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Organische Chloride bei Schwangeren

Landwirtschaft

Spanische Studie über Pestizidbelastung

Die Menschen sind direkt verantwortlich für mehr als 110,000 chemische Substanzen, die seit der Industriellen Revolution entwickelt wurden. Jedes Jahr erfindet die Menschheit 2.000 neue Substanzen hinzu, stellt die Universität von Granada in Spanien fest. Die meisten dieser Substanzen werden in die Umwelt emittiert und sind danach in Nahrung, Wasser, der Luft und dem Boden präsent. So sind auch die Menschen selbst wieder Opfer dieser Emission und täglich nehmen wir diese Stoffe in uns auf. Weil das unabsichtlich geschieht, bezeichnen die Experten das als „unvermeidbare Exposition“. Da die Stoffe nicht verarbeitet werden können, reichern sich hauptsächlich im Fettgewebe an, was besonders in der Schwangerschaft gefährlich ist, denn die Stoffe haben direkten Zugang zu dem Mikrogewebe in dem sich der Embryo entwickelt.

Belastet mit 15 verschiedenen Pestiziden
Für ihre Doktorarbeit hat María José López Espinosa aus der Abteilung für Radiologie und Physikalische Medizin der Universität Granada die Anwesenheit organischer Chlorverbindungen bei Schwangeren ermittelt. Datengrundlage sind 668 Frauen, die zwischen 2000 und 2002 unter anderem im Universitätskrakenhaus von Granada ihre gesunden Kinder zur Welt gebracht haben. Das Ergebnis: Alle Frauen hatten mindestens eines der gesuchten Pestizide in ihrer Plazenta, aber der Durchschnitt lag bei acht verschiedenen Stoffen.
Für ihre Studie untersuchte López 17 auf das Hormonsystem wirkende Chlorverbindungen, die auch als Pestizide Verwendung finden. Am häufigsten kamen DDE (92,7 %), Lindan (74,89 %), Endosulfan-Diol (62,1%) und Endosulfan-l (54,2 %) vor. Die stärkste Konzentration wies dabei Endosulfan-Diol mit einer Durchschnittskonzentration von 4,15 Nanogramm je Gramm Plazenta auf. Das sind 156,73 ng je Gramm Fett. Bei einigen Frauen wurden 15 von den 17 untersuchten Pestizidrückständen gefunden.

Expositionsparameter
Neben den Gewebe- und Blutproben wurden auch Daten über den Wohnort, der Krankengeschichte, den familiären Verhältnissen abgefragt. Dabei hat sich gezeigt, dass Frauen mit den höheren Pestizidkonzentrationen älter waren, einen höheren Body-Mass-Index aufwiesen, weniger Gewicht in der Schwangerschaft zugelegt haben, einen geringere Ausbildungsstand besitzen, einen Arbeitsplatz mit höherer Exposition haben und das erste Mal ein Kind zur Welt gebracht haben, dass zudem ein niedrigeres Geburtsgewicht aufweist.

Resümee
Nach María José López „wissen wir nicht wirklich, welche Konsequenzen die hormonell wirkenden Pestizide in Kindern hervorrufen, aber wir können sagen, dass sie ernste Effekte haben, denn die Exposition in der Plazenta taucht gerade in den Momenten auf, die für die kindlichen Entwicklung bedeutsam sind.“
Trotz „unvermeidbarer Exposition“ der Mutter, geben sich die Forscher an der Universität optimistisch: „Es ist möglich, die Aufnahme von organischen Chloriden zu kontrollieren. Das kann durch eine ausgewogene Diät, die aus Nahrungsmitteln besteht, die nur gering belastet sind.“ Auch Tabak als Quelle organischer Chloride solle vermieden werden.
Die Doktorarbeit wurde im europäischen Forschungsrahmen „Increasing incidence of human male reproductive health disorders in relation to environmental effects on growth-and sex steroid-induced alterations in programmed development” durchgeführt. Weitere Studien werden in Dänemark, Finnland und England durchgeführt und durch die EU finanziert (QLK4-1999-01422). Mehr Details und Ansprechpartner für diese Studie gibt es unter www.ugr.es

roRo

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