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NI: Leitlinien der Landesentwicklungspolitik

Landwirtschaft

Fachkongress Landesentwicklung

>Am Donnerstag, dem 12. November, fand zum 6. Male im Alten Rathaus Hannover der Fachkongress „Leitlinien der niedersächsischen Landesentwicklungspolitik“ statt. Der diesjährige Fachkongress stand unter der Gesamtüberschrift „Zukunft gewinnen - Herausforderungen für Landesentwicklung und Landesplanung“. Experten aus ganz Deutschland waren eingeladen, über ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse und praktischen Erfahrungen zu berichten.

Positiv- und Negativbilanz
Der Zukunftsforscher Prof. Dr. Rolf Kreibich, Institut für Zukunftsstudien und Technologien Berlin, hielt den Einführungsvortrag mit dem Thema „Global denken - Regional entwickeln - lokal handeln“. Er spannte darin den Bogen von den großen globalen Herausforderungen, den „Megatrends“, wie Globalisierung von Wirtschaft, Beschäftigung und Mobilität über Klimawandel zu den Notwendigkeiten des Handelns und Planens vor Ort und in der Region.
Seine Positivbilanz der Industriegesellschaft: In 100 Jahren verdoppelte sich die Lebenszeit der Menschen, Nettoeinkommen und materieller Lebensstandard stiegen um 3.500 Prozent, Geschwindigkeit und Distanzüberwindung haben sich verhundertfacht.
Die Negativbilanz: Jeden Tag belasten 75 Mio. Tonnen CO2 die Atmosphäre, werden 55.000 Hektar Tropenwald vernichtet, gehen 20.000 Hektar Ackerland verloren, verschwinden 80 bis 120 Tier- und Pflanzenarten, werden 220.000 Tonnen Fische „abgefischt“. Ausgehend von den beiden Welt-Leitbildern der Wissensgesellschaft und der Nachhaltigen Gesellschaft entwickelte er zahlreiche konkrete Vorschläge für eine nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung, darunter Vorschläge für einen sparsamen Energieeinsatz im Wohn- und im Verkehrsbereich.

Energie. Logistik und Siedlung
Der Wissenschaftler Dr. Peter Ahmels von der Deutschen Umwelthilfe e.V. in Berlin und Udo Sahling von der Klimaschutzagentur Region Hannover GmbH gingen dann noch näher auf die konkreten Planungsaufgaben ein, die in den nächsten Jahren für den Klimaschutz notwendig werden. Hierbei spielen regenerative Energien eine ganz große Rolle.
Professor Dr. Dirk Vallée von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und der Kreisplaner des Landkreises Harburg, Stefano Panebianco, schilderten, wie durch integrierte Verkehrsentwicklung und Logistik der Verkehr - auch bei weiteren Zuwächsen - umwelt- und klimafreundlicher, leiser und sicherer gemacht werden kann.
Professor Peter Dehne, Hochschule Neubrandenburg, und Katrin Fahrenkrug, Institut für Raum & Energie, Wedel, erläuterten ihre Überlegungen und praktischen Modelle für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung. Dies bedeutet in vielen Regionen, sich auf den demografischen Wandel einzustellen, der vielerorts mit den Stichworten „weniger, älter, bunter“ charakterisiert werden kann. Konkret bedeutet das in vielen Landkreisen und Gemeinden Umnutzung von Gebäuden, kleinere Schulen, neue Angebotsformen im Öffentlichen Personennahverkehr.
Dorothea Minderop vom Niedersächsischen Kultusministerium und Landrat Manfred Ostermann vom Landkreis Soltau-Fallingbostel legten schließlich dar, wie durch regionale Bildungsnetzwerke unser Bildungssystem verbessert werden kann. Diese Aktivitäten tragen dazu bei, dass trotz der demografischen Engpässe, die ja auch weniger Auszubildende bedeuten, unsere Gesellschaft besser qualifiziert ist, den zukünftigen Herausforderungen zu begegnen.

Aufgaben für Niedersachsen
Minister Hans-Heinrich Ehlen hatte den Fachkongress unter Hinweis auf die bisherigen Erfolge der Raumordnung und Landesentwicklung in Niedersachsen eröffnet und umriss die zukünftigen Herausforderungen, die er an zwei Beispielen deutlich machte:
Erstens der Ausbau der Windenergie. Auch wenn das Ziel, bis 2020 ein Viertel des Gesamtenergieverbrauches aus erneuerbaren Energien zu decken, zu einem großen Teil durch Windenergieanlagen weit draußen auf der Nordsee erreicht werden kann, müssen dennoch Leitungen gebaut werden, um den Strom zu Verbrauchern im Süden und Westen Deutschlands zu bringen. Minister Ehlen setzt sich hier für die Erprobung und den Bau von unterirdischen Kabeln ein.
Zweitens der demografische Wandel. Sein Ministerium fördert Modellprojekte in Südniedersachsen und im Weserbergland, die den demografischen Wandel unterstützen. Das Projekt „Umnutzung landwirtschaftlicher Altgebäude und Hofanlagen“ umfasst 12 Dörfer in verschiedenen Regionen Niedersachsens.
Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke strich in seiner abschließenden Rede heraus, dass sich die niedersächsische Landesentwicklungspolitik angesichts dieser globalen Herausforderungen der Unterstützung der Bundes- und der EU-Politik versichern müsse.
Mit dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages, den er ausdrücklich begrüßte, und dem darin enthaltenen Ziel des territorialen Zusammenhalts werde der Einfluss der EU zunehmen. Gleichzeitig, so Ripke, stünden die Kohäsions- und die Agrarpolitik bis Ende 2013 auf dem Prüfstand. Niedersachsen müsse sich in Berlin und Brüssel engagieren, um den Wegfall der Ziel-2-Förderung abzuwenden. Die Gemeinsame Agrarpolitik sei ein wichtiger Beitrag für die Stabilisierung der ländlichen Räume in Niedersachsen sein. Ripke wörtlich: „Hier kommt es auf eine optimale Positionierung der regionalen Ebene an.“ Das Landesentwicklungsministerium werde regionale Entwicklungsstrategien, Handlungskonzepte, Modellprojekte und regionales Management weiter konsequent begleiten und wo möglich auch finanziell unterstützen.
An dem Fachkongress, der traditionell im Alten Rathaus Hannover stattfand, nahmen rund 200 Personen aus Verwaltung, Politik und Verbänden teil.

ML

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