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Naturschutzgebiete: Paradiese für Borkenkäfer?

Landwirtschaft

Borkenkäferstudie der Bayerischen Forstverwaltung

Naturschutzgebiete sind nicht nur Refugien für seltene Pflanzen und Tiere. Sie sind auch ein Refugium für Schädlinge, die dort nicht bekämpft werden. So wandern Nager immer wieder von Naturschutzgebieten in die Felder. Aus dem Naturschutzwald drängt auch der Borkenkäfer in den Forst – heißt es immer. Ob das wirklich so ist, hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in einer fünfjährigen Langzeitstudie ermittelt. Das Untersuchungsgebiet war der Bayerische Wald, der als „Urwald“ ein Vorzeigeprojekt ist. Und als „Bedrohung für die Holzwirtschaft nebenan“ gilt.

Borkenkäfer

Borkenkäfer kommen weltweit an allen Laub- und Nadelbäumen vor. Manche haben sich auf nur eine Baumart spezialisiert. So der Hauptschädling Buchdrucker, der Fichtenwäldern den Garaus bereiten kann. Er gilt vor allem in heißen und trocknen Jahren als der gefährlichste Borkenkäfer. Ein Mittel gegen ihn gibt es nicht. Die Förster versuchen, Schäden so früh als möglich zu erkennen, fällen den Baum und fahren das Holz ab. Die beiden letzten Schritte sind im Naturschutzgebiet nicht möglich, weswegen der Buchdrucker sich ausbreiten kann.

Es gibt zwar Untersuchungen über die Auswirkungen des Borkenkäfers auf benachbarte Forste, jedoch überwiegend im Zusammenhang mit Sturmwürfen und nachfolgender Massenvermehrung. Die Schädlingspopulation lässt sich ökologisch in eine Zeit der „Latenz“ und in eine Zeit der „Gradation“ einteilen. Die Latenzphase ist der „Ruhezustand der Populationsphase“ zwischen zwei Massenvermehrungen und weist eine niedrigere Dichte an Insekten auf. Die vorliegende Studie hat sich diese Zeit vorgenommen, weil die Massenvermehrung doch eher Auswirkungen auf benachbarte Regionen hat. Besteht die Gefahr auch in der Latenzphase? Das Ergebnis hat Folgen für die Einschätzung von Naturschutzgebieten als Reservoir für Schädlinge.

Die Ergebnisse

Die Wissenschaftler haben sich die Randzonen des Bayerischen Waldes angeschaut und in der Latenzphase eine vorwiegend niedrige bis moderat erhöhte Buchdruckerdichte vorgefunden. Sie fanden einen kleinräumigen, verstreuten Befall vor. Daher wurde „kein erhöhter Befallsdruck durch Buchdrucker aus dem Nationalpark heraus“ festgestellt. Wurde die Borkenkäferbekämpfung eingestellt, hatte das keine Auswirkungen in höheren Hanglagen. Die Befallsentwicklung wurde maßgeblich durch die unterschiedliche bestandesbedingte Disposition der Wälder und das Borkenkäfermanagement geprägt. Von Naturzonenausweisungen mit größerer Distanz zum Nationalpark ging gar keine Gefährdung für die Wirtschaftswälder aus.

Punktuell gab es einen höheren Borkenkäferdruck in den neuen Ausweisungsgebieten von 2009 bis 2014 bis zu einer Entfernung von 500 Meter in die Wirtschafträume hinein. Von diesen Regionen geht bei der Massenvermehrung dann ein deutlicher Befallsdruck aus.

Daher sollten die Schutzmaßnahmen in den Risikobereichen deutlich verstärkt werden. Punktuell sollte dort der Wald auch mit einer Buchen- und Tannenverjüngung umgebaut werden. Das reiche für „effizienten Schutz der an den Nationalpark angrenzenden Wirtschaftswälder gegenüber Buchdrucker-Massenvermehrungen“ aus.

Punktueller Handlungsbedarf

Das Ergebnis ist in der Politik bereits angekommen. Am Freitag versprach Forstminister Helmut Brunner „eine punktuelle Ausweitung der Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Bayerischer Wald“. Zunächst einmal zeige das Forschungsergebnis, „dass der Käferbefall in den Privatwäldern nicht pauschal von der Situation im Nationalpark abhängt.“ Die Schutzzonen müssen aber überdacht werden und könnten im Einzelfall eine Verbreiterung von 500 auf 1.000 Meter nach sich ziehen. Die Nationalparkverwaltung bei der Neu-Ausweisung zunächst die Hochlagen präferieren.

Lesestoff:

Eine Kurzfassung der Studie finden Sie unter www.lwf.bayern.de

www.borkenkaefer.org

Roland Krieg

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