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Reichlich Geld für Biogas

Landwirtschaft

Verbundprojekt Energiepflanzenanbau gestartet

>Angesichts knapper werdender Rohölreserven und steigender Energiepreise gewinnt das Thema nachwachsender Rohstoffe an Bedeutung. Am Freitag sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast, dass bereits 1 Million Hektar Ackerfläche in Deutschland mit nachwachsenden Rohstoffen bebaut werden. Das entspricht etwa 10 Prozent der Gesamtackerfläche und wird zu 50 Prozent durch Biomasse für die Energiegewinnung getragen.
Dadurch stellte sie die Bedeutung der Energiepflanzen in den Vordergrund, als sie mit einem Bescheid in Höhe von 4,5 Millionen Euro an Dr. Armin Vetter den Startschuss für eines der größten Forschungsprojekte gab, das jemals vom BMVEL in diesem Bereich gefördert wurde. Ohne in Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau zu kommen, können perspektivisch ein Drittel der Flächen mit Energiepflanzen bebaut werden. Für die Bauern bietet sich ein lohnendes Einkommensziel, Klimaschutzziele werden erfüllt und die Pflanzen lockern die Fruchtfolgen auf.

Das Projekt
Dr. Andreas Schütte von der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe (FNR) benannte die Zielsetzungen für das Projekt, das bis September 2008 angesetzt ist und drei volle Vegetationszeiten umfasst. Auf der Fläche sollen hohe Nettoenergieerträge erzielt werden, für die neben der Entwicklung und Weiterentwicklung geeigneter Pflanzen auch neue ackerbauliche Konzepte umgesetzt werden sollen. Die Anbausysteme sollen nicht nur ökologisch bewertet werden, sondern parallel findet an der Justus-Liebig-Universität in Giessen auch eine ökonomische Begleitforschung statt. Über Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit soll eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiepflanzen entstehen.
Die Gesamtkoordination unterliegt Dr. Armin Vetter von der Thüringischen Landeanstalt für Landwirtschaft (TLL). Auf sieben verschiedenen Standorten quer durch die Republik werden regionale Anbaussystem getestet. Auf dem leichten Brandenburger Standort Gütersfelde, einer typischen Roggen-Kartoffel-Region wird es andere Anbauformen geben als im sonnenverwöhnten Oberrheingraben, der als Körnermais-Sonnenblumen-Region bezeichnet wird. In Niedersachsen, der typischen Futterbau-Veredlungsregion könnten Klee-Gras-Gemische verwendet werden.
Während dreier Jahre werden Alternativen zur Hauptfrucht Energiemais gesucht. Das kann Sudangras als Winterzwischenfrucht sein, Wintergetreide als zu erntende Ganzpflanze oder Sommergetreideuntersaaten. Ideen gibt es genug. Zum Beispiel könnte auch der frohwüchsige Topinambur als Dauerkultur angelegt werden.
Neben den Erfahrungen, wie sich ein optimales Anbausystem entwickeln kann haben die verschiedenen Standorte zusätzliche Aufgaben. So prüfen Thüringen und Bayern den Faktoreinsatz bei Aussaat und Ernte, Potsdam konzentriert sich auf die Silierung und Gärversuche, Brandenburg sucht den günstigsten Erntezeitpunkt und Niedersachsen überprüft die optimale Wasserversorgung.
Das Ziel des Verbundprojektes ist hoch komplex. Am Ende soll für die landwirtschaftliche Praxis folgende Empfehlung stehen: "Am Standort X sind aus pflanzenbaulicher, betriebswirtschaftlicher und ökologischer Sicht die Fruchtarten A und D im Anbausystem Y am sinnvollsten anzubauen", so Dr. Vetter. Dazu gehört auch die Logistik, das Erntegut zu den jeweiligen Biogasanlagen zu transportieren.

Ein- und Ausgrenzung
Zu jeder guten wissenschaftlichen Arbeit gehört die Eingrenzung des Themas und damit der Ausschluss dessen, über was nicht geforscht wird.
So werden sich ackerbaulich Fragen klären lassen, wie es zu vermeiden ist, dass Topinambur im Folgejahr als Durchwuchs in der Gerste wieder erscheint. Die Züchtung ist auch nicht auf Gentechnik angewiesen, wie Dr. Schütte beruhigte: "Die klassische Zuchtmethode bietet sehr gute Ergebnisse".
Das Bakterien im Gärtank zuerst Zucker spalten, andere dann Butter- und Essigsäure herstellen und zuletzt das energiereiche Methan entstehen lassen, lässt sich ebenfalls züchterisch gut optimieren und bringt selbst Renate Künast nicht unbedingt in Erklärungsnot, denn hier fiele ein biotechnologischer Fortschritt bei den kleinen Helfern in den Bereich der weißen und nicht der grünen Gentechnik.
Das Projekt ist allerdings schwerpunktmäßig auf die Gewinnung und Einspeisung von Strom aus Biomasse angelegt. Damit werden Zielkonflikte im internationalen Wettbewerb ausgeklammert. Die sperrige Biomasse lässt sich vor der Verstromung kaum wirtschaftlich über Entfernungen von mehr als 50 km transportieren. Biogas oder Strom hingegen lassen sich auch aus größerer Entfernung heranführen. Andre Faaij von der Universität Utrecht sprach auf der Biogas-Fachtagung der Heinrich-Böll-Stiftung von weltweit größten Potenzialen für Biomasse in Lateinamerika, Asien und Afrika südlich der Sahara. Solche Prognosen werden von den Giessener Ökonomen nicht berücksichtigt.
Was an Begleitforschung fehlt, ist die politische: Bundesweit steigt die Zahl der Biogasanlagen, aber Agrarlandesminister Dr. Woidke beklagte im Rahmen der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung kürzlich, dass in seinem Bundesland im letzten Jahr keine neue Anlage entstanden ist. Den Stillstand begründete er durch das Verhalten der Stromkonzerne, die für Anlagen bis 500 kWh kein Interesse zeigen. Einerseits liefern sie den Betreibern zu wenig Strom, andererseits ist es aufwendig viele kleine Anlagen bei drohender Überspannung im Rahmen des Netzsicherheitsmanagements, erst vom Netz zu nehmen und anschließend wieder einzubinden.
Zu viele Baustellen verwässern aber auch die Zielsetzung. Ein wichtiges Ergebnis wird bestimmt herauskommen: Mais gehört mit den großen Abständen in und zwischen den Reihen und seinem späten Blattschluss nicht gerade zu den bodenschonenden Früchten. Wenn der Energie-Mais, wie angekündigt "Mitstreiter" bekommen wird, so gewinnt die Biodiversität.

Ausführliche Lektüren und Informationsmaterial über nachwachsende Rohstoffe finden Sie beispielsweise unter
www.fnr.de
www.nachwachsende-rohstoffe.de
www.fairbiotrade.org

Roland Krieg

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