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Obst und Gemüse aus der Mitte der Welt

Landwirtschaft

Fruit Logistica-Partnerland Ecuador

Ananas, Drachenfrucht, Pitahaya und Physalis (i. Uhrzeigersinn von l.oben)
Ananas, Drachenfrucht, Pitahaya und Physalis (i. Uhrzeigersinn von l.oben)

Weit draußen im Pazifik liegen die Galapagos-Inseln. Sie gehören zu Ecuador, das sich auf dem südamerikanischen Kontinent von seiner spektakulären Pazifikküste bis zu den Amazonasnebenflüssen im Osten erstreckt. Nördlich der Hauptstadt Quito verläuft der Äquator und mit 6310 Meter ist der mit Schnee bedeckte erloschene Vulkan  Chimborazo der höchste Berg des Landes. Ecuador hat praktisch alle Klimazonen, die es auf der Welt so gibt, auf 280.000Quadratkilometer versammelt. Nach den rund 17 Millionen Ecuadorianern liegt ihr Land „en la mitad del mundo“, in der Mitte der Welt.

Die Naturgegebenheiten bringen eine große Vielfalt an Obst und Gemüse hervor. AlsPartnerland der Fruit Logistica 2020 präsentieren fast 40 Aussteller ihr Angebot in Berlin. Die Frischebranche erzielt pro Jahr einen Exportumsatz in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar. Bananen sind der wichtigste Exportschlager. Nach Deutschland liefert Ecuador Bananen für rund 115 Millionen US-Dollar im Jahr.

Kakaobohne aus Ecuador

Luft holen

Das Land erlebt unruhige Zeiten. Seit den 1970er Jahren war der Export von Erdöl die tragende Säule des Wohlstands. Mit sinkenden Preisen bröckelte das Fundament, die Schulden häuften sich. Schließlich leitete der Präsident Lenin Moreno zusammen mit den internationalen Organisationen eine Liberalisierung der Wirtschaft ein. Am Ende unterstützten Weltbank und Internationaler Währungsfonds die Wirtschaft mit Krediten gegen Streichung von Subventionen. Im Oktober 2019 gingen die Menschen gegen steigende Kraftstoffpreise um 123 Prozent auf die Straße. Landwirte verloren ihre Lebensgrundlage und nach gewalttägiger Eskalation wurde der Ausnahmezustand verhängt.

Die Schere zwischen Ober- und Unterschicht ist groß. Extreme Armut ist aber nach Berichten der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) seit 2007 um die Hälfte zurückgegangen. Etwa ein Drittel der Ecuadorianer lebt auf dem Land. Dennoch trägt die Landwirtschaft nur 6,5 Prozent des Bruttosozialproduktes. Das Land profitiert von einem Freihandelsabkommen mit der EU. In den vergangenen Jahren hat sich der Export von fair gehandelten Produkten nach Europa etabliert. In Ecuador wachsen die ältesten Kakaobäume und die Landwirte stellen rund die Hälfte des weltweit gehandelten hochwertigen Kakaos.

Ein Engpass in der Wertschöpfungskette sind Defizite in der Verarbeitungsindustrie. Umgekehrt bietet das Land gute Chancen für Lebensmittelimporte, denn die vorhandene Mittelschicht konsumiert hochwertige Ware. Der Selbstversorgungsgrad ist nach Berichten des US-Landwirtschaftsministeriums niedrig. Ein Hebel für ein stärkeres Wachstum ist der Tourismus. Dort können Landwirte ihre Produkte auch lokal verkaufen.

Ivan Otanenda, Otto Sonnenholzer und Xavier Lazo (v.l.)
Ivan Otanenda (Wirtschaftsminister), Otto Sonnenholzer (Vizepräsident Ecuadors) und Agrarminister Xavier Lazo (v.l.)

Neue Ideen

Ecuador machte 2007 Schlagzeilen, als das Land auf eine weitere Erdölförderung im Yasuní Nationalpark verzichten wollte und dafür eine Entschädigung für den Erhalt des Regenwaldes einforderte. Über die Vereinten Nationen sollten mit 3,6 Milliarden US-Dollar etwa die Hälfte des Gewinnverzichtes für den Ausbau erneuerbaren Energien und der Wiederaufforstung zusammen kommen. Nach anfänglicher Begeisterung erlahmte das Interesse der Industrieländer und auch Deutschland verstand die Idee nicht. Es kam weniger als 0,5 Prozent der Summe zusammen. Mehr als zehn Jahre, einem Pariser Klimagipfel und den 17 Sustainable Development Goals später, hätte die Idee heute vielleicht größere Chancen. Das Land selbst hat jedoch neue Bohrungen im Ölfeld „Tambococha-2“ aufgenommen.

Anfang dieser Woche trafen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels im Bundeskanzleramt. Thema war die Umsetzung der EU-Richtlinie gegen unlauteren Wettbewerb [1].

