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Pax arva colat

Landwirtschaft

Baden dominiert den Bundesentscheid beim Leistungspflügen

Nicht umsonst sollen Schwerter zu Pflugscharen umgebaut werden: Wer den Boden bearbeitet und den Samen einbringt, der wird sich und andere mit der Ernte ernähren.

Tradition des Leistungspflügen
Schon im 7. und 8. Jahrhundert zeigten sächsische Auswanderer in England mit von Ochsengespannen gezogenen Holzpflügen bei Demonstrationswettbewerben ihre überlegene Bodenbearbeitung. Der Habsburger Kaiser Josef II organisierte Pflugwettbewerbe in der zweiten Hälfte des 18. Jh. und lobte Preise für die Gewinner aus, um den Österreichern die gute Ackerkultur zu zeigen. Ebenso ist auf einem historischen Stich um 1860 ein Pflugwettbewerb in Litauen dokumentiert.
In der Mitte des 20. Jh. wurden in Kanada, Irland und England internationale Wettbewerbe durchgeführt, die 1953 zur Gründung der Weltpflügerorganisation führte. Das Motto: Friede bebaue das Land – Pax arva colat. Die Wettbewerbe sind markante Höhepunkte im landwirtschaftlichen Veranstaltungskalender und bieten auch den städtischen Verbrauchern Einblick in die bäuerliche Produktion.

Ziele der Bodenbearbeitung
Das Pflügen zählt zur so genannten Primärbodenbearbeitung, die der Lockerung des Bodens, der Vertiefung der Wurzelzone und dem Einarbeiten von Vorfruchtrückständen dient. Dabei kommt es durchaus zu Zielkonflikten. Rückstände der Vorfrucht sollen sich ordentlich mit dem Boden vermischen und verrotten. Unkräuter hingegen sollten richtig „vergraben“ werden, damit sie nur wenig Chancen haben, sich neu zu entwickeln. Böden mit ansteigenden Tonanteilen müssen gelockert werden, damit Sauerstoff in den Boden kommt. Zu locker allerdings erhöht den Anteil der Grobporen und kann Staunässe entstehen lassen. Die richtige Größe der Bodenteilchen schließlich überträgt das Keimwasser vom Boden an den Samen und lässt es nicht in die Atmosphäre verdunsten. Der Landwirt steuert mit der Bodenbearbeitung diese Prozesse. So gehört neben den richtigen Bearbeitungsgeräten auch sehr viel Erfahrung, die Technik richtig einzusetzen.
Am vergangenen Wochenende trafen sich im Mecklenburgischen Wöbbelin

Dt. Pflügerrat, Schlussfurche Stoppel WM 2003







Schlussfurche Stoppel von Thomas König bei der WM 2003 in Kanada; Gewinner der Bronzemedaille; Photo: Dt. Pflügerrat

Pflügerinnen und Pflüger aus elf Bundesländern, um den 30. Bundesentscheid im Leistungspflügen auszutragen. Während der zwei Tage waren rund 10.000 Gäste in den Ort gekommen, der sich passend zum Wettbewerb geschmückt hatte.
Gepflügt wurde mit den beiden Techniken des Beet- und Kehrpflügens. Die Beetpflüge haben nur rechts wendende Schare und müssen zur Feldmitte hin zusammen oder auseinander pflügen. Die Kehrpflüge haben übereinander jeweils einen Satz links- und rechtswendende Schare angeordnet und können in der gezogenen Furche wieder zurück fahren. Am Feldende wird der Pflug hydraulisch gedreht und der andere Scharsatz kommt zum Einsatz. Diese Pflüge erfordern höhere Zugkraft am Traktor, mehr Bedienung und auch mehr Kapitaleinsatz. Sie können aber ebenere Flächen hinterlassen als der Beetpflug.

Mit Pflug und Zollstock
In der täglichen Praxis zählt die Flächenleistung. Daher haben sich die Pflugschare mit der Zeit gewandelt. Die kurzen, steilen Formen sind auf dem Rückzug und die langen Formen, die Erde gegen die Gravitation weiter zur Seite werfen, gewinnen an Bedeutung. Damit kann zwar schneller gepflügt werden, aber mit höherem Energiebedarf.

