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Öko, hybrid oder konventionell?

Landwirtschaft

Ist Pluralismus ein Hin und Her?

Die Pariser Klimaziele und die Sustainable Development Goals sind verbindliche Ziele der Weltgemeinschaft, die trotz unruhiger Zeiten eine Orientierung geben. Die Politik weiß, in welche Richtung es zu gehen hat. Den einen ist es im föderalen Deutschland zu langsam, den anderen zu schnell.

Vergleiche sind schwierig. Sikkim ist der erste Bio-Bundesstaat auf dem indischen Subkontinent. Aber nicht repräsentativ für 1,4 Milliarden Inder. Die Welt der BioFach ist der Blick in das Öko-Getriebe, aber nicht alle auf den Straßen demonstrierenden Bauern wollen auf die ökologische Landwirtschaft umstellen.

Im Rahmen der Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau, die vor drei Jahren auf der BioFach vorgestellt wurde, spielt die Förderung von regionalen Wertschöpfungsketten eine wichtige Rolle. Diese Wertschöpfungsketten sind dem Ökomarkt inhärent und den konventionellen Kollegen abhanden gekommen. Müssten vor dem Hintergrund der stattlichen Marktzahlen zur BioFach nicht konventionelle Wertschöpfungsketten mehr gefördert werden, weil die Ökobranche das mittlerweile von selber hinbekommt?

Dänemark gilt als aktueller Vorreiter im Ausbau der Ökoziele. Das ist nach Referatsleiterin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) für den ökologischen Landbau Elisabeth Bünder leichter in einem zentralistischeren System als es die Bundesrepublik mit 16 Bundesländern ist. Die Stadt Kopenhagen sei zudem Taktgeber für das gesamte Land. Dr. Karl Kempkens von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen unterstützt die Ansicht. Der Sozialdemokrat Mogens Jensen in der Regierung gibt die Linie klar vor und stellt die Weichen auf den Ökolandbau. Die Dänen haben ihren Erfolg auf der BioFach dargestellt. In Dänemark spielt die Verbands-Landwirtschaft keine große Rolle. Es dominiert das EU-Öko-Bio.

Das ist in Deutschland schwieriger. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lavierte mit dem Begriff „Hybrid-Landwirtschaft“ auf der Eröffnung der Nürnberger Messe herum. Das spiegelt die Sicht der Agrarwissenschaften wider, dass der Ökolandbau professioneller und der konventionelle Landbau ökologischer werden müssen. „Klar sei aber auch, dass es ein gutes Miteinander und eine Annäherung der Produktionsweisen wichtig sei, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren“, sagte Klöckner. „Wir brauchen eine Art „Hybrid-Landwirtschaft“: Der Ökolandbau müsse weiter produktiver und die konventionelle Anbauweise ressourcenschonender und tierwohlgerechter werden – und dabei ertragreich bleiben. Als Politik schaffen wir die Rahmenbedingungen für eine flächendeckend zukunftsorientierte Anbauweise – ob ökologisch oder konventionell.“

Eine Aussage, die auf der BioFach für Unwohl sorgt. Wer im Koalitionsvertrag 20 Prozent Ökolandbau verspricht, der müsse auch 20 Prozent der Agrarforschung in den Ökolandbau stecken, kommentierter Felix Prinz zu Löwenstein vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) die Ministerin. Löwenstein: „Seit Jahren fordern wir deshalb, das Programm [Bundesprogramm für den ökologischen Landbau und anderer Formen der nachhaltigen Landwirtschaft, BÖLN; roRo] zunächst mit mindestens 60 Mio. € auszustatten. Schließlich wachsen die Forschungsfragen der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft mit der Öko-Fläche mit und werden drängender. Und mehr Bio-Forschung sorgt für mehr Innovation im gesamte Agrar- und Ernährungssektor, der dringend nachhaltiger werden muss.“

Berlin widerspricht. Der Parlamentarische Staatssekretär beim BMEL Uwe Feiler sagte am Mittwochnachmittag: „Fakt ist: Unser Ministerium unterscheidet bei der Forschungsförderung nicht zwischen ökologischem und konventionellem Landbau. Wir investieren viel Geld in unsere horizontalen Forschungsprogramme: Von den Ergebnissen profitiert natürlich auch der Ökolandbau. Die Mittel für unser Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) haben wir in den vergangenen fünf Jahren zudem fast verdoppelt. Damit haben wir die Möglichkeit, Forschung mit besonderer Relevanz für den Ökolandbau gezielt zu unterstützen. Allein über das BÖLN hat unser Ministerium bereits mehr als 1.140 Forschungsvorhaben gefördert. Ebenso geht in die Rechnung des BÖLW nicht das Engagement unserer Ressortforschung ein: Neben unserem Institut für Ökologischen Landbau am Thünen-Institut, haben auch unsere anderen Ressortforschungseinrichtungen den Ökolandbau im Blick.“

Im Föderalismus ist es leicht, sich zu verlaufen. Vor sechs Jahren hat der damalige bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner mit BioRegio 2020 eine Länderinitiative für mehr Bio in Bayern gestartet. Nicht umsonst ist der Freistaat in allen Ökoparametern ganz vorne mit dabei.

Nie kann es wirklich einmal genug sein – aber so schlecht kann die Agrarpolitik bei steigenden Umstellerzahlen mit wachsender Fläche und steigendem Konsum bei Verbrauchern  und gestiegenem Umsatz im Handel auch wieder nicht sein.

Roland Krieg

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