Rotenon und Parkinson

Landwirtschaft

Wenn aus Rotenon Pflanzenschutzmittel werden

Wissenschaftler vermuten schon länger, dass die Parkinson-Krankheit durch äußere Einflüsse verursacht wird. Am Dienstag haben Mediziner des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus an der TU Dresden einen neuen Artikel dazu in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.

Rotenon

Die Mediziner um Prof. Richard Funk und dem Neurologen Prof. Heinz Reichmann haben die Wirkweise von Rotenon untersucht. Rotenon verursacht bei Nervenzellen im Darmtrakt die Ausschüttung des Proteins Alpha-Synuclein. Das wird bis ins Gehirn geleitet, von den Nervenenden aufgenommen und zum Zellkörper transportiert. Dort zerstört es die Zellen und löst die Symptome der Parkinson-Krankheit aus.
Bislang wurden die Beobachtungen bei Mäusen erforscht. Der spanische Autor Francisco Pan-Montojo vom Dresdner Institut für Anatomie: „Wenn sich das auch bei Parkinson-Patienten bestätigt, dann haben wir einen wichtigen Schritt getan, um zukünftig neue Ansätze zur frühzeitigen Diagnose und Therapiestrategien gegen die Krankheit zu entwickeln.“

In Deutschland verboten

Die Tagespresse hat aus Rotenon gleich „Die Pflanzenschutzmittel“ gemacht und den Text mit einem pflügenden Traktor (!) untermalt. Die englische Fachzeitschrift hingegen spricht vom allgemeinen Verdacht, dass die Übertragung des Proteins Parkinson auslösen kann. Um das zu belegen, haben die Forscher auf das bekannte Toxin in Rotenon zurückgegriffen. Das fällt mit einigen Studien zusammen, die belegen, dass bei Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, häufiger Parkinson auftritt.
Rotenon wird aus tropischen Leguminosen-Wurzeln der Derris-Schlingpflanze in Südostasien gewonnen und wird als Pulver oder Flüssigkeit gegen verschiedene Insekten im Freiland und im Vorratsschutz verwendet. Es wirkt als Fraß- und Kontaktgift und greift in die Atmungskette ein. Nach Angaben des Instituts für Strategien und Folgeabschätzung im Pflanzenbau des Julius Kühn-Instituts in Kleinmachnow ist das Mittel in Deutschland verboten.
In der Schweiz wird Rotenon noch eingesetzt. Dort hat das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) schon in einem Merkblatt aus dem Jahr 2000 über ähnliche Versuche von Medizinern berichtet. Bei sehr hohen Dosen entwickelten Ratten Parkinson-ähnliche Symptome.
Im Freiland wird Rotenon innerhalb von sechs Tagen abgebaut. Zu diesem Zeitpunkt waren auch zwei Rotenon-Präparate für den biologischen Landbau zugelassen. Für das FiBL haben chemisch-synthetischen Pestizide, die sich wesentlich langsamer abbauen, eine höhere Gesundheitsrelevanz.

Lesestoff:

Francisco Pan-Montojo, Mathias Schwarz, Clemens Winkler, Mike Arnhold, Gregory A. O'Sullivan, Arun Pal, Jonas Said, Giovanni Marsico, Jean-Marc Verbavatz, Margarita Rodrigo-Angulo, Gabriele Gille, Richard H. W. Funk & Heinz Reichmann: Environmental toxins trigger PD-like progression via increased alpha-synuclein release from enteric neurons in mice. In: Nature Scientific Reports, doi:10.1038/srep00898
www.nature.com/srep/2012/121130/srep00898/full/srep00898.html

Roland Krieg

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