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PLU für Schweinefleisch seit Montag gültig

Landwirtschaft

EU-Hilfe für Private Lagerhaltung Schweinefleisch

Die Lage auf dem Schweinemarkt hat sich wie auf anderen Märkten dauerhaft verschlechtert. Auf dem deutschen Markt wird es traditionell nach dem Weihnachtsgeschäft ruhiger; sowohl Angebot als auch Nachfrage gehen deutlich zurück. Vor Weihnachten sind die Schlachtgewichte geringer geworden, was auf ein Vorziehen der Schlachtung hinweist. Dadurch ist das Überangebot an Schweinen in Deutschland etwas zurückgegangen. Vielleicht haben Betriebe auch auf die seit Montag beginnende Unterstützung auf die private Lagerhaltung (PLU) gewartet. Der Wochenpreis liegt unverändert bei 1,25 Euro pro Kilo Schlachtgewicht.

Bei den Ferkeln zeichnet sich eine steigende Nachfrage bei stagnierendem Angebot, also mit leicht festen Preisen ab. Ein Plus von einem Euro je Ferkel darf aber nicht über die Dauerkrise auch dieses Preises hinwegtäuschen. Im Mittel wird derzeit ein Ferkel je nach Region zwischen 39 und 41 Euro gehandelt.


Langfristiger EU-Trend

Der langfristige Trend zeigt sich von den Miniereignissen am Markt unbeeindruckt. Die Preiskurve weist nach unten. Zur Marktstabilisierung hat die EU-Kommission die Förderung der Privaten Lagerhaltung für Schweinefleisch beschlossen, für die seit dem 04. Januar Anträge gestellt werden können. Gelagert werden dürfen insgesamt neun Kategorien von Produkten wie Schweinhälften, Schulter, Bäuche und erstmals auch Schweinespeck für die Dauer von 90, 120 oder 150 Tagen. Schweinefleisch darf frühzeitig für den Export nach einer Mindestlagerhaltung von 60 Tagen ausgelagert werden. Die unterstützungsfähige Mindestmenge beträgt bei Fleisch ohne Knochen zehn Tonnen und 15 Tonnen bei allen anderen Produkten. Die Mitgliedsstaaten müssen der Kommission zweimal wöchentlich die genehmigten Mengen mitteilen. Pro Tonne und Tag wird ein kategorieabhängiger Tagessatz zwischen 0,47 und 0,54 Cent bezahlt. Für Schweinespeck mit oder ohne Schwarte liegt außerhalb dieser Spanne bei 0,24 Euro. Für die Private Lagerhaltung stehen insgesamt 500 Millionen Euro bereit. Rechtsgrundlage ist die EU-Verordnung über die Gemeinsame Marktordnung 1308/2013.

Dauerbrenner Russland

Als Begründung für diese Finanzhilfe gelten nach wie vor das Russland-Embargo und eine verzögerte Anpassung des Zuchtsektors an die Situation des Schlachtmarktes im Schweinesektor. Ob allerdings die zweite Begründung anhand einer zweijährigen Dauerkrise immer noch greift bleibt genauso fraglich, wie das Dauerargument Russland. Der Export hat zwischen 2014 und 2015 in der Summe der 28 EU-Mitgliedsländer wieder zugenommen:


Belgien ist der Kleinste der acht großen EU-Schweinefleischerzeuger. Im Jahr 2014 ging der Export um 2,3 Prozent durch das Russland-Embargo zurück – konnte aber nach Auskunft von Joris Coenen vom Belgischen Fleischbüro durch vermehrte Exporte nach Südkorea, China und den Philippinen schnell wieder ausgeglichen werden. Der Anteil direkter Exporte an Drittländer beträgt in Belgien rund 10 Prozent des Gesamtvolumens.

Erhellender für die Gründe der Dauerkrise ist die Marktübersicht der Raiffeisen von Ende November 2015. Im gesamten Jahr 2015 wird die EU-Schweinefleischproduktion um sieben Millionen Tiere oder drei Prozent zunehmen. Dadurch steige das Fleischaufkommen in der EU um 600.000 Tonnen – trotz der ruinösen Preise. Die EU-Kommission geht von einem Anstieg des Binnenmarktverbrauchs um 475.000 Tonnen oder 2,8 Prozent aus. Ob allerdings der damit unterstellte Konsumanstieg um 700 Gramm pro Kopf und Jahr wirklich umgesetzt werden kann, bezweifeln Experten. Der Blick in den Schweinestall zeigt deutlich, dass niedrige Preise alleine kein Argument für eine Produktionseinschränkung sind. Da die meisten Betriebe fortlaufenden Kapitaldienst bei den Banken zu leisten haben, verfahren sie nach dem Motto: „Liquidität vor Rentabilität.“

Die EU ist mit 22,796 Millionen Tonnen Schweinfleisch mit einem Anteil von 20 Prozent weltweit der zweitgrößte Produzent nach China (51,3 Millionen Tonnen, 46 Prozent). Auf dem dritten Platz stehen die Amerikaner mit der Hälfte der EU-Menge.

Innerhalb der EU ist Deutschland mit 5,5 Millionen Tonnen (25 Prozent) der größte Schweinefleischproduzent. Es folgen Spanien (3,62 Mio. t, 17 %) und Frankreich (1,944 Mio. t, 9 %). Belgien steht auf Platz acht mit 1,118 Mio. t (5 Prozent). Zusammen erzeugen die größten acht 83 Prozent des europäischen Schweinefleisches.

Roland Krieg

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