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Noch keine Prognose zur Kirschessigfliege

Landwirtschaft

Kirschessigfliege: Vorbeugung ist wichtig

Der Winter war erneut zu warm. Grundsätzlich fördert das auch den Befall von Wein- und Obstanlagen durch die Kirschessigfliege Drosophila suzukii. Doch wie stark der Befall der erst seit 2011 in Europa eingewanderten Essigfliege ist, entscheidet erst der Witterungsverlauf im Sommer.

Die Kirschessigfliege überwintert in geschützten, frostfreien Verstecken. Die adulten Tiere werden bei Temperaturen ab 5 Grad Celsius wieder aktiv und wandern beim Farbumschlag der Früchte als Zeichen für die Reife in die Bestände ein. Drosophila suzukii unterscheidet sich von anderen Essigfliegen durch den gezahnten Sägeapparat als Mundwerkzeug. Damit kann sie auch gesunde Früchte anstechen. Ein Weibchen legt bis zu 600 Eier auf Dutzenden Früchten ab, deren Larven sich in ihrer Entwicklungsphase „durch die Frucht fressen“. Die Früchte werden matschig, das Anbohren der Frucht selbst kann zu Sekundärinfektionen führen.

Die aus Südostasien eingewanderte Essigfliege ist heimischen Fliegen sehr ähnlich. Drosophila suzukii ist daher nur bei genauem Hinsehen zu erkennen. Das ist wichtig, weil es kein Mittel gegen die Fruchtfliege gibt und das Insekt großen Schaden anrichten kann.

Als Baustein für die Bekämpfung dient eine unspezifische Flüssigköderlösung. Eine rote Farbe erhöht die Attraktivität für die Fliege. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz gibt ein Beispiel für eine selbstherstellbare Köderlösung: 50 Prozent Wasser, 40 Prozent Apfelessig, 10 Prozent Rotwein, 0,05 Prozent Aceton und zwei Tropfen Seife oder Spülmittel. In Laborversuchen hat sich die gleiche Effektivität wie bei kommerziellen Lösungen gezeigt.

Die sicherste Methode gegen die Kirschessigfliege ist das Abnetzen der Kulturen mit Maschengrößen von maximal 0,8 Millimeter. Allerdings ist diese Methode auch sehr kostenintensiv.

Generell mag Drosophila S. keine Trockenheit. Daher sind alle Managementmaßnahmen, die zu trockenem Bestandsklima führen, vorbeugend zu empfehlen. Gute Schnittmaßnahmen führen zu guter Belüftung und trockener Vegetation. Unterwuchs soll regelmäßig gemulcht und schwarze Mulchfolie ausgelegt werden. Die Bewässerung sollte sparsam angewandt werden und im Weinbau sollen die Traubenzonen gut entlaubt werden. Beeren und Kirschen sollten möglichst früh geerntet werden. Überreife Früchte im Bestand sind zu vermeiden. Wichtig: Befallene Früchte erst zehn bis 15 Tage in einem Plastikbeutel in die Sonne legen und danach erst kompostieren. Kompostieren alleine reicht nicht gegen die Larven aus.

Das Portal oekolandbau.de rät auch im Ökolandbau vom Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel ab. Die Effekte sind noch nicht gesichert.

Lesestoff:

www.oekolandbau.de

www.bioaktuell.ch/de/pflanzenbau/obstbau/pflanzenschutz-obst/drosophila.html Beide Seiten mit weiterführenden Links zur aktuellen Forschung und Praxistipps

Roland Krieg

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