Otto Sonneholzer und Julia Klöckner
Vizepräsident Otto Sonnenholzer und Landwirtschaftsministerin Juia Klöckner

Hausaufgaben gemacht

85 Prozent der Landwirte wirtschaften auf einem bis zwei Hektar, erklärt Landwirtschaftsminister Xavier Lazo. Die Fruit Logistica sei für das Land eine strategische Messe, die über die Ausrichtung der Land- und Agrarwirtschaft mitentscheidet. Zusammen mit Umweltminister Raúl Clemente Ledesma und der stellvertretenden Ministerin für den Außenhandel, Verónica Chavez, demonstrierten die Politiker, dass eine diese eine Strategie alle Ministerien zuständig sind. Das Thema Nachhaltigkeit steht in Ecuador ganz oben auf der Liste. Wir haben Verantwortung gegenüber der Natur, ergänzte Ledesma. Er verweist auf den Amazonas-Pakt von Letitia. In der kolumbianischen Stadt haben sieben Länder Südamerikas Anfang September 2019 eine Vereinbarung zum Schutz des Regenwaldes unterschrieben. Feuer und Entwaldung sollen demnach unter Kontrolle gebracht werden. Allerdings nahm der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro nicht daran teil und warnte sogar davor, das Thema Regenwald zu internationalisieren.

Veronica Chavez
stv. Ministerin für den Außenhandel Veronica Chavez

Die Regierung in Quito hat mit „Super-Woman“ ein Programm zur Stärkung der Frauen in der Landwirtschaft aufgelegt. Die Kleinbauern werden gefördert. Für die Minister hat Ecuador seine ausaufgaben gemacht, sagt Lazo zu Herd-und-Hof.de. Jetzt müsse das Ende der Lieferkette auf die Vorgaben reagieren. Auch wirtschaftlich geht es voran. Mit einer Steuererleichterung und Förderung von Unternehmen soll der Agrarsektor gestärkt werden. Die weitere Streichung von Subventionen liegt nach Sonnenholzner derzeit auf Eis und die Regierung sucht das Gespräch mit Landwirten und der Zivilgesellschaft.

Innerhalb der Landwirtschaft nehmen Bananen eine strategische Rolle ein. Nach Xavier Lazo hat das Land Fortschritte bei der Rückverfolgbarkeit für die Konsumenten erzielt. Im vergangenen Jahr wurde eine Leitlinie Gute Fachliche Praxis für den Bananenanbau erstellt. Dazu gehört die Kontrolle der aggressiven Pilzerkrankung TR4 der Panama Krankheit, die mittlerweile weltweit den Bananenanbau bedroht.

Handelsminister Iván Otanenda setzt weiter auf Europa. Der Markt für Frischeprodukte wachse, sagte er im Vorfeld im Eurofruit Magazin. Qualität, Umweltaspekte und fairer Handel werden für Produkte in die EU immer wichtiger und das Land orientiere sich daran. Der Markt an Ökoprodukten wachse rasant. Darüber hinaus biete Südostasien auf der anderen Pazifikseite einen interessanten Markt.

Grundlage für das Wachstum im Frischebereich sind Training, Bewässerung und technische Innovationen, ergänzt Sonnenholzer.

Umweltminister Raul Clemente Ledesma
Ecuadors Umweltminister Raul Clemente Ledesma

Wertschätzung der Bananen

Europäische und speziell deutsche Kunden kaufen auch exotische Früchte preissensitiv. Das macht die EU nicht unbedingt zum beliebtesten Handelspartner. Lidl hatte im vergangenen Jahr seine Bananen auf fair gehandelte Produkte umgestellt, aber nach einigen Wochen wieder zurückgenommen. Kunden war der Preis zu hoch. Im Jahr 2015 hat eine Kiste Bananen nach Europa noch durchschnittlich 14,06 Euro erzielt. 2018 fiel der Preis auf 11,90 und liegt aktuell bei 11,87 Euro. Das sind keine nachhaltigen Preise. Raúl Clemente Ledesma will aber nicht die Verbraucher höhere Preise zahlen lassen. Die deutschen Kunden sind mit der Preisorientierung nicht alleine auf der Welt, sagt er zu Herd-und-Hof.de. Die gesamte Lieferkette stehe in der Verantwortung für faire Preise. Die Kunden in der EU zahlen bereits die Zeche, weil Ecuador weniger Bananen über den Atlantik verschifft und den Mittleren Osten als neuen Markt ins Visier nimmt.

Allerdings haben die Bananenproduzenten  selbst viel Luft nach oben. Pro Hektar ist der Ertrag in den letzten zehn Jahren von 1.100 auf 1.900 Kisten angestiegen. Aber zwischen Kleinbauern und großen Betrieben ist der Ertragsfortschritt sehr unterschiedlich gewesen. 70 Prozent der Bananenerzeuger sind Kleinbauern, die jetzt in den Genuss von verbilligten Krediten kommen, um technischen Fortschritt umzusetzen.

Im Gegensatz zum deutschen Handel will der LEH in den Niederlanden ab 2025 Bananen aus Ecuador nur noch von Betrieben beziehen, die ihren Arbeitern ein „Living Income“ bezahlen.

Physalis und mehr

Die in Deutschland beliebten Physalis stammen ursprünglich aus den Anden. Schon die Inkas haben sie gerne genascht und werden in Berlin den Großhändlern angeboten. Weniger bekannt sind gelbe Pitahaya, die Agrícola Pitacava jedoch schon vor zehn Jahren erstmals nach Europa brachte. Seit die USA 2017 den Markt für Ecuador geöffnet haben, gehen 30 Prozent der Pitahaya-Ernte. Für Europa erhofft sich Gustavo Narvaez von Agrícola Pitacava ein ähnliches Geschäft, sagte er gegenüber dem Magazin Eurofruit.

Lesestoff:

[1] Höhere Preise durch fairen Handel? https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/utp-richtlinie-schon-fast-fertig.html

Roland Krieg; Fotos: roRo

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