Ergebnisse beim Beetpflügen

Name

Bundesland

Ort

1. Platz

Stefan Brudy

Baden-Württemberg

Appenweiher

2. Platz

Sebastian Hochwald

Baden-Württemberg

Willstädt

3. Platz

Katrin Beming

Schleswig-Holstein

Holzbünge

Im Wettbewerb zählt vor allem die Genauigkeit. Auf einem rund 20 mal 100 m großen Acker bewerten die Richter die Arbeit in zwölf Bewertungsschritten insgesamt 72 Einzelkriterien. Geradeaus fahren alleine reicht nicht. So ist das Einsetzen und ausfahren des Pfluges wichtig: Es dürfen keine ungepflügten Ackerreste übrig bleiben. Die vorgegebene Tiefe muss über die gesamte Arbeitsfläche eingehalten werden und wird ständig an verschiedenen Stellen nachgemessen. Die Teilnehmer korrigieren die Pflugeinstellungen mit dem Zollstock in der Hand.
„Gute Pflüger waren schon immer gute Landwirte“, sagte Helmut Wolf, Vorsitzender des Deutschen Pflügerrates e.V., vor der Siegerehrung. Es gehöre schon Mut dazu, sich bei der Arbeit mit den Kollegen messen zu lassen und wünschte sich, dass noch mehr Landwirte an den Länderausscheidungen teilnehmen würden.
Am Samstag mussten die Teilnehmer bereits den Theorieteil absolvieren. Da die Anforderungen an die Landwirtschaft immer umfangreicher werden, gehören theoretische Kenntnisse, über Dünger, Pflanzenbau und Bodenbearbeitung zum Wettbewerb hinzu.

Schwere Entscheidung
Während die Jury lange über die Ergebnisse beriet, segnete Petrus Deutschlands zur Zeit bestgepflügte Parzellen. Mit über einer Stunde Verspätung und dann bei Sonnenschein standen die Sieger fest. Drei der sechs vergebenen Plätze gingen nach Baden, zwei nach Niedersachen und mit Katrin Beming zeigen auch Bäuerinnen ihre technischen Fähigkeiten in der landwirtschaftlichen Praxis.

Ergebnisse beim Kehrpflügen

Name

Bundesland

Ort

1. Platz

Michael Podehl

Niedersachsen

Oyten

2. Platz

Hubert Rendler

Baden-Württemberg

Offenburg

3. Platz

Friedhelm Baumgarte

Niedersachsen

Hannover-Vinnhorst

Die Sieger werden zu den Europameisterschaften 2007 und 2008 fahren und können an den Weltmeisterschaften teilnehmen.
Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus aus MV zeigte sich bei der Siegerehrung mit der Veranstaltung sehr zufrieden. „Der Beruf des Landwirts ist der schönste den es gibt, weil er jeden Tag etwas anderes bietet.“ Er wies darauf hin, dass gerade MV ohne Bauern keine Zukunft hat, weswegen er stolz war, den 30. Bundesentscheid in den hohen Norden geholt zu haben. Er wolle sich auch dafür einsetzen, dass die nächste Pflugweltmeisterschaft in Deutschland im Jahr 2018 auch nach MV geht.
Außer Konkurrenz und mit einem eigenen Wettbewerb trugen die „Großpflüger“ ihren Wettbewerb für Mecklenburg-Vorpommern aus. Die großen Flächen in MV lassen sich nicht mit „den kleinen“ 2- und 3-Scharpflügen bearbeiten, sondern nur mit den „Riesen“, die sieben und acht Streifbleche hinter sich ziehen. Hier gewannen Toni Rahn mit dem Kehrpflug und Andre Steinhausen mit dem Beetpflug den Entscheid. Die Ackerriesen sind für die internationalen Wettbewerbe nicht zugelassen.

Roland Krieg
Photo: Deutscher Pflügerrat e.V.
Tabellen: roRo

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