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Ölpalmen sind kein Regenwaldersatz

Landwirtschaft

Ölpalmplantagen bedrohen Artenvielfalt in Südostasien

Ölpalmen gehören zu den sich weltweit am schnellsten ausbreitenden Kulturpflanzen. Besonders in Südostasien ist die Palmölgewinnung ein stark wachsendes Wirtschaftssegment. Daher wird zunehmend Regenwald in gewinnbringende Monokulturen umgewandelt, beklagen internationale Forscher, die in der neuesten Ausgabe von "Trends in Ecology and Evolution" zu dem Ergebnis kommen, dass Ölpalmplantagen kein Ersatz für den Regenwald sind. Die Folgen für Klimawandel und Artenvielfalt sind verheerend.

Forschung untermauert Diskussion
Mit seiner Forschung will Dr. Carsten Brühl vom Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau die derzeitige kritische Diskussion über Palmöl wissenschaftlich untermauern. Palmöl ist das am meisten verarbeitete Pflanzenöl und wird als Nahrungsmittel, in Kosmetika und für Biotreibstoff verwendet. Aufgrund der steigenden Nachfrage werden in Malaysia und Indonesien bereits 130.000 km2 Palmölplantagen bewirtschaftet. Das entspricht einem Drittel der Größe Deutschlands. Zumeist wird vorher Regenwald gerodet, der zu den artenreichsten der Welt gehört.
In einem internationalen Expertenteam hat Dr. Brühl erstmals die bisher publizierten Studien zum Artenreichtum von Vögeln, Fledermäusen, Ameisen und anderen Tierarten in Ölpalmplantagen ausgewertet. Das Ergebnis: Durchschnittlich überleben dort weniger als ein Sechstel der Arten, die aus primären Regenwäldern bekannt sind. Selbst forstwirtschaftlich genutzte Wälder oder Plantagenkulturen wie Kakao, Gummibaum oder Kaffee sind artenreicher.
Die Experten sehen in ihr Ergebnis sogar noch konservativ, denn der wahre Artenreichtum in den Regenwäldern ist sehr kompliziert zu erfassen. Ein weiteres Ergebnis: Selbst Managementmaßnahmen zur Begrünung der Ölplantagen erhöht den Artenreichtum nicht wesentlich. Die Erhaltung der Biodiversität ist daher nur außerhalb der Plantagen in den tropischen Regenwäldern möglich.

Jetzt handeln
Dr. Brühl forscht seit 15 Jahren auf Borneo und kann daher den Wandel der Landschaft sehr gut verfolgen. Der Großteil der Tieflandregenwälder wurde nach der schrittweisen Degradierung durch die Entnahme von wertvollen Nutzhölzern in eine flächendeckende Ölpalmenmonokultur umgewandelt. Dr. Brühl findet in den Plantagen nur noch 13 der fast 200 Ameisengemeinschaften des Regenwaldes. 30 weitere Arten sind Kosmopoliten, die mittlerweile überall auf der Welt zu Hause sind. Diese Arten sind so aggressiv, dass sie die verblieben heimische Minderheit ganz zu verdrängen drohen.
Die Regierungen in Südostasien müssen schnell Richtlinien erlassen, mit denen der noch existierende Regenwald geschützt wird. Indonesien hat schon begonnen, eine Satellitentechnologie zu testen, um den illegalen Holzeinschlag zu unterbinden.
Für Richtungsweisend hält Dr. Brühl das Projekt "Heart of Borneo". Ein ambitioniertes Naturschutzprojekt, bei dem Plantagenbesitzer, Naturschutz, lokale Bevölkerung und Wissenschaftler an einem Tisch sitzen.

Lesestoff:
Brühl C, Danielsen F, Donald P et al, "How will oil palm expansion affect biodiversity": "Trends in Ecology and Evolution" (October 2008);

roRo

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