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Milchmarkt 2015

Landwirtschaft

EU will Milchquotenausstieg genau beobachten

Im März 2015 endet das Milchquotensystem in der EU. Es herrscht Skepsis, was genau danach passiert. Ein Produktionsüberschuss würde die Preise ruinieren, den Strukturwandel noch einmal beschleunigen. Auf der anderen Seite sind neue Wachstumsmärkte zu erschließen. In Brüssel tagten am Dienstag mehr als 400 Organisationen zu einer Folgenabschätzung.

Die EU will in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedsländern und Beteiligten des Milchmarktes eine Marktbeobachtung aufbauen. Nach EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos soll die Marktstelle ein Frühwarnsystem für Marktungleichgewichte sein und gleichzeitig genaue Analysen für die Preisvolatilitäten abgeben.

Darauf setzt der Europagrüne Martin Häusling. Er kritisiert die Experten, die den Milchsektor dem freien Markt überlassen wollen. Dadurch werden die Genossenschaften immer größer und die Milchbauern verlieren den Einfluss. Erzielte Gewinne würden nicht mehr an die Genossen weitergereicht werden.

Eine Bündelung der Landwirte mit Festsetzung einer Obergrenze sei widersprüchlich. Die Stützung von Milchproduktion in benachteiligten Gebieten gehe nicht über eine „Biotoppflege“ hinaus. Jederzeit könnten Nachfragerückgänge in Russland oder Produktionssteigerungen den Markt aus dem Gleichgewicht bringen.

Diese Furcht hat auch Copa-Cogeca, das Bündnis aus europäischem Bauern- und Genossenschaftsverband. Es gilt, extreme Volatilitäten zu vermeiden, ein besseres Einkommen zu erzeugen und die Milchproduktion gleichmäßig in Europa zu platzieren, sagte Mansel Raymond, von der Arbeitsgruppe Milch. Er wünscht sich öffentliche Intervention und private Lagerhaltung für die Marktstabilisierung. Futures könnten die Volatilität senken und die Bauern zusätzliche Versicherungslösungen suchen. Damit die Milchbauern in den traditionellen Grünlandgebieten wettbewerbsfähig sind, sollen sie nach Tomasso Mario Abrate von Copa-Cogeca und Präsident der italienischen Milchkooperativen.

Udo Folgart, Milchpräsident im Deutschen Bauernverband, begrüßte die Marktbeobachtungsstelle, der auch Prof. Dr. Ludwig Theuvsen von der Universität Göttingen. Die generelle Ausrichtung auf den Markt sei aber richtig. So rechnet Folgart mit einem Rückgang der Produktion in Portugal, Teilen Spaniens, Italien und Griechenland. Die Konzentration der Milchproduktion in Deutschland, den Niederlanden und Österreich werde weitergehen. Die Molkereien haben noch ein gutes Jahr Zeit, sich neue Produkte zu überlegen und auf die schwierige Zeit nach März 2015 vorzubereiten. Die deutschen Molkereien können Mitteleuropa als neuen Wachstumsmarkt erschließen. Die Grünlandstandorte will Folgart aber nicht verlieren. Mit geografischen Herkunftskriterien und neuen Produkten können sie ihren eigenen Markt finden. Zudem sollen die Gelder der zweiten Säule der Agrarpolitik vor allem für den Milchsektor ausgegeben werden.

Roland Krieg

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