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Mensch, im Apfel liegt dein Glück

Landwirtschaft

Erntezeit für das beliebteste Obst

> Nehmen wir an, dass Adam und Eva keine Obstzüchter waren, so stand Eva für die Verführung ihres Begleiters nur ein kleiner, saurer und holziger Wildapfel zur Verfügung. Das die heutigen Sorten viel eher eine Sünde wert sind verdanken wir umfangreicher züchterischer Arbeit. Weltweit gibt es rund 20.000 Sorten. Nur einen winzigen Bruchteil davon können wir im Supermarkt kaufen.

Ernteprognose
Anfang August trafen sich europäische Bauern, Züchter, sowie europäische und amerikanische Verbandsvertreter zum traditionellen Kongress der europäischen Apfelwirtschaft (Prognosfruit) und trugen ihre Ernteschätzungen zusammen. Mit 10,306 Millionen Tonnen Äpfel wird die diesjährige Ernte um rund drei Prozent höher ausfallen als im letzten Jahr. Allerdings wirkt das Verbraucherinteresse sehr unterschiedlich auf einzelne Sorten. So haben in der alten EU Jonagold, Boskoop sowie Golden Delicious mit jeweils ?13, die Sorte Cox mit ? 21 und Gloster mit ? 28 die höchsten Ertragsrückgänge im Fünfjahresschnitt zu verzeichnen. Gala und Braeburn sind mit jeweils 26 Prozent stärker auf dem Markt vertreten. Gerade in Deutschland erfreut sich der Braeburn steigender Beliebtheit (+ 48 Prozent) bei einer Gesamternte von rund 800.000 Tonnen. Allerdings wurde die heimische Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr reduziert. Polen, Italien und Frankreich sind die exportstärksten EU ? Länder. Weiter östlich werden in Weißrussland und Russland noch relativ hohe Erntemengen erwartet.

Runde Miniapotheke
?An apple a day keeps the doctor away.? Zwar haben die britischen Nachbarn diesen griffigen Spruch entwickelt, aber bereits unter den griechischen und germanischen Göttern bescherte der Apfel den Genießern ewige Jugend. Martin Luther entschied sich auch für einen Apfelbaum, den er am Tage vor dem Weltuntergang pflanzen wollte. Der Vitamin C-Gehalt ist sortenabhängig, aber bei allen Äpfeln liegen die Kohlenhydrate in Form leicht löslichen Fruchtzuckers und Traubenzuckers vor. Das liefert schnell Energie für den Körper. Die Ballaststoffe Cellulose und Pektin sorgen für ein schnelles Sättigungsgefühl, binden Giftstoffe im Darm und fördern die Verdauung. Mit 58 Kalorien pro 100 g Apfel kann er jederzeit sorgenfrei genossen werden. Die meisten Vitamine und Mineralstoffe sitzen direkt unter der Haut: Also gut waschen und zusammen mit der Schale essen. Es waren natürlich die Römer, die den Apfel (Malus sieversii) in Europa verbreiteten. Sie brachten die Apfelbäume aus Griechenland mit. Dorthin reiste der Apfel wahrscheinlich in Satteltaschen als Reiseproviant aus dem fernen Kasachstan. Die Hauptstadt Alma-Ata heißt übersetzt ?Vater der Äpfel?. Mit dem europäischen Holzapfel Malus sylvestris hat jener Apfel nicht viel zu tun gehabt. Richtig verbreitet wurde der Apfel in Klostergärten, weshalb der Apfel nachträglich an den biblischen Baum der Erkenntnis gelangte. Die Bibel selbst gibt keine Auskunft über die gereichte Frucht.

Gut Ding will Weile haben
Vor Beginn einer neuen Apfelsorte stehen, natürlich, Äpfel. Besser gesagt die Apfelkerne. 10.000 Apfelkerne. Daraus entwickeln sich 8.000 Sämlinge, die auf Krankheitstoleranz und gutem Wuchs hin begutachtet werden. Nur 2.000 Sämlinge bestehen diese erste Prüfung als veredelte Neuzüchtung. In der ersten Vorprüfung, die 6 bis 10 Jahre dauert, werden die Äpfel auf gute Fruchtqualität und der Baum auf gute Wuchseigenschaften geprüft. Die meisten werden verworfen und es bleiben 20 Neuzüchtungen übrig.
Diese Neuzüchtungen kommen in die Leistungsprüfung, die vom 11. bis zum 20. Jahr dauert. Hier werden die Sorten auf ihre Anbaufähigkeit getestet und die Äpfel auf ihre Lager- und Konsumfähigkeit. Wird alles zur Zufriedenheit bestanden, dann hat eine neue Sorte es geschafft. Nach 20 Jahren.

Alte Äpfel im Trend
Jedoch genießen immer mehr Menschen Apfelsorten, die es nicht im Supermarkt gibt. Um diese zu erhalten setzt sich beispielsweise der ?Verein zur Erhaltung und Kultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg e.V. (VERN) ein. Er betreibt mehrere Schau- und Kulturgärten in denen auch seltene Sorten inspiziert werden können. Am kommenden Wochenende lädt der Pomologische Schaugarten in Hohenleipisch zum 10. Niederlausitzer Apfeltag des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft ein.
Wer in der Zeit zwischen dem 25. September und 03. Oktober in Stuttgart-Hohenheim unterwegs ist, sollte dort das ?Deutsche Landwirtschaftsmuseum? in der Filderhauptstr. 179 besuchen. Zum 150jährigen Jubiläum des Buches ?Die Kernobstsorten Hohenheims? vom Pomologen Eduard Lucas gibt es eine Sonderausstellung mit klassischen Obstgenüssen zum Probieren und Informationen über alte Obstsorten.

Zanderfilet mit Äpfeln und Möhren
Zum Abschluss noch ein raffiniertes Gericht der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen? Für vier Personen:
600 g Zanderfilet waschen, trocknen, tupfen und mit 4 EL Zitronensaft begießen;
300 g Möhren waschen, schälen und in Stifte schneiden;
500 g Äpfel waschen, schälen, entkernen und in Spalten schneiden;
20 g Butterschmalz erhitzen, Möhren im heißen Fett ca. 5 Minuten dünsten, dann die Äpfel und ? Liter Sahne zufügen;
1 TL Senf und Salz und Pfeffer würzen, aufkochen und mit 2 EL Soßenbinder abschmecken;
Fischfilets längs in Streifen schneiden, spiralförmig auf das Gemüse legen und zugedeckt 5 bis 8 Minuten gar ziehen lassen;
Auf einer vorgewärmten Platte anrichten und mit 2 EL Kerbelblättchen bestreuen.

Guten Appetit

VLE

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