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Ohne Bürokratie zum Abendessen

Landwirtschaft

Friedfische ohne Fischereischein in BB

Kenner wissen das: Barben halten sich hinter Wehren oder in tiefen Kolken auf, um bei Einbruch der Dämmerung den Flussgrund abzuweiden. Mit der fleischigen Schnauze drehen sie Steine um, die sie mit ihren vier sensiblen Barteln am Maul ertasten. Angler wissen: Barben lieben Käse. Auch der Karpfen ist ein Friedfisch, der mittlerweile in ganz Europa zu Hause ist. Und Brassen: Sie muss man mit schweren Futter anlocken, dass sich erst am Grund des Gewässers auflöst. Brassen lieben es süß: Futterzusätze mit Karamell, Marzipan oder Lebkuchen sind ihre Leckereien.

Organisiertes Angeln aus Friedrichshain
Noch 1893 hielt es eine Fischereizeitung für undenkbar, dass sich ein „auch nur mäßig begabter Mensch dieser langweiligen, unfruchtbaren und unlohnenden Beschäftigung hingeben könnte.“ Da waren aber 80 Angler einige Jahre vorher fortschrittlicher. Sie gründeten am 08. März 1866 in Berlin-Friedrichshain den „Central-Verein der Anglerfreunde zu Berlin“ und haben damit ein Signal gesetzt, sich überall in Anglervereinen zu organisieren. Das half den Mitgliedern, sich auch gegen das „Preußische Fischereigesetz“ von 1874 durchzusetzen, dass ihnen den Einsatz von Spinnern verbieten wollte. Am 31. Mai 1900 wurde dann mit dem „Deutschen Anglerbund“ eine Dachorganisation gegründet.
Der Landesanglerverband Brandenburg nimmt heute als fischereilicher Bewirtschafter auf rund 13 Prozent der Wasserfläche oder auf 17 Prozent der fischereilich nutzbaren Gewässerfläche die Hegepflicht wahr. Damit umsorgt der Verein etwa 20 Hauptfischarten auf 14.500 ha Gewässerfläche.

Friedfische: Ohne Fischereischein, aber mit Fischereiabgabe
Der Brandenburger Landtag hatte im Rahmen des Bürokratieabbaus beschlossen, dass ab dem 01. August auf Friedfische ohne Fischereischein und ohne gesonderte Prüfung geangelt werden darf. Für Kinder und Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren galt das bereits, aber jetzt kommen auch die Erwachsenen in diesen Genuss.
Der Landesanglerverband hat Herd-und-Hof.de erklärt, wie man am besten zu einem guten Abendessen kommt:
Zunächst muss an einer der 18 Unteren Fischereibehörden die Fischereiabgabe in Höhe von 12,00 Euro entrichtet. Dann bekommt man eine Angelkarte für das Gewässer, dass man sich vorher bereits ausgesucht hat und legt los. Was allerdings passiert, wenn am Haken ein Hecht ist? Dann sollte man den Fisch „schonend wieder zurücksetzen“ heißt die Empfehlung aus Potsdam. Allerdings ist das Equipment der Angel und vor allem der Köder bereits so ausgerichtet, dass in der Regel beim Friedfischangeln auch ein Friedfisch aus den Fluten gezogen wird.

Der Landesangelverband BB
Etwa 82.000 Mitglieder hat der Landesangelverband. Die Mitgliedsbeiträge müssen ausreichen, die jährlichen Kosten für den Fischbesatz in Höhe von 600.000 Euro zu finanzieren. Gewässer werden gepachtet und gekauft. Mögliche Zuschüsse vom Land stammen dann auch aus der Fischereiabgabe.
Agrarminister Dr. Dietmar Woidke sieht in dem neuen Beschluss „eine praktikable und unbürokratische Regelung“ die das Angeln von Friedfischen jedermann ermöglicht. „Sie wird bei vielen Erwachsenen, nicht zuletzt bei den Besuchern unseres gewässereichen Landes, das Verständnis für das Hobby Angeln und die Leistungen der Angler für die Hege und Pflege der Gewässer vertiefen.“
Der Verband lädt beispielsweise am 20. August zu seinem Kinder- und Jugendtag nach Töplitz bei Werder ein. Ab 07:00 Uhr geht es dann den ganzen Tag mit Wettbewerben und Wissensquiz auf einer großen Wiese los. Willkommen sind alle „Neugierige“ die sich zunächst alles anschauen wollen. Wer gleich mitmachen möchte braucht aber die Fischereiabgabe, die für Kinder bei 2,50 Euro liegt.
Die Brandenburger berichten auf ihrer Internetseite sehr viel über die Geschichte des Angelns und listen aktuelle Termine auf: www.lav-bdg.de
Eine Seite, die (fast) alle Fische mit Bild und Informationen über die Lebensweise bis zur Zubereitung enthält finden Sie unter www.angeltreff.org

Roland Krieg

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