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Mit Hefen und Bienen gegen Feuerbrand

Landwirtschaft

Alternative gegen Feuerbrand in der Schweiz vorgestellt

Bereits im 19. Jahrhundert hat der Feuerbrand in nordamerikanischen Obstbauanlagen schwere Schäden verursacht. In Deutschland wurde das Bakterium Erwinia amylovora Ende der 1960er Jahre erstmals an Nord- und Ostsee beschrieben, seit 1993 hat sich der Befall insbesondere in Süddeutschland für die Obstbauern Existenz Feuerbrand zeitigt schwarzen Blütenbodenbedrohend ausgeweitet. Baden-Württemberg ist am meisten betroffen: Von den rund 40.000 ha Kernobstflächen liegen rund 13.500 in BW. Allein im Bodenseegebiet gibt es rund 7.200 Hektar. 1993 mussten rund 200 ha gerodet werden, was Kosten in Höhe von 22.000.Euro je Hektar nach sich zog. Vier Jahre dauert es, bis die Neuanpflanzung wieder beerntet werden kann. In dieser Zeit verliert der Bauer noch einmal jeweils 15.000 Euro Umsatz im Jahr.

Roden oder Spritzen?
Das Antibiotikum Streptomycin ist ein wirksames, aber auch umstrittenes Mittel gegen Feuerbrand. Neben Wuchshemmstoffen bietet der Markt noch Fungizide und in den USA wird ein bakterieller Antagonist eingesetzt: Pseudomanas A506.
Die Wirksamkeit der Mittel ist aber stark abhängig vom Infektionstyp. So wirkt Kupfer ausgezeichnet gegen Blütenbefall, jedoch nur wenig gegen Infektionen des Triebs.
Resistente Sorten sind rar. Der Red Delicious trägt diesen Bonus. Jedoch wird damit meist nur eine Feldresistenz ausgelöst, so die Biologische Bundesanstalt BBA. Die Äpfel tolerieren einen geringen Befall, d.h. sie stabilisieren Wirt-Parasit-Systeme.
In der benachbarten Schweiz hatte sich 2001 die Feuerbrandsituation nach dem Rekordjahr 2000 mit Befall in 365 Gemeinden gebessert. Allgemein wird das auf verstärktes Roden der Anlagen zurückgeführt. Derzeit ist es aber noch schlimmer geworden. Aktuell gibt es Feuerbrandbefall in 852 Gemeinden und die Schweizer Feuerbrandseite meldet erstmals Feuerbrand im italienischen Teil Graubündens. Das Bakterium hat sich mittlerweile bis auf 1100 m über dem Meeresspiegel ausgebreitet.

Mit einem Hefepilzen gegen Feuerbrand
Am Montag und Dienstag fanden sich in Luzern mehr als 300 internationale Experten zum 2. Annual Biocontrol Industry Meeting (ABIM) ein, das die Industrie für ökologische Pflanzenschutzmittel zusammen mit dem Institut für Organischen Landbau (FiBL) veranstaltete.
In der Schweiz ist das Antibiotika Streptomycin nicht zugelassen und eine süddeutsche Firma stellte als Alternative ihr Präparat aus Kolonien bildenden Hefepilzen Aureobasidium pullulans vor. In Deutschland hätte es eine sehr gute Wirkung gegen den Feuerbrand gezeigt und ist obendrein umweltverträglicher. Das Pilzpräparat ist beim schweizerischen Bundesamt für Landwirtschaft zur Zulassung angemeldet und dürfte im nächsten Jahr auf den Markt kommen.
In Deutschland ist das Mittel „Blossom-Protect“ seit dem Februar 2006 in der Liste der Pflanzenstärkungsmittel des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit aufgenommen. Es wird in Wasser gelöst und als Spritzmittel ausgebracht.
Auch die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES), die im Auftrag der Republik Österreich Aufgaben im Bereich der Ernährungssicherheit wahrnimmt, hat gute Erfahrungen mit dem deutschen Präparat gesammelt. Das Institut für Bienenkunde hatte sich allerdings auch der Herausforderung gestellt, den Feuerbrand an den Orten zu bekämpfen, die nur schwer oder gar nicht zugänglich sind. Erwinia amylovora befällt nicht nur den Erwerbsgartenbau, sondern auch Streuobstbestände und andere Wirtspflanzen in Hausgärten und in der Wildflora.
Da süddeutsche Mittel hat keinerlei Gefährdungspotenzial für Bienen. So kam das Team um Dr. Moosbeckhofer vom AGES Institut für Bienenkunde auf die Idee, die Hefepilze von Bienen verteilen zu lassen. Tatsächlich gelang es, Bienen mit dem Wirkstoff beim Ausflug aus der Beute zu bepudern und verteilen zu lassen. Allerdings haben die ersten Versuche gezeigt, dass dieser Weg noch verbesserungswürdig ist: Bei Regen ist das Puder nicht stabil und bei Kondenswasser im Vorratsbehälter verklumpt der Wirkstoff.
Eine Analyse inwieweit die Bienen den Befallsdruck aus der Umgebung von Erwerbsgartenflächen tatsächlich haben reduzieren können, steht noch aus. Nachzuweisen waren die ausgebrachten Hefepilze nicht in Blütenanalysen. Aber doch in zwei Nektar- und zwei Wabenhonigproben, die auf einen Besuch der bepuderten Bienen hinweisen.

Lesestoff:
Feuerbrandinformationen gibt es beim BBA www.bba.bund.de, der Schweizer Seite www.acw.admin.ch.
AGES können Sie besuchen unter www.ages.at und die ABIM-Konferenz unter www.abim-lucerne.ch

VLE; Foto: BBA

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