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ProWein und „Killepitsch“

Landwirtschaft

Es begann mit französischen Weinen

ProWein 2019

1993 gab es in Düsseldorf eine kleine Präsentation französischer Weine. Das ist nicht außergewöhnlich. Aber im Folgejahr wurde daraus die größere Veranstaltung „PROVINS“. Der frankophile Name wurde seitdem beibehalten und die Messe ProWein feiert in diesem Jahr vom 17. bis zum 19. März ihr 25jähriges Jubiläum.

1994 stellten neun Ländern ihre edlen Tropfen vor. Von den 1.500 Besuchern kamen 250 aus dem Ausland. Seit dem wurde ProWein immer größer. In diesem Jahr werden 6.800 Aussteller und 400 Spirituosen-Anbieter und 60.000 Besucher erwartet.

Killepitsch

Die Kölner und die Düsseldorfer sind einander innig abgeneigt. Der Streit zwischen Kölsch und Alt hat Tradition. Zur ProWein in Düsseldorf punktet die Landeshauptstadt mit einer limitierten Spezialausgabe von „Killepitsch“. Der Name setzt sich aus „killen“ im eigentlichen Wortsinn und dem rheinischen „pitschen“, was trinken bedeutet, zusammen. Der Düsseldorfer Dramatiker und Autor des Theaterstückes „Schneider Wibbel“, Hans Müller-Schlösser, saß der Legende nach mit dem Likörspezialisten Willi Busch während des Zweiten Weltkriegs im Luftschutzbunker. Dieser versprach, wenn die Bomben sie nicht „killen“, dann braue er ihm einen der besten Schnäpse der Welt zum gemeinsamen „pitschen“. Er schlug auch schon gleich den späteren Namen „Killepitsch“ vor. Und Busch brannte dann tatsächlich einen Kräuterlikör mit 98 verschiedenen Essenzen aus Kräutern, Beeren und Früchten der ganzen Welt. Mit 42 Prozent Alkohol. Zunächst nur rund um die Probierstube „Et Kabüffke“ bekannt, genossen ihn bald alle Düsseldorfer. Heute wird der Killepitsch in 14 Länder exportiert.

So ging es auch der ProWein. Mittlerweile zeigt die Messe alles rund um Spirituosen, Bier und Wein auf der ProWein China in Shanghai und der ProWein Asien in Hongkong.

Craft Drinks

Die Düsseldorfer Messe ist ein Beleg für das Wachstum der Craft Drinks. Im letzten Jahr gab die Sonderausstellung ihre Premiere. Mit dem Motto „same but different“ kommen mehr als 100 Aussteller aus 20 Ländern an den Rhein. Die Szene ist dem Bier längst entwachsen. Aus Frankreich kommt Cachaca, Gin aus Belgien oder Norwegen und Whiskey aus Deutschland. Das Handwerk nutzt Besonderheiten wie die Regionalität. Beispielsweise stammen 90 Prozent der Zutaten für das Vulkan-Bier aus der Eifel aus der Region.

In der westlichen Welt nahezu unbekannt ist „Baijiu“. Dahinter verbirgt sich eine ganze Gruppe von Getreideschnäpsen, die in China heimisch sind. Das Attribut „meist getrunkener Schnaps der Welt“ scheint nicht geflunkert. Jährlich sollen rund 13 Milliarden Liter durch chinesische Kehlen verschwinden. Der US-Importeur Ming River präsentiert Baijiu erstmals auf der ProWein.

Das Thema Nachhaltigkeit hat auch die Bars erfasst. „Zero Waste“ oder „Less Waste“ sind die Geheimnisse der Berliner Stairs Bar. Von einer Limone oder Orange wird sogar noch die weiße Haut der Früchte genutzt. Deren Bitterstoffe sind Ausgangsprodukt für Öle. Aus gepressten Apfelteilen oder der Schale anderer Früchte werden Dekostücke.

Exportchancen

Weltweit hat sich China nach Einschätzung der Weinproduzenten von Rang neun an die Spitze der attraktivsten Exportmärkte geschoben. Vor allem Wein aus Australien, Frankreich und Chile gewinnt viele Freunde im Reich der Mitte. Aber auch Kanada, Australien und Südkorea haben mehr Wein aus dem Ausland importiert.

Der aktuelle ProWein Business Report zeigt ebenfalls für Russland und Brasilien eine ansteigende Marktattraktivität. Die neuen Mittelschichten der BRIC-Länder trinken auch mehr Wein.

Sorgenkind bleibt Großbritannien. Der Brexit wird die Exporte auf die Insel sicherlich nicht verbessern. Aber schon seit einigen Jahren gilt der Markt wegen der kontinuierlich ansteigenden Alkoholsteuer und dem harten Wettbewerb des LEH mit den Discountern als problematisch. Lediglich die traditionellen Weinländer Frankreich und Italien erwarten verbesserten Absatz.

Weltweit wird der Weinhandel an Volumen und Bedeutung zunehmen. Acht von zehn Produzenten wollen ihr Sortiment in den nächsten drei Jahren auf neue Märkte ausdehnen. Die Heimatmärkte der größten Weinproduzenten Frankreich, Italien und Spanien sind gesättigt. Grenzen gibt es offenbar erst, wenn auch China in den Weinmarkt einsteigt. Indien gilt als der neue Markt. Doch bislang exportieren lediglich Unternehmen aus den USA, Australien und Südafrika auf den Subkontinent. Die meisten Weinproduzenten warten ab, wie sich der indische Markt in den nächsten fünf Jahren entwickelt.

Überraschend liegen die Vereinten Arabischen Emirate auf Platz vier der aufkommenden Weinmärkte. Zusammen mit hochwertigen Lebensmitteln gelangt auch der Rebensaft in das moslemische Land. Als Abnehmer gelten Touristen und Expatriates.

Der Vergleich zwischen den Importländern zeigt unterschiedliche Präferenzen für neue Weine. Deutsche Weine spielen nach Erzeugnissen aus Spanien und Südafrika eine Rolle in Skandinavien. In Osteuropa stehen sie auf dem zweiten Platz zwischen Neuseeland und Australien. Zum einen liegt es dem Business Report nach an der direkten Nachbarschaft, zum anderen am Trend der Konsumenten Abwechslung zu genießen.

Online

Rund 40 Prozent der Produzenten und Händler betreiben einen Online-Shop. Doch während die Händler etwa ein Viertel ihrer Weine online verkaufen, sind es bei den Erzeugern nur fünf Prozent des Umsatzes. Einzelhändler haben ein breiteres Sortiment und können sich auf Kundenwünsche spezialisieren. Beide Stufen sehen im Online-Geschäft aber einen Wachstumsmarkt. Auch wenn die Preisvergleiche im Internet den Absatz erschweren.

Roland Krieg; Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann

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