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Niederschlagsdefizit in Nordafrika

Landwirtschaft

Ernteprognose für den Maghreb

Die arabische Kultur bezeichnet mit dem Begriff Maghreb die Region der untergehenden Sonne. Die Staaten Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen sind nicht nur geografisch, sondern auch kulturell eng miteinander verwoben. Sie liegen aus Sicht Europas am gegenüberliegenden Ufer des Mittelmeeres und haben vielfältige Beziehungen zur Europäischen Union. Marokko beliefert die EU mit frischem Obst und Gemüse, nimmt umgekehrt wie Algerien große Mengen Getreide ab.

Die Anbaubedingungen im Maghreb entwickeln sich generell nicht im gleichen Umfang wie die Bevölkerung. Große Wüstenregionen reduzieren die ackerbaulich nutzbare Fläche. Extremwetter destabilisiert die Landwirtschaft außerdem.

Schon im Herbst 2019 hat ausbleibender Niederschlag die Aussaat von Getreide behindert. Im weiteren Jahresverlauf lagen die Temperaturen über dem langjährigen Durchschnitt und blieb regional Regen weiterhin aus. Die Beobachtungsstelle der EU-Kommission für die Vegetationsentwicklung (MARS) hat am Montag den Bericht für Nordafrika herausgebracht, der die Entwicklung bis zum 10. April beinhaltet. Vor allem in Marokko und Westalgerien ist die Getreideentwicklung von der Pflanzenentwicklung, Blütenbildung bis zur Kornfüllungsphase unterdurchschnittlich verlaufen. Ostalgerien und Nordtunesien hingegen haben in den vergangenen Monaten ausreichend Niederschläge für eine gute Biomasseentwicklung gezeigt. Lediglich die Entwicklung von Gerste in Tunesien gibt Anlass zur Sorge. Sowohl in Libyen als auch in Ägypten ist die Getreideentwicklung durchschnittlich.

Marokko: Der Durchschnittsertrag liegt bei 1,89 Tonnen Weizen und bei 1,27 Tonnen Gerste pro Hektar. Die Ernteprognosen für Marokko liegen bei Weizen und Gerste um etwa 18 Prozent unter dem Fünf-Jahresdurchschnitt. Die Anbausaison ist so weit fortgeschritten, dass eine Erholung der Pflanzenbestände nicht mehr möglich ist.

Algerien: Der Durchschnittsertrag liegt bei 1,57 Tonnen Weizen und bei 1,28 Tonnen Gerste pro Hektar. In einigen Regionen kann die Vegetation sich noch erholen, falls es regnet. Die Weizenernte entspricht dem Durchschnitt, bei Gerste liegt die Prognose 2,5 Prozent darunter. Landwirte haben durch eine späte Weizensaat die trockenen Aussaatbedingungen umgangen und werden dadurch belohnt.

Tunesien: Der Durchschnittsertrag liegt bei 1,77 Tonnen Weizen und bei 0,83 Tonnen Gerste pro Hektar. Bei Weizen schätzt die EU-Kommission ein Ernteplus von sechs Prozent. Bei Gerste hingegen liegen die Verluste bei minus sechs Prozent. Betroffen sind die Anbauregionen Le Kef und Siliana in Zentraltunesien. Die Gerste leidet derzeit in verschiedenen Blühstadien unter den hohen Temperaturen.

Libyen: Der Durchschnittsertrag liegt bei 0,78 Tonnen Weizen und bei 1,28 Tonnen Gerste pro Hektar. Saisonal zeitgerecht gefallener Niederschlag hat in Libyen die Ernteprognose ansteigen lassen. Das Land erwartet etwa acht Prozent mehr Weizen und fast drei Prozent mehr Gerste. Die Monate November und Dezember waren kühler als üblich  und hatten die Vegetationsentwicklung verlangsamt. Aktuell befinden sich die Getreidepflanzen in der Kornfüllungsphase.

Ägypten: Der Durchschnittsertrag liegt bei 6,59 Tonnen Weizen und bei 3,81 Tonnen Gerste pro Hektar. Ausreichender Niederschlag im März und im Nildelta haben bei Weizen keine Zusatzeffekte gezeigt. Die Ernteerwartung liegt bei plus 1,6 Prozent über dem Fünf-Jahresdurchschnitt. Dennoch bricht der Gersteneintrag ein und geht fast um ein Drittel zurück. Am 12 März hat ein Sturm mit außergewöhnlich hohen Niederschlagsmengen von 36 bis 62 mm nach der Getreideblüte die weitere Entwicklung vor allem bei der Gerste nachhaltig behindert.

Roland Krieg

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