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Sachsen bereitet sich vor

Landwirtschaft

Zukunft der Landwirtschaft in Sachsen

Die Landwirtschaft ist einem großen Wandel unterworfen. Schon heute müssen die ländlichen Räume den steigenden Herausforderungen mit immer weniger finanzieller Unterstützung begegnen, die europäische Energieversorgung soll zu einem Teil vom Land kommen, Direktzahlungen sind nur noch bis 2013 gesichert, es gibt keine Exporterstattungen mehr und Zölle werden abgebaut. „WTO und Doha zeigen die Himmelsrichtung an“, sagte Sachsens Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Stanislaw Tillich Ende letzter Woche in einem Pressegespräch mit dem Bundesverbandes Deutscher Agrarjournalisten in Berlin.

Vielfältige Landwirtschaft
Sachsen ist dabei, wettbewerbsfähige Strukturen zu schaffen, wobei Stanislaw Tillich betont, dass es noch vielfältige Betriebsformen mit Wiedereinrichtern und Nebenerwerbslandwirten gibt. 7.475 Betriebe bewirtschaften mit 41.859 Personen, davon 19.547 im Vollerwerb, 910.815 ha Land. Jeder zweiter Betrieb wirtschaftet im Nebenerwerb mit weniger als 10 Hektar Land.

Rechtsform

Sachsen

BRD

I

Betriebsgröße

Sachsen

BRD

1. Jur. Pers.

657

5.300

I

Bis 10 ha

2.793

120.500

E.G.

214

1.200

I

Bis 20 ha

1.207

73.000

GmbH

267

2.600

I

Bis 50 ha

1.037

88.600

2. Natürl. Pers.

6.777

361.300

I

Bis 100 ha

657

54.200

2.1 Pers.gesell.

406

18.800

I

Bis 500 ha

1.005

26.900

2.2 Einzelunter.

6.371

342.500

I

Bis 1.000 ha

221

1.800

2.2.1 Haupterw.

1.917

160.000

I

Über 1.000 ha

249

1.500

2.2.2. Nebener.

4.454

182.500

I

Q: SMUL

Rund 43 Prozent der Betriebe sind spezialisierte Rinderbetriebe, 26 Prozent Ackerbaubetriebe und 21 Prozent Mischbetriebe mit Viehhaltung und Ackerbau zusammen. Neun Prozent gehören der Kategorie Gartenbau an; es gibt 130 Dauerkulturbetriebe und 100 Veredlungsfirmen.
Das große Plus der sächsischen Landwirtschaft ist die hohe Produktqualität. 85 Prozent des Getreides ist Qualitätsgetreide, 99,1 Prozent der Milch wurde im vergangenen Jahr mit der besten Güteklasse S ausgezeichnet und bei Obst und Gemüse hat die amtliche Lebensmittelüberwachung 2006 keine Überschreitung der Höchstmengen an Pflanzenschutzmitteln festgestellt.
Trotzdem zeigen die Zahlen auch ein Manko. Es gibt zu wenig Verarbeitungsbetriebe stellte der Minister fest. Beispielsweise gibt es in Sachsen keinen einzigen Schlachthof. Dabei wollen die Verbraucher immer mehr wissen woher ihre Lebensmittel stammen und regional Einkaufen. Einen Ausweg formuliert Tillich aber auch, der Anfang März in Leipzig bereits das internationale Zukunftsforum Landwirtschaft eröffnet hatte: Die Bauern sollen sich vermehrt zu Erzeugergemeinschaften zusammen schließen. „Wir brauchen eine Art Vertragslandwirtschaft, um den Markterfordernissen gerecht zu werden.“ Es könne nicht sein, dass in Sachsen der Betriebszweig Milch aufgegeben würde, weil die Niederländer sie preiswerter produzieren. Kauften sächsischen Bauern ihre Betriebsmittel gemeinsam, könnten sie mithalten.
Im Bereich Obst und Gemüse hatte die EU auf der Grünen Woche bereits gezeigt, dass sie willens ist, Erzeugergemeinschaften unterstützen zu wollen.

Erneuerbare Energien
In Sachsen gibt es bereits 91 Biogasanlagen, die 33 MW elektrische und 43 MW thermische Leistung erzielen. Auf 60.000 ha werden bereits nachwachsende Rohstoffe angebaut. Dabei nimmt Raps mit 46.900 ha den größten Anteil ein. Der Getreideanbau für die Bioethanolgewinnung umfasst bereits 9.700 ha und Mais für die Biogasanlage wächst auf 1.800 ha. Der Markt ist da, sogar überregional. Minister Tillich berichtete von einem Wiedereinrichter mit 345 ha Fläche zwischen 400 und 800 Höhenmeter, der seinen Roggen bis nach Brandenburg verkauft. Mit 13 Euro je Dezitonne erzielt er damit zur Zeit gut das Doppelte des normalen Preises.
Potenziale gibt es noch im sächsischen Wald, der zu etwa einem Drittel vom Land, den Kommunen und privat bewirtschaftet wird. Gerade im kommunalen und privaten Wald sind nach Tillichs Aussagen noch Nutzungsreserven vorhanden.

