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Milch: "Es geht um verdammt viel"

Landwirtschaft

Keine Einigung am Runden Tisch

Eine Woche Streik der der Milchbauern. Die Begeisterung trägt sie auch in die zweite Woche, sagt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) am Sonntag in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Während der Deutsche Bauernverband (DBV) vergangenen Montag in Leppersdorf nur 1.000 Bauern zusammen rufen konnte, folgten dem Bund Deutscher Milcherzeuger (BDM) 9.000 Milchviehhalter. Während der DBV noch von einer Streikbeteiligung von 12 Prozent ausgeht, kommt der BDM auf 60 Prozent. Während der Handel noch Ende der Woche die Verbraucher beruhigte, dass dänische und niederländische Bauern das Milchdefizit decken können, bestätigte Janssen, dass die Dänen zwar nicht streiken, aber einem Beschluss nach, keine Milch in die Bundesrepublik liefern. Wie Frankreich, Österreich und die Niederlande.

Milchindustrie am Runden Tisch
Eine Zwischenbilanz zu ziehen ist schwierig, schließlich gießen die Bauern jeden Tag ihr Einkommen weg. Aber die ablehnende Haltung des DBV ha sich geändert. Die Landesbauernverbände stehen unter Druck, weil auch die großen Betriebe merken, dass sie mit 30 Cent je Kilogramm nur wenig Überlebenschancen haben. Das Landvolk Niedersachsen stellte sich zu Beginn gegen den Streik, die ostfriesischen Bauern streiken. Eine Agrargenossenschaft solidarisiert sich nicht, weil sie nach der Wende keine weitern Flächen mehr hinzubekommen hat, in Bölzow haben Vertreter einer Genossenschaft ihre Plätze beim Landesbauernverband verlassen. Vor der Molkerei in Upahl in Mecklenburg-Vorpommern fuhren Wasserwerfer gegen die Milchbauern auf.

Anlässlich des Tag der Milch am vergangenen Sonntag forderte Bayerns Agrarminister Josef Miller: „Der Überlieferung der Quote muss unbedingt ein Riegel vorgeschoben werden.“ Das gehöre genauso wie die Quotenaufstockung der EU zu unabdingbaren Voraussetzungen für die Erholung des Milchmarkts und der Erzeugerpreise. Bayern hatte sich auf dem Bamberger Bauerntag zusammen mit Hessen gegen das Ende der Milchquote gestemmt.
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Der Druck steigt und am Sonntag sitzen der DBV, der BDM und die Milchindustrie erstmals zusammen wieder am Tisch, um da weitere Vorgehen zu besprechen. DBV und BDM hatten sich zuvor auf eine gemeinsame Vorgehensweise verständigt: Dabei sollen die Verhandlungen im Frühjahr zwischen Lebensmitteleinzelhandel und Molkereien wieder revidiert werden

Es geht nicht nur um die Milch
Die Bauern waren es leid, zwischen Molkereien und Lebensmittelhandel zerrieben zu werden. Die Molkereien nahmen den Handel in die Pflicht, die Erzeugerpreise nicht durch ihren Wettbewerb nach unten zu drücken, der Handel nahm die Molkereien in die Pflicht, im Kampf um Regalplätze bestehende Angebote nicht immer weiter zu unterbieten. Der schwarze Peter blieb bei den Bauern.
Aber es geht nicht nur um die Milch. Auf der Landesversammlung der AbL fürchteten die Bauern, falls der Streik fehlschlüge, treibe die Industrie die Preise für Schweine, Hähnchen oder Getreide auch nach untern, sofern die Preise dort nicht schon sind.
Die AbL zerstreute auch die Sorgen, dass weggeschüttete Milch angesichts von 850 Millionen hungernder Menschen ein negatives Image hervorrufen. Erst der niedrige und und Quote geregelte Milchpreis führe zu Überschüssen, die exportiert werden und die heimischen Märkte n den Entwicklungsländern zerstören.
In der Nacht haben sich jedoch Milchbauern und Milchindustrie nicht einigen können. Heute sollen weitere Gespräche mit dem Handel stattfinden.
Derweil rechnet der BDM seinen Bauern vor, dass jeder Tag Lieferstopp bei einer Preissteigerung von 30 auf 43 Cent/kg das investierte Geld in 2,3 Tagen wieder zurückverdient ist.

Roland Krieg

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