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Schafe und Ziegen in der Landwirtschaft

Landwirtschaft

Die kleinen Weidetiere haben es schwer

Schafe haben bei Verbrauchern ein tolles Image. Der Schäfer strahlt Ruhe und Aufmerksamkeit aus. Tauschen wollen viele dennoch lieber nicht. Auch sonst geht es den Schafen und Ziegen auf den Weiden nicht gut. Es ist nicht nur der Wolf, der nach ihrem Leben trachtet. Wirtschaftlich erzielen Wolle, Felle, Fleisch und Käse nur wenig Gewinn und der Erhalt der Landschaft wird von Konsumenten als gegeben hingenommen.

Schäferverbände

In Deutschland sind die Vereinigung der Deutschen Landschaftsschafverbände (VDL) und die Wirtschaftsvereinigung Deutsches Lammfleisch (WDL) bundesweit ein Sprachrohr für die Schaf- und Ziegenhalter. Im Juni 2019 haben sie gemeinsam einen Brief an die Ministerpräsidenten der Bundesländer gewandt, mit der Einführung einer Weidetierprämie die Wirtschaftlichkeit der Haltung zu verbessern.

Im November haben sich die Berufsschäfer  zu einem eigenen Berufsverband zusammengeschlossen, um Verbrauchern die Systemleistungen der Schaf- und Ziegenhaltung darzulegen und über die Produkte zu informieren [1].

Sowohl die Linksfraktion als auch Bündnis 90/Die Grünen haben vor dem Hintergrund, dass es in Deutschland nur noch 1.000 Berufsschäfereien gibt und seit 2010 rund 15 Prozent der Betriebe Insolvenz angemeldet haben, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Zukunft der Schäferei und Weidetierhaltung befragt. Die Einführung der Weidetierprämie und der Wolf spielten bei den Fragen die wichtigste Rolle.

Wirtschaftliche Situation

Abgrenzungen zwischen extensiver und intensiver Weidetierhaltung sind nicht immer einfach umzusetzen. So sind auch die wirtschaftlichen Betriebsergebnisse lückenhaft. Das BMEL zieht das Testbetriebsnetz Landwirtschaft zu Rate. Demnach haben die Betriebe im Wirtschaftsjahr 2017/2018 rund 500 Euro je Hektar land- und forstwirtschaftlicher Fläche erzielt. In erheblichem Umfang stammen die Gelder aus der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) als Direktzahlungen. Ein Haupterwerbsbetrieb hat so rund 79.000 Euro pro Jahr erhalten. Der Gewinn plus Personalaufwand je Arbeitskraft lag aber bei nur 24.900 Euro und damit deutlich unter dem der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe mit 37.600 Euro.

Die meisten Betriebe sind sehr klein. Die Zahl der Berufsschäfer mit maximal 50 Hektar Fläche und mehr als 300 Mutterschafen einschließlich gedeckter Jungschafe wird im Jahr 1999 mit 303 Betrieben angegeben. 2016 sind nur noch 97 übrig geblieben.

Trotz gestiegener Eigenproduktion an Schaf- und Lammfleisch bleibt Deutschland ein Importland.  Mehr als die Hälfte des verzehrten Schaffleisches wird importiert. In der EU sind das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Irland die größten Anbieter. Zwei Drittel stammen allerdings aus Neuseeland, das sich auf eine stete Lieferung gleichbleibender Qualität für Convenience-Produkte für den Lebensmitteleinzelhandel spezialisiert hat. Bei der Preisgestaltung orientieren sich die Neuseeländer an vergleichbaren Marktpreisen in der EU.

Flächenproblem

Schäfer mit eigener Fläche erhalten aus der GAP entkoppelte Direktzahlungen, die sich im Antragsjahr 2018 auf durchschnittlich 286 Euro je Hektar belief. Schäfer ohne eigene Fläche, und vor allem Wanderschäfer, kommen nicht in diesen Genuss. Sie können in den Bundesländern Ausgleichszulagen für benachteiligte Gebiete über das Agrarinvestitionsprogramm und über die Agrar- und Umweltprogramme beantragen. Zum Teil werden sie über die Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) vom Bunde kofinanziert.

