in Zukunft Lebensmittel „ohne Gentechnik“ angeboten werden können.

Leguminosen fördern
Nicht zuletzt sind Leguminosen die einzigen Pflanzen im Ackerbau, die einen positiven Beitrag zur Humusbilanz und damit zur CO2-Speicherung unserer Böden leisten. Das wäre ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
Die positiven Wirkungen von Leguminosen werden derzeit jedoch nicht durch entsprechende Preise honoriert; Importfuttermittel wie Sojaschrot sind trotz langer Transportwege deutlich billiger.
Die Verbände plädieren daher dafür, dieses Missverhältnis durch politische Maßnahmen zu beseitigen. Sie fordern die Unterstützung des Leguminosenanbaus im Rahmen der Agrarumweltprogramme, stärkere öffentliches Engagement im Rahmen der Züchtung sowie eine Unterstützung bei der Vermarktung, insbesondere im Rahmen der „ohne Gentechnik“-Kenn­zeich­nungs­regelung.

Dr. Frieder Thomas, VÖL

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