Menü

Mysteriöse Salmonellenmeldungen

Landwirtschaft

Dänemark warnt nicht

> Es geistert in manchen Medien. Durchaus zu Recht, jedoch nicht immer fair. Die dänische Regierung hat über die deutsche Regierung dem Land Nordrhein-Westfalen offiziell mitgeteilt, dass in einer Probe vakuumverpackter Putenschlegel mit Haut aus einem dortigem Zerlegebetrieb Salmonellen nachgewiesen wurden. Fälschlicherweise wurde der Fund auch bereits nach Niedersachsen verlegt. Eine Schnellwarnung über die EU ist von Dänemark nicht initiiert worden. Die Probe stammt vom 22.03.04 und trug das Haltbarkeitsdatum 06.04.04. Mittlerweile kann davon ausgegangen werden, dass das Geflügelfleisch nicht mehr in Verkehr ist. Als Folge der Meldung werden der Zerlege- und der Mastbetrieb auf ein eventuelles Hygieneproblem hin untersucht.

Sommer, Sonne, Salmonellen
Salmonellen sind die häufigsten Verursacher von Darminfektionen in Deutschland. Jedes Jahr treten insbesondere in den Sommermonaten zahlreiche Erkrankungsfälle auf. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, Senioren und Kranke. Erst kürzlich erlitten im Allgäu über 35 Bewohner eines Seniorenheims Salmonelleninfektionen, wie der aid Infodienst diese Woche allgemein berichtete. 2003 wurden knapp 63.000 Erkrankungsfälle gemeldet. Die Dunkelziffer liegt jedoch nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Berlin, um das zehnfache höher (s. dazu auch Herd-und-Hof.de vom 15.06.2004). Salmonellenfunde in Geflügelfleisch sind keine Seltenheit. Dieses ist allgemein bekannt, wie das niedersächsische Landwirtschaftsministerium verkündet, und, vor allem, der Grund, warum in der Küche bestimmte Hygieneregeln zu beachten sind. Salmonellen gehören zwar nicht unbedingt zum normalen Keimdruck auf die Menschen dazu, jedoch zum normalen Vorgang der Natur, sofern nicht Hygieneregeln eingehalten werden. Dazu gehört das Händewaschen nach dem Umgang mit frischem Geflügelfleisch und die getrennte Lagerung von Lebensmitteln, die roh verzehrt werden. Da Geflügelfleisch nicht roh verzehrt wird, geht von Salmonellen nach bestimmungsgemäßer Zubereitung keine Gefahr für den Verbraucher aus, da sie beim Erhitzen bereits bei 70°C sicher abgetötet werden.

Die Geflügelproduktion
Nicht das Salmonellen gefunden werden ist die eigentliche Meldung, sondern, dass der gefundene Stamm ?Salmonella anatum? gegen die meisten Antibiotika resistent ist. Dazu NRWs Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn: ?Die Entwicklung von mehrfach resistenten Keimen nimmt deutlich zu. Salmonellenkeime sind nicht nur in Putenfleisch, sondern auch in Schweinefleisch und in anderen Lebensmitteln zu finden. Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast sollte nur äußerst restriktiv eingesetzt werden, denn es kann nicht sein, dass bundesweit jährlich immer noch Tonnen Antibiotika zur Gewinnmaximierung und zur Vorbeugung von Krankheiten in der intensiven Tiermast als Leistungsförderer eingesetzt werden und immer mehr Erkrankungen bei uns Menschen auftreten, die nur schwer oder gar nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden können. Deshalb ist es wichtig, dass Tiere extensiver, das heißt artgerechter gehalten werden. Ab Ende 2005 dürfen auf die Initiative des Verbraucherschutzministeriums NRW nun endlich auch die letzten vier Antibiotika, die als Leistungsförderer in der Tiermast eingesetzt werden, EU-weit nicht mehr dafür eingesetzt werden."

Salmonella anatum
Im Januar beschrieb das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem wöchentlichen Bulletin über S. anatum, dass die Zahl der gemeldeten Infektionen in 2003 bei 175 lag. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Infektion mit diesem Erreger um 111 Prozent an. Es wurden meist Einzelfälle gemeldet, die zeitlich überwiegend in dem so genannten Sommergipfel ab Mai liegen und räumlich breit verstreut sind. Meist jedoch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Europaweit gibt es keinen vergleichbaren Anstieg, so das RKI, was daraufhin deuten mag, dass S. anatum sich als Erreger in Deutschland etabliert. ?Möglicherweise liegen der Häufung regionale Verzehrsgewohnheiten oder aber innerdeutsche Warenströme kontaminierter Lebensmittel zu Grunde.?

VLE

Zurück