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Rationen mit Kraftfutter mindern THG

Landwirtschaft

Verbesserte Nutztierrationen gegen den Klimawandel

Der voranschreitende Wandel von Tierhaltungssystemen aus reiner Weidehaltung hin zu Futterrationen höherer Qualität kann durch Landnutzungsänderungen den Ausstoß von Treibhausgasen (THG) mindern. Ökosystemforscher Petr Havlik vom Internationale Institut for Applied Systems Analysis (IIASA in Österreich) beziffert in seiner neuesten Arbeit die Einsparungen auf 23 Prozent bis zum Jahr 2030. Gleichzeitig steigen die Verfügbarkeit guten Futters und das Einkommen der Bauern.

Emissionen aus der Tierhaltung

Rund 12 Prozent der klimaschädigenden Emissionen stammen aus der Tierhaltung. Sie kommen vor allem aus der Landnutzungsänderung und Entwaldung durch Ausweitung der Landwirtschaft. Auch das Methan der Wiederkäuer schlägt negativ zu Buche, wenn auch weniger als Düngermanagement und Futterproduktion. „Es gibt zahlreiche Diskussionen um die Reduzierung von Treibhausgasen durch Verringerung des Fleischkonsums. Aber“, so Havlik, „unsere Ergebnisse zeigen, dass eine Lösung auf der Produktionsseite eine effizientere Minimierung der THG anbietet.“ [1]

Havliks Untersuchungen zeigen, dass in Mischsystemen gegenüber reinen Weidewirtschaften die Menge an THG bis 2030 um 23 Prozent ohne weitere Umweltpolitik senken würde. Die Tiere nutzen zum Teil das Grasland und bekommen von den Bauern höherwertigeres Futter auf Getreidebasis und verbessertes Rauhfutter vorgelegt. In der Summe können auf weniger Land mehr Tiere gehalten werden, was pro Produktionseinheit Fleisch oder Milch zu weniger Emissionen führt.

Havlik geht von steigenden Landpreisen und steigenden Ernteerträgen aus, was einen Wechsel zu reichhaltigerem Tierfutter nach sich führt. Havliks Berechnungen gehen sogar noch weiter. Es sind noch ein paar Prozent mehr drin. Bei Kosten von zehn US-Dollar je Kohlendioxidäquivalent findet der Wandel in der Tierhaltung statt. Zusätzlich kann sich die Tierhaltung in Räumen mit komparativen Kostenvorteilen hin entwickeln. Die meiste Einsparung an THG resultiere dann aus der vermiedenen Landnutzungsänderung.

TACC

Havlik hat in früheren Arbeiten eine ausführliche Datenbasis für Effizienz und THG-Emissionen verschiedener Haltungssysteme zusammen gestellt. In der aktuellen Arbeit hat er dem noch eine ökonomische Komponente hinzugefügt. Für die Bewertung seiner Arbeit hat er die Total Abatement Calorie Cost (TACC), Kosten der Gesamtminderung, als Komplementär zu den Grenzkosten der THG-Vermeidung zugefügt. Co-Autor Mario Herrero erklärt: „Nur die Anwendung der Grenzkosten führt zwar zu einer THG-Minderung, aber auch zu Nahrungsunsicherheit in Entwicklungsländern, weil die Politik, die nur auf eine reine Minderungsstrategie basiert, die sozialen Kosten ignoriert. Deshalb haben wir einen neuen ökonomischen Wert eingeführt, der auch den Konsum als Zielgröße der THG-Reduzierung berücksichtigt.“

Die Eingliederung der Tierhaltung in die Klimaanpassung bleibt nach Ansicht der Autoren eine Herausforderung. Ausbildung und Marktzugang sind Schlüsselelemente der künftigen Tierhaltung. Die Politik muss aber auch einen Sicherungsrahmen aufbauen, der die Umwelt vor einer intensiven Agrarproduktion schützt und für ausreichend Tierwohl sorgt.

Lesestoff:

[1] Die Studie ist gerade in den Proceedings of the National Academy Scienes erschienen: Havlík P, Valin H, Herrero M, et al. (2014). Climate change mitigation through livestock system transitions. Proceedings of the National Academy of Sciences DOI:10.1073/pnas.1308044111

Roland Krieg

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