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Russlands Landwirtschaftssektor

Landwirtschaft

Russland erreicht Selbstversorgung bei Schweinefleisch

Im Jahr der Pandemie hat der landwirtschaftliche Sektor in Russland ein stetes Wachstum von 1,8 Prozent hingelegt. Die Analyse von Denis Ternovskiy vom Center for Agri-Food Policy kommt in seiner Dezemberanalyse zu dem Ergebnis, dass die Agrarexporte nicht nur das Volumen aus dem Jahr 2019, sondern auch die Vorlagen für 2020 übertroffen haben. Der Effekt resultiere aus dem Zusammenspiel eines schwächeren Rubels mit gestiegenen internationalen Preisen. Gewinner waren Getreide mit einem Plus von neun Prozent und vor allem Schweinefleisch mit einer Steigerung um 11,4 Prozent gegenüber 2019.

Selbstversorgung gestiegen

2020 wurde erstmals seit 30 Jahren kein Schweinefleisch mehr importiert. Das allerdings resultiert zu großem Teil aus dem Austausch einer Importquote gegen einen freien Handel gleich zu Jahresbeginn 2020, der aber mit einem Importzoll in Höhe von 25 Prozent belegt wurde. Der Import an Schweinefleisch fiel um 91,5 Prozent.

Der Export hat im Zeitraum Januar bis November 2020 einen Umsatz von 26 Milliarden US-Dollar erzielt und rund eine Milliarde über der Zielmarke der Regierung liegt. Die größte Summe steuerte Getreide mit einem Exportplus von 20 Prozent im Wert von plus 1,4 Milliarden US-Dollar zusammen. Seit den Handelsspannungen zwischen der EU und Russland verfolgt Moskau die Stärkung der Eigenversorgung, die schon zuvor immer wieder gewünscht, aber selten realisiert wurde. Der Aufbau der heimischen Landwirtschaft trägt Früchte, weil der Import an Agrarprodukten 2020 um weitere 0,9 Prozent zurückging. Vor allem Fleisch wurde um 27 Prozent weniger auf dem Weltmarkt eingekauft.

Schweine-Boom

Den größten Sprung hat Russland im Bereich der Schweinehaltung vollzogen. Ziel ist ein weiterer Aufbau der Schweineherde von vier Millionen aus dem Jahr 2019 auf sechs Millionen bis 2025. In den fünf Jahren vor 2019 stieg die Zahl der Schweine bereits um 1,2 Millionen. Damit geht ein Strukturwandel einher, weil das Wachstum zu 90 Prozent auf gewerblichen Betrieben und nicht mehr in der Hinterhofhaltung stattfindet. Die Ausweitung der Schweinefleischproduktion wird nicht nur durch den Anstieg des heimischen Konsums auf 28 Kilogramm pro Kopf und Jahr, sondern auch durch den Export getragen. Ende 2020 werden nach Schätzung des Verbandes russischen Schweinefleischerzeuger 190.000 Tonnen im Auftragsbuch stehen. Die haben einen Umsatz von 300 Millionen US-Dollar erzielt. Bis 2024 will Russland jährlich 400.000 Tonnen Schweinefleisch exportieren. Die wichtigsten Märkte sind Belarus, die Ukraine, Hongkong und Vietnam.

Afrikanische Schweinepest

Die Veterinärbehörde Rosselkhoznadzor musste zuletzt in der Region Samara an der Wolga, südlich von Kasan, den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in einem Großbetrieb melden. Rund 17.000 Schweine wurden gekeult. Der Ausbruch in einem von mehreren Gebäudekomplexen sei auf die Wanderung von Nagetieren zurückzuführen, die Futter mit dem Virus kontaminiert hätten. Das Seuchengeschehen der für Menschen ungefährlichen, aber für Haus- und Wildschweine tödliche Viruserkrankung, ist in Russland zwar kaum mehr zu kontrollieren, betrifft aber neben Wildschweinen fast nur noch schlecht geschützte Hinterhofhaltungen. Die stehen auch als Quelle im Verdacht, im Oktober 2020 das Virus in verarbeitete Wurstprodukte in der Region Woronesch, südlich von Moskau, eingetragen zu haben.

Roland Krieg

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