Noch um 1820 lag der Brennholzanteil am gesamten Nutzholzeinschlag in Sachsen bei über 80 Prozent. Mit Nieder- und Mittelwald wurden Bewirtschaftungsformen entwickelt, die den Brennholzbedarf sicher stellten. In Kursachsen wurden schließlich bereits 1560 forsthoheitliche Regelungen geschaffen, die dem unkontrollierten Abholzen Einhalt geboten. Der heute fast schon inflationär gebrauchte Begriff „Nachhaltigkeit“ stammt schließlich aus der Forstwirtschaft: Der sächsische Oberberghauptmann von Carlowitz hat den Begriff in seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“ beschrieben.
Nach: Winfried Werner vom SMUL in kompakt 2/2006; Journal des Ministeriums

Stillegungsflächen müsste es nach Ansicht des Ministers bereits heute nicht mehr geben. Im Wettbewerb von Nahrungs- und Energiepflanzen brauchen wir jeden Hektar. Die in Sachsen stillgelegten Flächen sind bereits zu 68 Prozent mit nachwachsenden Rohstoffen bestellt.
Für den Anbau von Kurzumtriebsplantagen mit Holz gibt es analog zur Umstellungszeit im Ökolandbau eine zweijährige Förderung, weil die Bauern in dieser Zeit mit den Flächen kein Einkommen erzielen können. Das Ministerium will auch versuchen, die Bauern anzuhalten, keine Monokulturen anzubauen.

Land zum genießen
Sachsen hat sicher mit seiner Landschaft ein großes Pfund, mit dem die Wirtschaft wuchern kann. Für Minister Tillich ist damit auch klar, Pfad an der Triebischdass die Erhaltung der Kulturlandschaft, die neben ästhetischen und Erholungsaspekten genauso gut Boden, Fauna und Flora schützt, von der Gesellschaft bezahlt werden muss. Der Erhalt der Landschaft ist eine zusätzliche Leistung: „Es muss einen Nachteilsausgleich geben, den die Allgemeinheit tragen muss“, fordert Tillich. Zusammen mit dem bayrischen Kollegen Josef Miller drängt er auf eine Reform des 52 Jahre alten Landwirtschaftsgesetzes. Darin soll eine angemessene Gemeinwohlleistung enthalten sein.
Mit Schlemmerprodukten und Agrartourismus punktet das Bundesland bei den Besuchern. Nur Berliner könnten etwas mehr kommen, wünschte sich die Agrar-Marketing Sachsen im Vorfeld der Grünen Woche.

Ökolandbau
Auf 23.450 Hektar wirtschaften 279 Betrieb mit 515 Beschäftigten im Ökolandbau. Das sind etwas weniger als drei Prozent der sächsischen Landwirtschaft. Minister Tillich gibt auch gleich einen Grund für diese Quote an: Auf den guten Standorten stellen weniger Landwirte ihre Betriebe um. Deswegen hält er die Möglichkeit der Teilumstellung für die bessere Alternative. Er berichtete von einem Erbsenanbauer, der einen Teil des Betriebes umgestellt hat „weil der Markt es verlangt“.
In den vergangenen 13 Jahren wurde der Ökolandbau mit 28 Millionen Euro gefördert. Auch in der neuen Förderperiode gibt es Prämienzahlungen und Kontrollkostenzuschüsse. Wegen des Biobooms wird der Ökolandbau auch in Zukunft gefördert, ohne ihn aber zu einem „Subventionstatbestand zu machen“.

Mehr Markt
Letztlich stellt sich Sachsens Landwirtschaft auf mehr Markt ein, der von außen auf das Bundesland zugetragen wird. Das die Betriebsleiter sich den neuen Herausforderungen stellen können liegt auch an der fundierten Ausbildung. 60 Prozent der in der Landwirtschaft tätigen haben einen Fach- oder Hochschulabschluss. Das sieht Stanislaw Tillich als einen wichtigen Vorteil seines Bundeslandes an. Im Herbst wird mit der Berufsakademie ein neuer Ausbildungszweig eingerichtet, bei dem Abiturienten zwei Drittel der Zeit auf landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten und ein Drittel der Ausbildung dann in der Akademie die Theorie erlernen.
Damit soll die Zukunft der Landwirtschaft durch ein starkes Unternehmertum gemeistert werden. Das begleitet den Strukturwandel. Maßnahmen wie die Milchquote gehören dann der Vergangenheit an. Seit dem Jahr 2000 wurden in Sachsen für 27 Millionen Euro Milchquote im Handel erworben. Das sind bei 550 Käufen 49.000 Euro je Kauf. Angesichts des drohenden Wegfalls der Quote spricht Sachsens Landwirtschaftsminister von einer „Geldvernichtung“, die man sich in den nächsten Jahren ersparen will.

Lesestoff:
Für das „Zukunftsforum Landwirtschaft“ am 01. März in Leipzig wurden die Visionen in einem Diskussionspapier zusammen gefasst. Als PDF-Datei kann es unter www.smul.sachsen.de heruntergeladen werden.

Roland Krieg; Foto: SMUL: Pfad über die Triebisch

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