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Natur hat einen neuen Namen

Landwirtschaft

Bilanz „Allzweckwaffe“ Naturpark

88 Prozent der Bevölkerung schätzen die Parke als wichtig an, aber nur sechs Prozent kennen die Unterschiede zwischen Nationalpark, Biosphärenreservat und Naturpark. Dr. Michael Arndt, Präsident des Verbandes Deutscher Naturparke nahm es gelassen, als er in Berlin die Bilanz des „Jahr der Naturparke“ zog. In diesem Jahr haben sich die Parke erstmals unter der Dachmarke „Nationale Naturlandschaften“ präsentiert und der Bekanntheitsgrad wurde „erheblich“ gesteigert.
Zudem wurde die Mobilität erhöht, denn unter der neuen Dachmarke mit dem dreifarbigen Kreis wurden noch nie so viele Veranstaltungen in allen Bundesländern durchgeführt. Und als drittes hob Dr. Arndt hervor, dass 2006 Kooperationen hervorgebracht hatte, die es vorher noch nicht gegeben hatte. So stand auch EUROPARC Deutschland nicht außen vor und gestaltet die Aktionen mit.

Ein Viertel Deutschlands sind Parks
Was mit dem Großreeder Töpfer vor 50 Jahren und mit 25 Naturparks begann, hat sich heute zu einem dichten Netz quer über Deutschland verbunden: 14 Nationalparks, 14 Biosphärenreservate und 93 Naturparks. Vor allem die Idee der Großflächengebiete in Ostdeutschland, hat dem Verbundsystem Auftrieb gegeben. Man habe mit der Idee der gemeinsamen Dachmarke vergleichbares wie die USA mit dem National Park Service oder Großbritannien mit dem National Trust geschaffen. Vorsitzender der EUROPARC Deutschland, Dr. Eberhard Henne, sieht in der Dachmarke gemeinsam genutzte Synergien für den Auftritt und die Vermarktung.
Vor allem aber haben die „Nationalen Naturlandschaften“, über die sogar das National Geographic eine 13-teilige Serie gestaltet hat, es geschafft, dass die Deutschen wieder zu Hause Urlaub machen. Dr. Henne: „Wir wollen Deutschland zu einem Land des naturnahen Tourismus werden lassen!“

Neue Buchreihe erschienen:
Nicht Pilze und seltene Schmetterlinge gibt es in dem gestern vorgestellten Buch „Natur erleben“. In dem ersten von insgesamt 11 Bänden werden die schönsten Routenvorschläge für Wanderungen, Fahrrad-, Kanu- und Inlinetouren herausragender Landschaften in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Neben Übernachtungshinweisen und Kulturdenkmälern finden sich auch Tipps wo es Deutschlands einziges Obstbaumuseum gibt oder was es mit den „Schmugglerwegen“ bei Gummersbach auf sich hat.
Jedes Bundesland bekommt einen Band. Bis Ende 2007 sollen sie vollzählig sein und kosten zwischen 12,95 und 17,95 Euro: Natur erleben, Klartext Verlag, ISBN: 10:3-89861-576-6
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Daher gibt es seit diesem Jahr eine Qualitätsoffensive. Die Naturparke können einen Fragekatalog mit 41 Fragen über vorhandene Infozentren, den Ausbau von Rad- und Wanderwegen, aber auch über die nachhaltige Regionalentwicklung eine Selbsteinschätzung abgeben. Diese wird von einem externen „Scout“ überprüft und dann mit einem Zertifikat versehen. Zu Herd-und-Hof.de sagte Dr. Arndt, dass diese Qualitätsoffensive auch eine Art Hilfestellung für die Parks sind. Es soll noch ein Mentorenprogramm aufgelegt werden, bei dem fachliche Spezialitäten von außerhalb den Parks zur Hilfe kommen. Der „One-Dollar-Man“ könnte beispielsweise Flyer entwickeln.

Mehr als nur eine grüne Linie
Im September wurde das Petersburger Programm der Naturparke aufgelegt. Darin sind die vielfältigen Aufgaben zusammen gefasst. Neben der Sicherung der biologischen Diversität gelten Naturparke als Vorbildlandschaften. Sie bieten Erlebnismöglichkeiten und Umweltbildungsangebote. Prof. Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg, beschrieb den wirtschaftlichen Inhalt der Landschaften, die neben über 200 Fischadlerpärchen auf den märkischen Sanden auch wieder eine stabile Großtrappenpopulation gesichert haben: Die Hälfte der Fläche wird in Brandenburg ökologisch bewirtschaftet und der Spreewald erreicht sogar 75 Prozent Anteil der ökologischen Landwirtschaft. In Brandenburg wurden in dieser Saison 200 Landschaftsführer ausgebildet. Um den Stechliner See gibt es einen 55 Kilometer langen, fast barrierefreien Wanderweg, der zwei Hotels die Existenz sichert.
Das hat sich im Wesentlichen geändert: Mit der Idee der nachhaltigen Wirtschaft, bringen Naturparke auch attraktive Lebensräume für die Menschen hervor – ohne das die Natur darunter leidet.
Kürzlich konnte Uwe Brendle vom Bundesamt für Naturschutz mit konkreten Wirtschaftszahlen belegen, dass Naturparke Nutzung und Bewegung sind. Inwieweit der vielfältige Nutzungsdruck auf die Landschaft als Naturpark zerrt, bleibt noch offen. Wenn allerdings, so Prof. Freude zu Herd-und-Hof.de, innovative Technologie nachhaltig ist, dann kann sie verwendet werden. Die Parke selbst aber bleiben zum Beispiel Windenergiefrei – die kann woanders genutzt werden. Auch beim Maisanbau müsse man näher hinschauen, welche Ausmaße er annehmen würde.
Mit 140.000 Besuchern sind die Nationalen Naturlandschaften in Brandenburg ein großer Erfolg gewesen.

Lesestoff:
Aktuelle Informationen, die Qualitätsoffensive und vor allem die Veranstaltungshinweise gibt es unter:
www.naturpark.de
www.nationale-naturlandschaften.de
www.europarc-deutschland.de

Roland Krieg

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