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Mehr konservierende Bodenbearbeitung

Landwirtschaft

EU-Agrarausschuss debattiert über pfluglose Bodenbearbeitung

Europäisches Parlament in Brüssel

Der Pflug ist das wichtigste Symbol der Landwirtschaft. Er wendet den Boden und vergräbt Unkräuter. Er hinterlässt eine grobschollige Ackerkrume, die über den Winter hinweg durch Frost und Auftauen immer feinkrümeliger wird. Doch greift der Mensch mit dem Pflug auch in das Bodensystem ein, zerstört die Röhren der Regenwürmer, setzt den Ackerboden Wind und Wasser zum Fortwehen und Fortspülen aus und erlaubt den Traktoren mit ihrem Gewicht in der Pflugsohle auf den Boden zu drücken und zu verdichten.

Daher fördert die Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung (GKB) den pfluglosen Anbau [1]. 1999 war sie Gründungsmitglied des europäischen Dachverbandes ECAF. Bei der Arbeit ohne Pflug wird direkt in die Stoppel der Vorfrucht gesät. Ganz ohne Bodenbearbeitung kommen die Landwirte nicht aus. Sie verwenden entweder den Grubber auf leichten Böden, um große Ernterückstände einzuarbeiten oder den Boden zu lockern. Bei der flachen Mulchsaat wird eine Scheibenegge eingesetzt.

Viele Verfahrensmöglichkeiten

Mittlerweile hat sich die Palette der Bearbeitungsverfahren erweitert. So wird der Pflug zwar noch eingesetzt, aber nur noch streifenweise. Bei diesem Strip-Till-Verfahren wird der Boden dazwischen in Ruhe gelassen. In der EU gibt es verschiedene Definitionen zum Begriff der konservierenden Bodenbearbeitung, sagte Julia Cooper von der Fakultät für Landwirtschaft der Universität Newcastle. Sie war einer der Expertinnen, die der Agrarausschuss der EU am Montag zum Thema „konservierende Bodenbearbeitung“ eingeladen hatte. Die verschiedenen Verständnisse erschweren die Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Länderstudien.

Vor- und Nachteile

Gemeinsam sind die definierten Vor- und Nachteile. Durch den Pflugverzicht verbessert sich die Bodenstruktur, wird ein Schutz gegen Wind- und Wassererosion hergestellt, verringert sich der Arbeitsaufwand, was die Schlagkraft in der Nacherntezeit deutlich erhöht, und erhält die Bodenfeuchtigkeit für die neue Saat.

Als Nachteile gelten ein höherer Befall der Äcker mit Mäusen und Schnecken sowie Unkräuter und Ausfallgetreide. Stickstoff wird langsamer mineralisiert und falsches Strohmanagement erschwert den Feldaufgang.

Paula Trivino Tarradas von ECAF zitierte Studien, nach denen die Sequestrierung von Kohlendioxid nach vier Jahren ohne Pflug um 56 Prozent gestiegen ist. Der verringerte Energieaufwand durch weniger Überfahrten betrug  19 Prozent und die Kosten für die Aussaat von Wintergetreide sanken durchschnittlich um 9,5 Prozent. Die FAO hat die konservierende Bodenbearbeitung als „Smart Farming“ für die Entwicklungsländer eingestuft. Das Verfahren stammt aus den USA, nachdem in den 1930er Jahren Staubstürme riesige Landflächen verwüstet hatten. Dort werden heute 159 Millionen Hektar Fläche ohne Pflug bearbeitet.

In Deutschland ist die pfluglose Bearbeitung durch die Verwendung von Glyphosat als Unkrautkontrolle in Verruf geraten. Es fehlt aber immer noch die fachliche Abwägung zwischen sachgerechtem Mitteleinsatz und Abschätzung der Nachteile konservierender Bodenbearbeitung. Paula Tarradas sagt, dass sowohl auf Pflug als auch auf Glyphosat verzichtet werden könne. Aber zu deutlich höheren Kosten.

Angst vor dem Unkraut

Der Ökolandbau pflügt in der Regel. Mehr konservierende Bodenbearbeitung bedeuten auch mehr Unkräuter, sagt Cooper. Zu viele Ökolandwirte werden ohne Pflug den unerwünschten Gräsern und Kräutern nicht mehr Herr. Doch Birgit Wilhelm hat 2010 in ihrer Doktorarbeit gezeigt, dass sich konservierende Bodenbearbeitung und Ökolandbau nicht ausschließen müssen [2]. Eine konsequente und flache Bodenbearbeitung vor der Aussaat haben gute Ergebnisse erzielt. Die Landwirte bekamen „ein Gefühl für den Boden“.

Zudem ist die Bodenbearbeitung vor der Saat nur ein Baustein des Ökolandbaus. Eva Torremocha von der Universität Pablo de Olavide in Sevilla sieht auch keinen Widerspruch. Die Ökolandbauexpertin verweist auf den systemischen Ansatz des Ökolandbaus, der die Bodenbearbeitung mit Fruchtfolgen und die Bodenfruchtbarkeit mit Humusaufbau ergänze.

Ziel 2020

„Nachhaltige Landwirtschaft umsetzen“ lautete der Vortragstitel von Paula Trivino Tarradas. Die ECAF würde gern die konservierende Bodenbearbeitung mehr in den Fokus der Gemeinsamen Agrarpolitik stellen. Nach Tarradas wäre die Reform zur GAP 2020 eine gute Möglichkeit, das Verfahren über die erste oder zweite Säule deutlicher zu fördern.

Mehr als Pflugverzicht

Die GBK arbeitet derzeit an zwei Projekten. In dem ersten werden der Rapssaat Begleitpflanzen wie Leguminosen beigemengt, die über den Winter abfrieren. Im Frühjahr sollte ein sauberer und kräftiger Rapsbestand auf dem Feld stehen. Durch die Leguminosen sollen Schädlinge und der Einsatz von Pflanzenschutzmittel reduziert werden. Die Stickstoff-Fixierung der Leguminosen spart Dünger und die intensivere Durchwurzelung des Bodens schützt vor Erosion.

In dem zweiten Projekt geht es um das Problemunkraut Ackerfuchsschwanz. Durch die Resistenzbildung gegen verschiedene Herbizide hat sich das Gras hartnäckig ausgebreitet. In dem Projekt sollen Erkenntnisse aus den Bausteinen Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Pflanzenschutz gewonnen werden, um den Samenvorrat des Ackerfuchsschwanzes im Boden zu verringern.

Lesestoff:

[1] www.gkb-ev.de und www.ecaf.org

[2] Wilhelm, Birgit (2010) Konservierende Bodenbearbeitung im Ökolandbau - Analyse einer Verfahrenstechnik im Kontext der Bodenfruchtbarkeit. [Conservation Tillage in Organic Agriculture - Analysis of a technology in the Context of Soil Fertility.] Dissertation Hochschulschrift, Universität Kassel/Witzenhausen, Agrartechnik. Forschungsbericht Agrartechnik (VDI-MEG), Nr. 493 http://orgprints.org/18006/

Roland Krieg

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