Schafe sind wichtig

Grünland bleibt ohne Maßnahmen kein Grünland. Meist wird das Grünland mit Mahd offen gehalten. Alternativ halten Schafe Flächen Deiche, Almen und Steilhänge, wo kaum gemäht werden kann, das Grünland offen. Geschieht das nicht, wandern neue Pflanzen, Büsche und schließlich Bäume ein und es entsteht über einen längeren Zeitraum hinweg Wald. Dieser Prozess wird als Sukzession bezeichnet.

Der Verbiß durch Weidetiere fördert Kräuter, die auf Rinderweiden oft als Weideunkräuter gelten. Dornige Arten, wie die Silber- und Golddistel, aromatische Arten wie Thymian und besondere Arten wie Orchideen, Enziane finden auf solchen Flächen ihr Refugium. Das gilt auch für die Fauna. Das Große Heupferd, Warzenbeißer und Tagfalter sowie bodenbrütende Vogelarten profitieren von dieser speziellen Flächenpflege.

Bei den Deichen sorgen die Schafe noch für einen speziellen Effekt. Der intensive Verbiss fördert die Bestockung der Gräser und sorgt für eine dichte Grasnarbe. Der „goldene Tritt“ oder die „Trippelwalze“ der Schafhufe sind technisch nicht imitierbar. Daher sorgt das Schaf für sichere Deiche.

Weidetierprämie

Deutschland ist das einzige EU-Land, das alle Zahlungen von der Produktionshöhe entkoppelt hat. Thüringen hat jüngst mit „SchaZi“ eine eigene „Weideprämie“ eingeführt [2]. Bei Berufsschäfern mit beihilfefähiger Fläche entsprechen der Ansicht des BMEL die GAP-Zahlungen dem alten System mit gekoppelten Prämien.

Dennoch ist für die neue GAP ab 2020 etwas im Busch. Flächen mit Landschaftselementen wie Büsche, Baumreihen und Hecken, Flächen die besonders trocken oder feucht sind sollten nach Ansicht des BMEL künftig ebenfalls förderfähig sein. Das hat die Bundesregierung auf der Sitzung der EU-Agrarminister im Juni dieses Jahres erneut gefordert. Außerdem sieht das BMEL Chancen durch die Umsetzung der nationalen Strategie, wie sie derzeit für die neue GAP im Gespräch ist.

Der Wolf

Das Weidetier wird heute immer gleich mit dem Wolf in Verbindung gebracht. Immerhin haben die Wolfsexperten aus der Lausitz dort schon einen ausreichenden Erhaltungszustand notifiziert. Diesen Monat veröffentlicht das BMEL einen aktuellen Bericht über den Wolfszustand in FFH-Gebieten. Dort wo Schafe frei weiden, können Schäfer auf verschiedene Schutzmaßnahmen zurückgreifen. Am wirkungsvollsten sind Herdenschutzhunde, die nach Berechnung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) mit jährlichen Kosten von 1.042 Euro anzusetzen sind. Hinzu kommen Kosten für Hundefutter (402 Euro), Tierarzt (390 Euro), Versicherung (100 Euro) und Zubehör (150 Euro) [3]. Meist müssen zwei Herdenschutzhunde für eine Schafherde angeschafft werden.

Die Vorschriften für Herdenschutzhunde werden gerade reformiert, damit die strenge Tierschutz-Hundeverordnung für die Zwingerhaltung nicht angewandt werden muss. Ein Kontaktverbot zu stromführenden Einrichtungen, wie Weidezäune ist auch nicht mehr gegeben. Es reicht aus, wenn sie ausreichend Abstand einhalten. Das kommt der Praxis entgegen.

Viele Erkenntnisse für die Politik hat der „Betrieb der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) geliefert. Ende August ist die Förderung zwar ausgelaufen, aber eine Neuausschreibung und Neuvergabe ist bereits veröffentlicht.

Europäische Lösungen

Wolf und Schaf sind nicht nur in Deutschland ein Thema. Das BMEL plant einen internationalen Kongress für die Schaf- und Ziegenhaltung in Bonn im Oktober 2020.

Lesestoff:

[1] VDL und WDL finden Sie unter https://www.schafe-sind-toll.com , die Berufsschäfer unter https://www.berufsschaefer.de

[2] SchaZi hilft. Gekoppelte Prämien sind marktbezogen nicht unproblematisch: https://herd-und-hof.de/landwirtschaft-/mit-schazi-hilft-thueringen-den-schaefern.html

[3] www.ktbl.de

Roland Krieg

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