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Ritualisierter Konflikt Gentechnik?

Landwirtschaft

Skepsis gegen EU-individuelle Gentechnik-Zulassung

Während der DLG-Feldtage auf dem Rittergut Bockerode präsentierte sich ein breites Bündnis aus Politik, Verbände und Wissenschaft, um einen neuen Vorstoß für die grüne Gentechnik zu demonstrieren. Die Diskussion ist seit Jahren festgefahren, Philip von dem Bussche von der KWS Saatgut spricht von „ritualisiertem Konflikt“.

Risiko, etwas nicht zu tun
Während der Dioxinskandal im Futter für die Ökobetriebe genau so schnell aus den Medien verschwunden sei, wie die Listeriose-Vergiftung zu Jahresbeginn über österreichischen Käse, tauche die grüne Gentechnik immer wieder als Risiko auf, vergleicht Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen, Pflanzengenetiker der Universität Hannover, die Risikowahrnehmung der Bürger.
Dabei gibt es nach Prof. Jacobsen auch ein Risiko, etwas nicht zu tun. Energie- und Wasserknappheit bei sich veränderndem Klima und wachsender Bevölkerung träfen die Landwirtschaft unvorbereitet. Die grüne Gentechnik könnte Lösungen bereithalten, wie die ausgestellte Kartoffel, die gegen den Phytophtora-Pilz resistent ist, der hohe Ernteverluste hervorruft. Zudem, so von der Bussche, ist in den Lebensmitteln viel mehr Gentechnik drin als die meisten Konsumenten meinen. Enzyme und Zusatzstoffe werden vielfach längst durch gentechnisch veränderte Bakterien hergestellt und müssen nicht gekennzeichnet werden.

Problem der Futterwirtschaft
Nach Petra Sprick, Geschäftsführerein des Verbandes Deutscher Ölmühlen, sind die Ölmühlen rund zur Hälfte auf Soja angewiesen. In Argentinien ist Soja zu 98 Prozent, in den USA zu 92 und in Brasilien zu 62 Prozent gentechnisch verändert. Ständig kommen neue Sorten auf den Markt, für die es keine Muster zur Beprobung gebe. Die von der Europäischen Union vertretene Nulltoleranz bei der Einfuhr von Futtermitteln sei praktisch gar nicht einzuhalten und die Firmen stünden unter ständiger Bedrohung, die angelieferten Partien wieder zurück senden zu müssen. Sprick plädiert mindestens für einen technischen Grenzwert von 0,1 Prozent, spricht sich aber generell für das Schweizer Modell aus, mit 0,5 Prozent eine gerichtsfeste Lösung einzuführen.
Auf EU-Ebene wird seit geraumer Zeit darüber diskutiert, ob die einzelnen Mitgliedsländer die grüne Gentechnik individuell zulassen könnten. Danach befragt äußert sich Petra Sprick gegenüber Herd-und-Hof.de, dass die Logistik in einem EU-Binnenmarkt damit erschwert würde. Es müssten zwei getrennte Lieferketten aufgebaut werden, und die Firmen würden die entstehenden Kosten an die Kunden weitergeben.

Dr. Christel Happach-Kasan

Für Dr. Christel Happach-Kasan, agrarpolitische Sprecherin der FDP, wäre es der Anfang vom Ende eines gemeinsamen Binnenmarktes. Auch wenn die EU noch nicht so weit ist, das umzusetzen, würden die Niederländer wohl die Option als Chance für die grüne Gentechnik ziehen – und die Produkte müssten dann auch in Deutschland vermarktet werden können. Von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner erwartet Dr. Happach-Kasan eine ähnlich deutliche Meinung, wie von Forschungsministerin Annette Schavan nach dem letzten runden Tisch zur Gentechnik.
Von der Bussche macht den Lebensmitteleinzelhandel als Schwachstelle in der Wertschöpfungskette aus. Der LEH fürchtet das Votum der Verbraucher und die Diskriminierung. Ansonsten stehe die Warenkette zusammen, was die gemeinsame Ausstellung auf den DLG-Feldtagen demonstrieren soll. Inklusive Argumente, die für die grüne Gentechnik sprechen könnten.

Lesestoff:
Renationalisierung der Zulassung?
Runder Tisch Gentechnik
Bauern würden mehrheitlich anders als Verbraucher entscheiden

Roland Krieg; Foto: roRo (Dr. Christel Happach-Kasan)

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