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Roggen ist kein Lückenbüßer mehr

Landwirtschaft

Anbaufläche für Roggen steigt

Roggen

Roggen ist nicht nur das robusteste und stresstoleranteste Getreide, sondern kann als Hybridsorte auch auf mittleren Böden ertraglich und wirtschaftlich mit Weizen mithalten. Neben der menschlichen Ernährung wird Roggen als Futtermittel, in Biogasanlagen und in der Ethanol Produktion eingesetzt. Dennoch sinken seit 2013 die Anbauflächen von Roggen stetig. Durch die Intensivierung des Pflanzenbaus scheinen viele Produktionsvorteile von Roggen in den letzten Jahren bei einigen Landwirten in Vergessenheit geraten zu sein, beklagt die Saaten-Union.

Das wird sich aus Sicht der Pflanzenzüchter ändern. Düngungsintensität, Pflanzenschutz oder Landtechnik werden ihre treibende Kraft für das Betriebswachstum verlieren. Das übernehmen Pflanzenzüchtung und Digitalisierung. Besonders für den Roggenanbau ist die Züchtung neuer Hochertragssorten die wichtigste Einflussgröße auf Ertrag, Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Die Hybridroggenzüchtung ist eine Erfolgsgeschichte. Der Zuchtfortschritt konnte ohne Einbußen in Qualität oder Krankheitsanfälligkeit beschleunigt werden. Die neuen Sorten wurden sogar bei der Blattgesundheit verbessert und besitzen eine höhere Auswuchsfestigkeit. Aufgrund der verstärkten. Auf den zurückliegenden DLG-Feldtagen hatten die Pflanzenzüchter aus Isernhagen bereits ihren Hybridweizen vorgestellt [1].

Bei Roggen verzeichnet die Firma einem Plus von zehn Prozent einen Roggenanabau der wieder bei 600.000 Hektar liegt. Dafür gibt es viele Gründe.

Ertragssicherheit

Das Jahr 2018 hat klar die Grenzen des Pflanzenbaus aufgezeigt. Die Wetterextreme nehmen zu und damit auch das Risiko der Ernteverluste oder gar des Ernteausfalls. Ertragssicherheit gewinnt an Bedeutung. Hybridroggen ist mit Abstand die effizienteste Getreideart, die bei knappen Wasservorräten und limitiertem Nährstoffangebot die höchsten Erträge erzielt und den geringsten Anspruch an Pflanzenschutzmittelaufwand stellt. Damit konnte Roggen nach diesem Jahr sicherlich wieder punkten.

Futterknappheit

Ein weiterer Grund kann auch mit der Trockenheit 2018 in Verbindung gebracht werden – die Futterknappheit. Trockengeschädigter Mais und schwache Getreideernten sorgen für zum Teil starke Engpässe bei der Futterversorgung von Tierbeständen. Dem Futtermangel wird mit Nebenprodukten wie Pressschnitzel, Kartoffelpülpe etc. begegnet und die Rationen mit Stroh gestreckt. Dort wo nicht ausreichend Silomais verfügbar ist, kann Roggen GPS eine potenzielle Versorgungslücke im Juni schließen. Die Nachfrage nach GPS Roggen war deutlich spürbar.

Positive Preisentwicklung

Durch das sehr knappe Roggenangebot und die geringen Vorräte ist davon auszugehen, dass Roggen auch noch bis zur Ernte 2019 stark nachgefragt wird. Der Roggenanbau für das Jahr 2019 ist durch spezielle Preisangebote durchaus wirtschaftlich. Entscheidend ist dabei natürlich auch die Differenz zum Weizenpreis. Regional liegt der Preis für Brotroggen momentan über dem Preis für B-Weizen. Es ist zu erwarten, dass sich die Roggenpreise aufgrund der Knappheit unabhängig vom Weizenmarkt entwickeln und auf einem hohen Niveau bleiben.

Fallende Rapsflächen

Verliert eine Kultur an Anbaufläche, gewinnt eine andere. Während Getreide bereits während der Ernte einen massiven Preisauftrieb erlebte, rutschte der Raps weiter ab, unter das Niveau der Vorjahre. Das und zunehmende Probleme in der pflanzenbaulichen Führung sorgten im Raps für eine Kürzung der Anbauflächen. Ein Teil der Flächen konnte Roggen für sich gewinnen.

Produktmanagerin Fenja Asmussen von der Saaten-Union fordert: „Es ist Zeit das Image von Roggen als „Lückenbüßer“ endgültig zu korrigieren. Kein Getreide ist so flexibel in seinen Einsatzbereichen, einfach in der Führung und zusätzlich so wirtschaftlich. Roggen wurde in der Vergangenheit auf die ganz schwachen Standorte zurückgedrängt. Doch mit seinem Potenzial gehört er zu Recht zurück auf die Grenzstandorte.“

Lesestoff:

[1] Hybridweizen der Saaten-Union: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/hybridgetreide-fuer-den-grenzertragsstandort.html

roRo; Foto: Saaten-Union

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