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Ordentliche Ernte eingefahren

Landwirtschaft

Erntebilanz des Deutschen Bauernverbandes

In einigen Regionen sind die Mähdrescher noch unterwegs. Das meiste ist aber bereits in den Silos eingelagert. Noch auf dem Hof oder schon bei der Genossenschaft, manches auch bereits beim Verarbeiter. Nach einem auch in diesem Jahr aufregendem Wetterspiel mit langem Winter, nassem Frühjahr, Überflutungen an Donau und Elbe sowie einer ausgeprägten Hitzeperiode hat der Deutsche Bauernverband am Donnerstag seine abschließende Bilanz auf der Basis der Erntemeldungen der Landesbauernverbände vorgestellt. Wolfgang Vogel, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses für Getreide und Landesbauernverband in Sachsen konstatierte zwar, dass sich schon länger keine Spitzenernte abgezeichnet hatte – aber eine ordentliche Ernte wurde mit 46,8 Millionen Tonnen Getreide und 5,6 Millionen Tonnen Raps durchaus eingefahren. Auf trockenen Standorten wie in Brandenburg hat das nasse Frühjahr dem Ackerbau gut getan und die Trockenheit im Juli hat dem Getreide weniger geschadet als zunächst angenommen.

Die Vergleiche zum Vorjahr sind wenig aussagekräftig, weil die Bauern wegen den hohen Auswinterungsschäden Sommerfrüchte und Mais nachgesät hatten.

2013 wird als Roggenjahr verzeichnet werden. Die Bauern haben gegenüber 2012 fast elf Prozent mehr Roggen angebaut. Mehr als zwei Millionen Tonnen über dem Verbrauch sind geerntet. Das hat zu einem Preisverfall geführt und Wolfgang Vogel rechnet im nächsten Jahr wieder mit einem Rückgang des Roggenanbaus. Was nicht für den Teller gebraucht wird, wandert als Ganzpflanzensilage in den Futtertrog oder gleich in die Ethanolverwertung. Gleichwohl bleibt dieses Getreide für die Ackerbauern interessant, denn Roggen ist winterhart und kann mit Frühjahrstrockenheit gut umgehen.

Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben konnten erst spät ausgesät werden. Kartoffeln und Rüben haben unter der Sommerhitze gelitten. Ob der jüngste Niederschlag für Entspannung hat sorgen könnne, wird die Ernte zum Abschluss zeigen, so Vogel.

Preise

Gute Ernte, schlechte Preise, schlechte Ernte, gute Prise. Das gilt auch in diesem Jahr. Zudem schlagen die Weltmarktpreise bis auf die heimischen Äcker durch. Europa und die Welt erwarten eine gute bis sehr gute Ernte. Die EU kommt in ihrer Schätzung auf 305 Millionen Tonnen Weizen und 20 Millionen Tonnen Raps, das amerikanische Landwirtschaftsministerium rechnet mit 705 Millionen Tonnen Weizen und mit einer Rekordmaisernte von 957 Millionen Tonnen Mais. Mais bestimmt auch den Getreidepreis mit, so dass über die guten Erträge die deutschen Bauern auf nur 165 Euro je Tonne Brotweizen und 329 Euro je Tonne Raps rechnen können. In der Vorwoche lagen die Preise noch 70 und 145 Euro höher.

Wolfgang Vogel erklärte, warum die Lebensmittelpreise in Deutschland dennoch angestiegen sind, wie das Statistische Bundesamt kürzlich vermeldete. Mehl stellt im Brötchen nur noch einen Rohstoffwert von drei bis fünf Prozent dar. Das Backhandwerk und die verarbeitende Industrie müssen mit steigenden Betriebskosten, vor allem bei Löhnen und Energie rechnen.

Beispielsweise ist 2013 alles andere als ein gutes Hopfenjahr gewesen. Preisbildend ist aber beim Bier die Qualität der Braugerste. Und die ist in diesem Jahr besonders gut. So gibt es nach Wolfgang Vogel keinen Grund für Bierpreissteigerungen wegen schlechter Rohstofflage gibt.

Doch auch die Landwirte sind steigenden Betriebskosten ausgesetzt. Zudem darf die gute Welternte nicht über die insgesamt angespannte Versorgungslage hinwegtäuschen. Der Weizenverbrauch liegt knapp über der Ernte, so dass der Lagerbestand sich auf 173 Millionen Tonnen verringert hat. Beim Mais hingegen werden rund 27 Millionen Tonnen zusätzlich eingelagert werden. Das erhöht den Lagerbestand auf 150 Millionen Tonnen.

Roland Krieg; Foto: roRo

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