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Mischinfektion Trichinella

Landwirtschaft

BfR-Entdeckung verändert Fleischbeschau

>Wissenschaftler des nationalen Referenzlabors für Trichinellose im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben bei einem in Deutschland erlegten Wildschwein eine Trichinenart diagnostiziert, die bislang nur im Ausland und dort zumeist bei fleischfressenden Vögeln und Wildtieren nachgewiesen wurde.

Mischinfektion Trichinella spiralis und T. pseudospiralis
Die Arbeitsgruppe um Dr. Karsten Nöckler, Leiter der Fachgruppe Molekulare Diagnostik, hat den Parasiten aus dem Fleisch eines Wildschweins isoliert, das auf der Insel Usedom erlegt wurde. Das Tier war sowohl mit dem eingekapselten klassischen Schweineparasiten Trichinella spiralis infiziert als auch mit der nicht eingekapselten Trichinella pseudospiralis. Eine solche Mischinfektion ist weltweit das erste Mal diagnostiziert worden. Der Fund hat Auswirkungen auf die Fleischbeschau: Die klassische Untersuchung mit dem Trichinoskop reicht für den Nachweis von Trichinella pseudospiralis nämlich nicht aus.

Über Aas aufgenommen?
In Deutschland ist in Wildschweinen bisher nur der Erreger vom Typ Trichinella spiralis gefunden worden. Der neue Fund wurde mit modernen molekularbiologischen und mikroskopischen Methoden nachgewiesen. Wildschweine sind Allesfresser. Vermutlich gelangte der Erreger in das Tier, wenn es infizierte Kadaver verendeter Wildtiere oder Vögel frisst. Während Tiere mit Trichinenbefall keine Krankheitssymptome zeigen, können beide Erreger beim Menschen schwere Erkrankungen hervorrufen. Im konkreten Fall wurde im Muskelfleisch des Wildschweins eine sehr hohe Parasitenkonzentration mit mehr als 900 Larven gefunden.
Obwohl die deutschen Haustierbestände trichinenfrei sind, erkranken in Deutschland immer wieder Menschen an der Trichinellose. Ursache für die Infektion mit dem Parasiten ist meist der Verzehr von Produkten wie Rohwurst oder Mett, die aus Schweinefleisch ausländischer Herkunft hergestellt wurden, schreibt das BfR. Eine zweite Quelle sind Rohwurst, roher Schinken oder Mett aus dem Fleisch von infizierten Wildschweinen. Larven, die auf diesem Wege aufgenommen wurden, entwickeln sich in der Dünndarmschleimhaut des Menschen zu Würmern, deren Larven sich anschließend im Muskelgewebe "einnisten". Die Erkrankung beginnt mit Magen-Darm-Beschwerden und geht mit allergischen Symptomen und Fieber einher. Ödeme bilden sich aus und es kommt zu Muskelschmerzen. Die Infektion kann tödlich verlaufen, vor allem, wenn die Zwerchfellmuskulatur oder der Herzmuskel betroffen sind.

Trichinenuntersuchung ist Pflicht
Die Trichinenuntersuchung ist deshalb Pflicht und wird im Rahmen der Fleischuntersuchung durchgeführt. Der Fund von Usedom bedeutet, dass Wildschweinfleisch künftig auch auf einen Befall mit Trichinella pseudospiralis untersucht werden muss. Da diesem Erreger die typische Kollagenkapsel fehlt, kann er mit dem Trichinoskop nicht entdeckt werden. Die Larven können leicht mit Muskelfasern verwechselt werden. Sicher entdeckt wird ein Befall nur durch die Untersuchung von künstlich vorverdauten Proben unter dem Mikroskop. Dort sind die einzelnen Larven dann deutlich sichtbar. Jäger sollten das Fleisch der von ihnen erlegten Tiere, bevor sie es verzehren oder zum Verzehr abgeben, daher von Einrichtungen untersuchen lassen, die solch Nachweismethoden beherrschen. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit eines Trichinellenbefundes beim Wildschwein mit 1:50.000 eher niedrig, schätzt das BfR, wenn aber das Fleisch eines infizierten Tieres in den Verkehr kommt, sind die Konsequenzen aber gravierend, weil sich zumeist mehrere Menschen infizieren und erkranken. Das vollständige Ergebnis der Untersuchung wird in Kürze in der wissenschaftlichen Zeitschrift Veterinary Parasitology veröffentlicht.

roRo

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