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Neuer Fadenwurm profitiert vom pfluglosen Anbau

Landwirtschaft

Hessische Wissenschaftler finden neue räuberische Nematode

Die neue Nematodenart Prionchulu sturhani

Die Welt der Fadenwürmer ist groß: Nematoden sind zumeist kleine, farblose Würmchen; in 100 Milliliter fruchtbarem Boden können über 10.000 Individuen auftreten. Mehr als 20.000 Arten sind bekannt. Die meisten Arten ernähren sich von Bakterien und Pilzen, beeinflussen dadurch den Nährstoffkreislauf und sind ein bedeutender Bestandteil des Bodenökosystems. Andere parasitieren Insekten und werden in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Zahlreiche Nematoden saugen aber auch selbst als Schädlinge an den Wurzeln von Kulturpflanzen.

Pflanzenwissenschaftler der Universität Kassel haben jetzt auf einem Versuchsfeld in Neu-Eichenberg im Landkreis Werra-Meißner eine neue räuberische Fadenwurm-Art gefunden. Das Team von Prof. Dr. Maria Finckh zog Bodenproben zur Untersuchung des Einflusses nachhaltiger Anbausysteme auf die Boden- und Pflanzengesundheit. Die Bodenprobe gelangte zur näheren Untersuchung an das Julius Kühn-Institut in Münster. Dort wurde das weniger als zwei Millimeter große Würmchen mit rundem Kopf und kurzem Schwanz von Gastwissenschaftlerin Dr. Tam Vu aus Vietnam und erstmals zusammen mit ihrer polnischen Kollegin Grazyna Winiszewska beschrieben und nach dem kürzlich verstorbenen Taxonom Dr. Dieter Sturhan benannt.

Räuberische Nematoden, wie Prionchulu sturhani, ernähren sich von anderen Nematoden und kleinen Bodentieren und sind somit ein wichtiger Bestandteil des Bodennahrungsnetzes. Sie stehen am Ende der Nahrungskette und reagieren empfindlich auf jegliche Bodenstörung. Das Auftreten räuberischer Arten ist somit ein verlässlicher Anzeiger auf ein ungestörtes und gesundes Bodenökosystem. Dies zeigte sich auch sehr eindrucksvoll in den Versuchen in Neu-Eichenberg. Während gepflügte Ackerflächen keinerlei räuberische Arten aufwiesen, wurden in nicht gepflügten Bereichen teils hohe Dichten an räuberischen Nematoden gefunden.

roRo; Foto: Grazyna Winiszewska

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