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Phosphor-Tour – Dr. Till Backhaus

Landwirtschaft

Till Backhaus

Phosphor-Reise von der Ostsee bis in die Wetterau

Phosphor ist eines der wichtigsten Elemente für das Leben. Bei Pflanzen und Tieren nimmt Phosphor im Stoffwechsel und bei zellulären Signalwegen eine essentielle Bedeutung ein. Sowohl Pflanzen als auch Tiere sind auf eine Zuführung des Nährstoffes über Düngung oder Futter. Phosphor wird aus Lagerstätten gewonnen, die endlich sind. Auf der anderen Seite sorgt Phosphor aus vielen Quellen, wie der Landwirtschaft, für eine Überdüngung von Gewässern. Herd-und-Hof.de sammelt in dieser Woche auf einer „Phosphor-Reise“ der Wissenschaftsjournalisten Informationen und Hintergründe über die Balance von Phosphor als Lebensquell und Umweltbelastung. Die Reise vom Institut für Ostseeforschung bis auf einen Hof in der Wetterau wird zum Teil von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt getragen.

„Wir müssen beim Phosphor in Kreisläufen denken“

Mecklenburgs Minister für Landwirtschaft und Umwelt  Dr. Till Backhaus empfing diesen Dienstag Agrar- und Wissenschaftsjournalisten in der Kunsthalle Rostock. 15 Journalisten befinden sich auf einer Phosphor-Tour vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung bis zu einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Wetterau. Damit decken sie in umgekehrter Reihenfolge den Weg des Düngenährstoffs Phosphor von der Pflanzenversorgung auf dem Feld bis zur Eutrophierung der Ostsee ab.

Nach Dr. Backhaus hat das Land 20 Prozent seiner Fläche als rote Gebiete im Rahmen der neuen Dünge-Verordnung ausgewiesen. 80 Prozent davon liegen aber allein im Nordwesten von Vorpommern. Neben einer Reduzierung der Stickstoffeinträge, müssen die Landwirte künftig auch die Phosphat-Versorgung der Böden besser im Blick behalten. Die Bundespolitik müsse jetzt endlich aktiv werden, um mögliche Strafzahlungen von 863.000 Euro wegen Verstoßes gegen die europäische Nitratrichtlinie zu vermeiden, betonte Backhaus. „Ich bin überzeugt, dass die Landwirtschaft Lösungen findet“, sagte er zu den Journalisten. Mit seiner Agrarpolitik sei er bereits in Vorleistung gegangen. Die Zielmarke des ökologischen Landbaus auf 150.000 Hektar bis zum Jahr 2020 zu erreichen, sei mit 170.000 ha bereits vorerfüllt. Auf 150.000 Hektar wachsen heimische Eiweißpflanzen wie die Lupine und das Förderprogramm für eine vielseitige Fruchtfolge haben die Landwirte gut angenommen.

Backhaus will die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern neuen rechtlichen und klimatischen Veränderungen anpassen: „Wir müssen im Kreislauf Boden – Pflanze – Tier – Mensch – Boden denken.“ Als endlicher Rohstoff müsse vor allem Phosphor recycelt werden und die Ausbringung über die Präzisionslandwirtschaft zu optimieren.

„Die AMK wird spannend“, sagte er. Am kommenden Freitag steht neben der Dünge-Verordnung auch der Wald auf dem Tagungsprogramm der Agrarministerkonferenz (AMK). Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft müsse endlich bei der Dünge-Verordnung liefern. Backhaus hat am Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung mitgearbeitet und weiß auch mit Blick auf die Parteizugehörigkeiten der Landwirtschaftsminister seit Renate Künast aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Verzögerungen seit 2012 zuzuordnen: „Wir haben uns aus den großen Fängen Bayerns befreit.“

Zufrieden mit der CDU-Ministerin Julia Klöckner ist Backhaus nicht. Sie glaube noch, dass Deutschland um die 20-prozentige Reduzierung der Düngung herumkomme. Backhaus fordert für Phosphor und andere Nährstoffe ein Monitoring in einer elektronischen Schlagkartei. Mecklenburg-Vorpommern hat seit der Wende mehr als die Hälfte des Nutztierbestandes verloren und habe sich zu einer „Veredlungswüste“ entwickelt. Das Aufkommen an organischem Dünger habe sich um die Hälfte reduziert.

Für Mecklenburg-Vorpommern hat Backhaus eine Vision eines Flächenlandes zwischen drei Metropolen und entwässerten Niedermoorstandorten. Vorpommern könnte nach Wiedervernässung von Grünland und Paludikultur profitieren. In dieser Form der „Nasslandwirtschaft“ kann auf Böden mit oberflächennahem Grundwasserstand Torfmoos als Futterquelle angebaut werden. Auf den trockenen Standorten des restlichen Bundeslandes werden Feldkulturen für die Versorgung von Hamburg, Berlin und Stettin angebaut.

Unterstützt wird die Idee von Prof. Dr. Ulrich Bathmann, dem Sprecher des Leibniz-Wissenschaftscampus Phosphorforschung Rostock. Der Nordosten Deutschlands könnte sich als Modellregion einer neuen Kreislauflandwirtshaft entwickeln. Daran forschen beispielsweise die Bodenkundler der Universität Rostock. Bathmann und Backhaus wollen zurück zu mehr Organik in der Landwirtschaft. Nach Bathmann gehören Böden, die im Mittelalter mit Seetang gedüngt wurden noch heute zu den fruchtbarsten der Region.

Roland Krieg; Foto: roRo

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