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"Sahara"-Sommer fördert Blauzungenkrankheit

Landwirtschaft

Bluetongue in NL wirkt bis nach Hessen

Weltweit kommt die Blauzungenkrankheit bei Schafen in den warmen Ländern zwischen dem 35. südlichen und dem 44. nördlichen Breitengrad vor. In Europa ist sie in Italien und Griechenland sowie der Türkei bekannt. Wenn aber die Temperaturen im Sommer und Herbst ausreichend lange über einen kritischen Wert liegen, dann wandert der Orbvirus auch nach Nordeuropa, warnt das Friedrich-Loeffler-Institut. Am Donnerstag wurde die für Menschen ungefährliche Infektionskrankheit auf einem Schafbetrieb im niederländischen Kerkrade festgestellt, wobei der am Freitag gezogene 150 km große Schutzkreis um den Hof auch hessische Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis und Limburg-Weilburg betrifft.

Virus mit großer Verwandtschaft
24 verschiedene Typen des Orbivirus sind bekannt, wobei die FAO Tierhalter darauf aufmerksam macht, dass Tiere, die gegen eine Art geimpft sind, weiterhin anfällig für die anderen Typen bleiben.
Die Klimaerwärmung kann durchaus dazu führen, dass die Überträger des Virus, ein bis drei mm lange blutsaugende Mücken der Gattung Culicoides, neue Lebensräume erschließen. Zudem kann der Wind das Virus bis zu 100 km verfrachten und sich weiter ausbreiten. Zur Zeit entwickeln sich die Temperaturen aber gegenläufig, so dass der Infektionsdruck geringer wird, da die Stechmücken für ihre Entwicklung längere Wärmeperioden benötigen. Untereinander geben die Schafe die Krankheit nicht weiter. Für sie ist der Krankheitsverlauf aber häufig tödlich.
Für Menschen ist der Virus ungefährlich und selbst der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukte erkrankter Tiere ist ungefährlich.

Anzeigenpflichtige Seuche
Zwei Schafbetriebe im Dreiländereck Kerkrade hatten die Behörden am 16. August informiert, worauf diese vorsorglich gleich gesperrt worden sind. Laboruntersuchungen am 17. August bestätigten in vier von sieben Proben die Blauzungenkrankheit, so dass am Freitag gleich die Sperrzonen eingerichtet wurden.
Wegen der leichten Ausbreitung sind die Schutzmaßnahmen großflächig. Innerhalb eines 100 km großen Radius und eines weiteren 50 km großen Beobachtungsgebietes dürfen Tiere, die für die Krankheit empfänglich sind nicht mehr verbracht werden. Schafe und amerikanische Wildwiederkäuer sind von der Viruserkrankung tödlich betroffen. In Ziegen und Rindern kann das Virus, ohne dass die Tiere erkranken, ein Rückzugsreservoir bilden. Über die Anfälligkeit europäischer Wildwiederkäuer, wie Reh und Rothirsch ist nichts bekannt.
Alleine in Hessen sind jetzt 381 Betriebe mit rund 6.400 Schafen, 8.300 Rindern und 330 Ziegen betroffen. Im Kerngebiet Kerkrade gilt in einem Radius von 20 km um die betroffenen Betriebe ein Aufstallungsgebot.

Heute Entscheidung über weitere Maßnahmen
In Deutschland ist die Blauzungenkrankheit bisher noch nicht aufgetreten. Nordrhein-Westfalen hat am Freitag ein Landestierseuchen-Kontrollzentrum eingerichtet, das am Sonntag weitere klinische und labordiagnostische Untersuchungen nach Brüssel melden wird. Aus Brüssel und Berlin werden am heutigen Montag weitere Entscheidungen über mögliche Maßnahmen erwartet.
Schafe zeigen bei einer Erkrankung entzündete Schleimhäute an Nase und Mund sowie des Atmungs- und Verdauungstraktes. Bei entsprechender Schwere der Erkrankung färbt sich die Zunge blau. An den Hufen können sich Geschwüre bilden. Betroffene Tiere liegen mit der Schnauze auf ihrer Flanke und leiden unter Durchfall. Selbst wenn die Tiere die Krankheit überleben, so bleiben sie schwach und genesen nur langsam.
Was zur Zeit nicht abzuschätzen ist, sind die wirtschaftlichen Folgen des Transportverbotes – vor allem in den Niederlanden. Das Haager Landwirtschaftsministerium ging am Freitag davon aus, dass noch mehr Betriebe betroffen sein könnten und daher die Schutzzone vergrößert werden könnte. Das würde dem Wirtschaftszweig einen großen Schaden zufügen, denn nicht nur lebende Tiere fallen unter das Verbringungsverbot, sondern auch Sperma, Eizellen und Embryos.
Der Landeskrisenstab in NRW hat zusätzlich die Öffentlichkeitsarbeit in den Vordergrund gestellt.

VLE

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