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Regionalität – ohne Zucker?

Landwirtschaft

Was Regionalität bei Zuckerrüben bedeutet

Wie regional muss Regionalität sein? Heißt eine flächendeckende Landwirtschaft auch eine flächendeckende Zuckerfabrikation? Und unter welchen Umständen ist so etwas zu realisieren?

Kopplung der Agrargelder

In Finnland ist es einfach: Es gibt nur eine Zuckerfabrik. Würde die Anbaufläche von Zuckerrüben unter die Wirtschaftlichkeitsschwelle sinken, müsste das Werk schließen und die Finnen müssten jeden Zuckerkristall importieren.

In Deutschland sind jüngst Fabriken bereits geschlossen worden und die Zuckerrübe fällt als blattreiche Feldfrucht aus der Fruchtfolge. Das droht jetzt auch in Österreich. Der Stärkekonzern Agrana besitzt zwei Zuckerfabriken. Eine davon soll im Dezember, zum Ende der Rübenkampagne, ihre Tore schließen. Der Marktgemeinde Leopoldsdorf gehen 300.000 Euro Gewerbesteuer verloren. Verloren hat Agrana Rübenbauern mit Anbaufläche. Aktuell kommen die Rüben nur noch von 26.000 Hektar zusammen. Sollten bis November keine weiteren 12.000 ha hinzukommen, müsste das Werk schließen. Restrukturierungsmaßnahmen kosten nach Werksangaben bis zu 35 Millionen Euro, die mit so wenig Fläche nicht zu refinanzieren wäre.

Für die heimische Zuckerproduktion stehe es „Spitz auf Knopf“, warnte Paul Nemecek vom Niederösterreichischen Bauernbund vergangene Woche. „Gemeinsam mit der Politik muss es gelingen, rasch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die erforderlichen Rübenanbauflächen von 38.000 Hektar bis November sicherzustellen.“ Mit Rahmenbedingungen meint Nemecek die Sicherstellung der Pflanzenschutzmittel, damit die Landwirte nicht aufhören und politisch auch eine zusätzliche Finanzierung für den Rübenanbau. Ansonsten könnte die über 200-jährige Erfolgsgeschichte einer unabhängigen Zuckerversorgung ein unrühmliches Ende finden, warnt Nemecek.

Die Wirtschaftsvereinigung Zucker in Deutschland ist ebenfalls unzufrieden. Zum einen beklagt sie die Kopplung von Agrargeldern, die es in Deutschland zum Nachteil der Rübenbauern nicht gibt, und zum anderen den Notfalleinsatz von Neonicotinoiden in anderen EU-Ländern, der zwischen Nordsee und Alpen ebenfalls nicht erlaubt ist [1].

Diesen Sommer hat der französische Präsident des Nationalverbandes der Rübenanbauer, Franck Sander, in einem offenen Brief an die EU-Kommission für die Wiederzulassung der Insektizide Neonicotinoide ausgesprochen.

Öko-Rüben

Der Anbau von Öko-Rüben ist mit zwei bis drei Maschinenhacken und 100 bis 200 Handarbeitsstunden für die Unkrautbekämpfung kostenintensiv. Gegen Insekten ist kein Mittel zugelassen. Tierische Schädlinge müssen indirekt über Fruchtfolge, Aussaattiefe, Aussaatmenge, Anbauabstand und Standortwahl vorgebeugt werden. Eine Ablenkfütterung ist nur bei Rübenerdflöhen möglich. Gegen Schnecken sind nach Merkblatt des Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eisenphosphathaltige Schneckenkörner zugelassen. Gegen Moosknopfkäfer und Drahtwürmer gibt es keine Hilfe.

Lesestoff:

[1] Rüben und Bauern unter Stress: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/rueben-und-bauern-unter-stress.html

Roland Krieg

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