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Neuer Milchlieferstreik möglich

Landwirtschaft

EU-Milchpolitik in der Sackgasse?

Romuald SchaberRomuald Schaber, Präsident des European Milk Board (EMB) hat auf der Grünen Woche angekündet, „Marktregulierungen öffentlichkeitswirksam einzufordern“. Der Präsident des EMB sieht die Liberalisierungsschritte der EU in der Sackgasse, denn sonst wäre sie nicht gezwungen gewesen, vor einem Jahr wieder eine Exporterstattung einzuführen. Die nächsten Wochen würden zeigen, ob die Preise nach oben gingen oder so niedrig bleiben, dass die variablen Kosten nicht gedeckt sind. Rund drei Prozent der Milchmenge sind derzeit eingelagert, was ziemlich genau den letzten Quotenerhöhungen entspräche.

Grenzübergreifender Schaden
Die niedrigen Milchpreise richten nicht nur Schaden bei den europäischen Bauern an, sondern nach Henry Njakoi von Heifer International aus Kamerun auch bei afrikanischen Milchbauern. Die erhalten keine Subventionen und halten lediglich bis zu drei Kühe. Für sie ist die Entscheidung des Handels preiswertere Importmilch zu verarbeiten existenzgefährdend. Zudem haben die Bauern keine Einkommensalternative. Njakoi ist zwar nicht gegen den Handel, aber er müsse fair gestaltet sein.
Sieta van Keimpema, Vizepräsidentin des EMB stellt sich auch nicht gegen den Handel. Aber gegen Dumpingpreise im Handel. Auch die Europäer brauchen einen Zollschutz, so Schaber. Damit können die Bauern ihre höheren Produktions- und Umweltstandards realisieren. Das EMB sieht durchaus die EU in der Pflicht. Van Keimpema sieht den Trend der Renationalisierung der Agrarpolitik. Das wolle jedoch niemand, so Keimpema.
Mittlerweile frage auch die High Level Group für den Milchmarkt der EU das EMB um Rat, weil sich die Erkenntnis ausbreitet, dass die Liberalisierung zu keinem Erfolg führe, sagte Willem Smeenk, EMB-Vorstand aus Frankreich. Die Bauern wollen das Angebot der Nachfrage anpassen. Während in Frankreich die Bauern eine Superabgabe zahlen müssen, wenn sie ihre Lieferquote überschreiten, können die deutschen Bauern auf eine „Saldierung“ spekulieren, dass ein andere zu wenig liefert.

roRo (Text und Foto)

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