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Rübenanbau bald wettbewerbsfreundlicher?

Landwirtschaft

Wichtiger Schachzug von VDL für die Landwirtschaft?

Rund 25.000 Landwirte haben mit der Ernte ihrer Zuckerrüben begonnen. Rund um Brottewitz und Warberg wissen die Bauern, es ist ihre letzte Rübenkampagne. Die Südzucker AG schließt dort die Zuckerwerke im nächsten Jahr [1]. „Unter den Landwirten und Beschäftigten herrscht große Sorgen“, teilt die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) zum Saisonstart mit.

Die Rübenbauern machen mit der „Aktion Rübenkampagne“ auf ihre Situation aufmerksam. Diesmal ist es aber nicht nur der globale Zuckermarkt, der mit seinen Niedrigpreisen auf die europäischen Bauern durchschlägt. Die WVZ beklagt auch eine Wettbewerbsverzerrung innerhalb der Europäischen Union. „Der Zuckerrübenanbau in Deutschland ist wettbewerbsfähig, wahrscheinlich sogar der wettbewerbsfähigste in Europa. Doch politisch gemachte Wettbewerbsverzerrungen bedrohen den Anbau und die Verarbeitung existenziell: Subventionen in Drittländern, Sonderprämien für Anbauer in anderen EU-Ländern sowie Diskriminierungen beim Pflanzenschutz führen zu massiver Ungleichheit im Wettbewerb. Diese gehen zu Lasten deutscher Landwirte und Verarbeiter.“

Andere EU-Länder erlauben den Einsatz von Neonicotinoiden und zahlen Anbauprämien für die Landwirte. Im Falle von Finnland kann das wirklich wichtig sein, denn es gibt dort nur eine Zuckerfabrik. Macht die dicht, müssten die Finnen allen Zucker importieren. In anderen Ländern fehlt aus Sicht des WVZ so eine Notwendigkeit, gegen die deutschen Rübenbauern anzukämpfen haben.

„Ein Ende des Zuckerrübenanbaus in Deutschland würde sehr negative wirtschaftliche, ökologische aber auch soziale Folgen für ländliche Räume bedeuten. Das kann nicht im Interesse der Bundesregierung sein. Die Krise ist politisch gemacht und kann daher auch nur politisch gelöst werden“, sagt Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der WVZ.

Rund 80 Prozent der Wertschöpfung Zucker verbleiben in der Region. Derzeit gibt es in Deutschland noch 20 Zuckerfabriken. Das Gesamtpaket ist komplex. Überraschenderweise hat die neue EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen (VDL) die Abteilungen für staatliche Beihilfen aus den Generaldirektionen Agrar und Fisch in die Generaldirektion Wettbewerb überführt. Das klingt erst einmal dem Namen nach einem strengeren Wind gegen gekoppelte Zahlungen, wie der für den Zuckerrübenanbau.

Kurzfristig sieht die WVZ-Sprecherin allerdings keinen Nutzen, teilt sie gegenüber Herd-und-Hof.de mit. Viele Länder profitierten von den Zahlungen und wehren sich „vehement“ gegen eine Abschaffung. Bislang bleibt Deutschland, das als einziges EU-Land alle gekoppelten Zahlungen abgeschafft hat, standhaft. Auch Bundesministerin Julia Klöckner will dem Beispiel der anderen Länder nicht folgen. Die WVZ setzt aber darauf, dass Deutschland in der EU durchsetzt, Mengenprämien nur noch für gefährdete Nischenbereiche ohne Wettbewerbsverzerrungen einzusetzen. Immerhin: Die Verlagerung der Beihilfe-Abteilungen gibt der WVZ Hoffnung, dass der Binnenmarkt auch ohne Verzerrungen umgesetzt wird.

Lesestoff:

[1] Absatz Zuckerpolitik: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/der-krieg-ist-verloren.html

Roland Krieg

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