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Regionale und globale Landwirte

Landwirtschaft

Wer vermarktet regional und international?

Regionale Produkte stehen bei Verbrauchern hoch im Kurs. Ein Hofladen bietet Kunden eine gute Gelegenheit, hinter die Kulissen eines Bauernhofes zu schauen. Auf der anderen Seite verkaufen Landwirte ihre Produkte an Mühlen und Molkereien, die  in die EU und sogar auf den Weltmarkt gehen. Der regionale Handel gilt als Vorbild für ein auskömmliches Einkommen, der Weltmarkt als Preisrisiko. Für die Zeit nach der Pandemie sollen Lieferketten resilienter und regionaler ausgestaltet werden und die Politik verspricht kurze und regionale Lieferketten.

Das war Grund genug für den Pflanzenschutzspezialisten ADAMA aus Köln bei den Landwirten nachzufragen, ob sie für den regionalen oder den Weltmarkt produzieren, und wo die Zukunft ihres Betriebes liegt1). Die Antworten von 171 Landwirten zeigen, wie vielfältig die deutsche Landwirtschaft ist und das Wunsch und Wirklichkeit nicht immer in Einklang zu bringen sind.

Regional und Weltmarkt

30,4 Prozent der Landwirte gaben an, für den regionalen Markt zu wirtschaften, 17,1 Prozent erzeugen Produkte für den Weltmarkt und die Mehrheit von 52,5 Prozent liefert Getreide, Fleisch und Co. sowohl an regionale als auch an überregionale Kunden. Ein detaillierter Blick auf die Antworten zeigt, dass die Wahl nicht immer einer bewusste Entscheidung ist und Strukturen sich über Jahrzehnte hinweg natürlicherweise gebildet haben.

„Beide Märkte werden sich weiter entwickeln. Weiter gibt es ja auch noch die Streitfrage, wie grenze ich die Regional- und Weltmarkt ab“, schreibt ein Landwirt. Ein Berufskollege schreibt: „Als Ackerbauer in einem Überschussgebiet brauche ich die regionalen Mühlen und Zuckerfabriken genauso, wie den Weltmarkt, um meine Produkte vermarkten zu können.“

Produkt und Lage entscheiden

Landwirte kennen die Vorzüge der Regionalvermarktung. Die Kunden verlangen danach und über einen Hofladen oder regionalen Verarbeiter entstehen Lieferketten mit höheren Gewinnmargen. Doch das gelingt nur in den Regionen, wo die Infrastruktur gut ausgebaut ist und viele Menschen leben. Die Regionalvermarktung bietet den Landwirten Sicherheit. Das hängt auch von den erzeugten Produkten ab. „Spezialprodukte“ wie Dinkel, Kalbfleisch oder Kartoffeln eignen sich für die Regionalvermarktung eher, als Weizen und Mais. Außerdem gibt es zahlreiche Betriebe, die keine großen Mengen für eine überregionale Vermarktung zusammenbekommen und sich auf die Regionalvermarktung spezialisiert haben.

Die „Weltmarkt“-Landwirte sind in überregionale Strukturen hineingewachsen. In von Zentren entfernten Regionen sind gar nicht so viele Konsumenten vorhanden, als dass die großen Mengen an Getreide, Mais und Zuckerrüben regional abgesetzt werden können. Der Aufwand einen gut funktionierenden Hofladen aufzubauen und zu erhalten, ist für einige Landwirte zu groß. Zudem sichern Handelsabkommen neue Märkte, die von den Landwirten bedient werden.

Mehrere Standbeine

Die Diversifizierung der Vermarktungswege trägt zur Einkommenssicherung der Landwirte bei, schreibt ein Landwirt. Getreide wird über den Landhandel international vermarktet, einige Produkte, wie Kartoffeln und Donausoja bleiben in der Region. Skepsis gibt es gegen jede Vermarktungsform: „Die Preise von Getreide und Ölsaaten orientieren sich nach dem Weltmarkt, auch wenn ich sie regional vermarkte.“ Und „Die Regionalvermarktung wird eine Nische bleiben (mehr oder weniger groß).“

Wie lautet das Fazit? Lassen wir einen Landwirt sprechen: „Was nur irgendwie geht, versuche ich über Vertragsanbau oder Direktvermarktung zu lösen. Der Rest ist für die Welt.“

1)Die Befragung wurde im Auftrag von ADAMA über die Agentur agriExperts des Deutschen Landwirtschaftsverlages durchgeführt.

Roland Krieg

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