Neue Wege gegen Unkraut sind dringend nötig

Landwirtschaft

Bedarf und Lücken in der Beratung zum Resistenzmanagement

Die Ursachen von Resistenzmanagement sind komplex [1]. Bernd Rodemann vom Julius Kühn-Institut (JKI) spricht auf dem ADAMA-Symposium im November von der Übernutzung des chemischen Pflanzenschutzes. Mit dem Fernhalten sind in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg deutliche Steigerungen und Absicherungen der Erträge erzielt worden. Bei Weizen sind nach verschiedenen Studien zwischen 21 und 19 Prozent der Erträge durch den chemischen Pflanzenschutz abgesichert. Die Verengung der Fruchtfolgen habe auch eine ökonomische Ursache, bei der allerdings bestimmte Schadorganismen optimale Ausbreitungsverhältnisse fanden. Die stetige Suche nach neuen Wirkstoffen könnte zu einem höheren Mitteleinsatz und höherem Schädigungspotenzial der Umwelt geführt haben, was heute in Verlusten von Zulassungen und einer geringeren Mittelpalette endet. Die resistenten Biotypen können sich ausbreiten.

Nach Rodemann sind die Ackerbaustrategie 2030 des Bundesministeriums für Ernährung  und Landwirtschaft und der Green Deal als Strategiepaier Diskussionsvorlagen aus der Gesellschaft und bereiten mit neuen Züchtungsstrategien und der neuen Klasse der Biostimulantien, als Kategorie zwischen Düngung und Pflanzenschutz, neue Lösungen vor. Die Konditionierung der Ziele erfolge über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP).

Resistenzgefährdung

Eine Übersicht von Bernd Rodemann listet die wichtigsten Schaderreger auf. Demnach droht neben Unkräutern auch bei Pilzen und Bakterien und zwar in allen Feldkulturen eine Resistenzbildung.

Die ausführliche ADAMA-Studie zum Thema Resistenzmanagement hat im November die Unterschiede zwischen Beratung und landwirtschaftlichen Alltag herausgearbeitet. Bei Herbiziden geben doppelt so viele Landwirte an (69 zu 36 Prozent), von Resistenzen betroffen zu sein. Auch bei Insektiziden ist der Anteil der betroffenen Landwirte mit 61 Prozent deutlich größer als von den Beratern eingeschätzt (48 Prozent. Lediglich bei Fungiziden  nähern sich die Einschätzungen der Beratung der Ackerbaupraxis (jeweils rund 37 Prozent. Die gefragten Berater kamen aus der Offizialbertaung, waren Privat- und Handelsberater.

Beratungsbedarf

63 Prozent der Befragten Landwirte holt sich bei Beratern Rat über Resistenzmanagement ein. Und sechs Prozent wünschen sich dazu eine Beratung.  Die Antworten bei der Frage nach Resistenzmanagement bei Ackerfuchsschwanz und Windhalm haben die Breite an Einzelmaßnahmen aufgezeigt, die Landwirte umsetzen. Landwirte, die keine Beratung wünschen, setzen zu 90 Prozent auf die Informationen der der Fachzeitschriften. Mehr als die Hälfte nutzt die Veranstaltungen des amtlichen Dienstes und dessen Informationsmaterial. Die Webseiten der Pflanzenschutzmittelhersteller dienen kaum der Informationssuche nach Maßnahmen im Resistenzmanagement.

Beratungslücken

Was Berater empfehlen ist nicht immer das, was Landwirte umsetzen. Ein Wirkstoffwechsel wird von allen Beratern empfohlen und zu 95 Prozent der Landwirte auch umgesetzt. Die Berater hingegen schätzen, dass nur drei Viertel der Landwirte auch den Wirkstoffwechsel auch tatsächlich umsetzen. Immerhin: Bei den Empfehlungen „Gesunde Sorten“ und „nicht zu frühe Aussaat“ sind die Relationen ähnlich. Nur der vielfachen Empfehlung nach „Einhaltung der empfohlenen Aufwandmenge“ geben die Landwirte nicht so oft nach, wie von den Beratern eingeschätzt.

Ein Blick in die Zukunft

Bei einzelnen Schadpflanzen und Schaderregern ist das Maß an Erträglichkeit für die Landwirte erschöpft. Die Politik hat nach Bernd Rodemann eine Neuorientierung des Pflanzenschutzes längst eingeleitet. Die verschiedenen Maßnahmen sind aber nicht alle gleichermaßen erfolgreich. Oft stehen kurzfristige Maßnahmen mit sofortigem Erfolg langfristigen Maßnahmen, bei denen der Erfolg erst nach mehreren Fruchtfolgewechseln erkennbar wird, im Vordergrund. Grit Lezovic und Franz Stuke von ADAMA wollen das künftig näher untersuchen. Der Pflanzenschutz braucht für seine komplexen Ziele eine ökonomische Neubewertung.

Lesestoff:

[1] Umfrage des Monats: Quälgeister Ackerfuchsschwanz und Windhalm: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/warum-das-resistenzmanagement-immer-wichtiger-wird.html

Roland Krieg

Zurück