Neuer Milchgipfel gefordert

Landwirtschaft

„Größte Krise des Milchmarkts“

„Der Milchmarkt steckt in seiner bisher größten Krise, die Milcherzeuger haben immense Liquiditätsprobleme und vernichten jeden Tag Unsummen von Eigenkapital“.
Mit dieser Resolution sind die Milchbauern des Bundesverband Deutscher Milchviehalter (BDM) in weiten Teilen des Landes vor die Molkereien gezogen, um erneut auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Bei einem Milchpreis zwischen 22 und 24 Cent je kg Milch werden nach Berechnungen des BDM jährlich vier Milliarden Euro Wertschöpfung vernichtet. Alleine in Bayern sind es mehr als eine Milliarde. Derzeit gibt es noch knapp 99.000 Milchbauern, doch werden es bei anhaltender Krise rund 50.000 Betriebe weniger sein.

Milchgipfel auf Kanzlerebene
Nachdem der erste Milchgipfel im letzten Jahr mit Beteiligung des zuständigen Fachministeriums wenig Erfolg gezeigt hat, fordert nicht ur der BDM einen neuen „Milchkrisengipfel unter Federführung von Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel“. Auch Horst Seehofer forderte diese Woche umgehend einen „zweiten nationalen Milchgipfel“ bei Merkel eingefordert.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat am Donnerstag ebenfalls rasche Hilfe eingefordert. Adalbert Kienle, Stellvertretender Generalsekretär des DBV, forderte sogar unkonventionelle Hilfe ein. So könnten die EU-Direktzahlungen, die im Dezember ausgezahlt werden, bereits auf Juli vorgezogen werden. Zudem müsste Milch wieder „herausgekauft“ und als Pulver eingelagert werden. Außerdem ginge es nicht an, dass die verarbeitende Industrie Milch aus ihren Rezepturen herausnimmt und die Verbraucher darauf nicht reagieren können.

Hin und her
Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, sagte auf einer Milchbauernversammlung in dieser Woche: „Sie haben heute früh am Melkstand gestanden, Sie haben den Kühen Futter vorgelegt. Und das Ergebnis? Sie haben wider eine Menge Geld verloren, damit muss jetzt Schluss sein.“
Wissenschaftler wie Prof. Dr. Michael Schmitz von der Universität Giessen, Institut für Agrarmarktpolitik, sieht die Misere im Anwachsen der weltweiten Milchproduktion nach dem Preishoch von 2007 und dem Exporteinbruch im Rahmen der Finanzkrise.
Am Donnerstag hat Danone als weltweit größter Anbieter von Molkereiprodukten einen Zuwachs von zehn Prozent je Aktie verkündet. Allerdings schrumpften die Umsätze mit Milchprodukten um 1,2 Prozent, zulegen konnten nur die Bereiche Babykost und Mineralwasser.
Als dramatisch hat auch der niederländische Bauernverband die Lage bezeichnet, weil die Milchpreise um rund die Hälfte auf unter 25 Cent gefallen sei. In Holland forderte der Bauernverband ebenfalls eine vorzeitige Auszahlung der Direktzahlungen und könne sich vorstellen, dass der Staat Magermilchpulver finanziell für die Verfütterung an Kälber unterstützt.

VLE

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