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Pflanzenschutzmittel nachhaltiger einsetzen

Landwirtschaft

Zu wenig Integrierter Pflanzenschutz

Die EU-Bürger sorgen sich beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Diese Botschaft ist bei EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis angekommen: „Wir berücksichtigen diese Sorgen und wir arbeiten mit den Mitgliedsstaaten zusammen, um beim Anbau und der Produktion unserer Nahrungsmittel einen nachhaltigen Pestizideinsatz zu erreichen.“ Da muss er noch seine Hausaufgaben machen.

NAP

Mit der Richtlinie 2009/128/EG gibt es einen entsprechenden Aktionsrahmen, aber der in dieser Woche in Brüssel vorgestellte Bericht weist Umsetzungsdefizite in den Mitgliedsländern auf. Alle Länder haben einen Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutz aufgestellt [1]. Zur Guten Fachlichen Praxis gehört das Verbot der Ausbringung mit Luftfahrzeugen, wobei Ausnahmen wie zuletzt in den deutschen Weinbergen zugelassen sind. In öffentlichen Parks, auf Sportplätzen und in Krankenhäusern sowie Schulen darf nur ein Minimum an Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. In den NAPs fehlen Bewertungskriterien für den Schutz der aquatischen Umwelt. Die Zahl an zugelassenen Pflanzenschutzmitteln mit geringem oder nicht-chemischen Risiko hat sich in der EU seit 2009 zwar verdoppelt, doch wird der Integrierte Pflanzenschutz in den Ländern zu wenig angewandt. Was wiederum gut funktioniert sind die Schulungs- und Zertifizierungssysteme für die Landwirte und dem technischen Equipment.

Pflanzenschutzsteuer

Dänemark hat einen NAP seit 1986 und führte 1996 eine auch in Deutschland aktuell diskutierte Steuer auf Pflanzenschutzmittel ein. Für Insektizide betrug sie anfangs 35, für Herbizide 27 und drei Prozent für nicht-chemische Mittel. Mit der Einfuhr einer Steuer für Fungizide von 34 Prozent wurden die Sätze für Insektizide und Herbizide auf 54 und 34 Prozent erhöht. In der Zeit zwischen 1986 und 1997 wurde der Einsatz an Pflanzenschutzmittel zwar reduziert, doch stieg der Behandlungsindex durch erhöhte Verwendung mit Produkten mit Wirkstoffen kleinerer Wirkung an.

Im Jahr 2010 wurde die Steuer und das Ziel Behandlungsindex als ineffizient bewertet. Es wurde ein neues Kriterium der „Pesticide Load Indicator“ (PLI) eingeführt, der die einzelnen Mittel auf ihre Umwelt- und Gesundheitseffekte bewertet. Die Wertbesteuerung wurde damit aufgelöst. Jetzt wird eine von der Giftigkeit des Mittels abhängige Steuer eingesetzt, die im aktuellen Zeitraum noch gültig ist. Auf Grund des PLI wurden neue Zielwerte definiert: Gegenüber 2011 soll der PLI-Wert um 40 Prozent sinken.

Der PLI-Wert ergibt sich aus Effekten des Wirkstoffes, seiner Formulierung, seinem Abbauprozess im Boden und der Transportfähigkeit im Wasser. Die Analyse Ende 2015 hat das Erreichend er Zielsetzung festgestellt, obwohl es aktuell noch immer keine Begründung dafür gibt. Am wahrscheinlichsten gilt die Alternativnutzung von Pflanzenschutzmittel mit einem geringeren PLI.

Als positiv gilt der EU auch die klar definierte Zielsetzung der Reduktionswerte im deutschen NAP. Bis 2018 soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegenüber der Periode 1996 bis 2015 um 20 und bis 2023 um 30 Prozent erreicht werden.

Aufgaben

Ähnlich wie Dänemark und Deutschland sollen die anderen Ländern klare Reduktionsziele festschreiben. Für eine höhere Transparenz hat die EU eine Webseite zu den einzelnen NAP frei geschaltet und dort einen Leitfaden für das Monitoring und zur Erfassung der Mittel auf die menschliche Gesundheit und Umwelt hinterlegt [2].

Lesestoff:

[1] NAP Deutschland: https://www.nap-pflanzenschutz.de/

[2] https://ec.europa.eu/food/plant/pesticides/sustainable_use_pesticides_en

Roland Krieg

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