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Schafft Indien die grüne Revolution?

Landwirtschaft

Hat Indien ausreichend Fläche für Biomasse?

Auch Indien hat seinen nationalen Biomasseplan. Bis 2017 will die größte Demokratie der Welt 20 Prozent seines Erdölverbrauchs durch ungenutzte Ölfrüchte ersetzt haben. Vergleichbar mit Europa setzt das Land auf Biokraftstoffe der ersten Generation, wie Zuckerrohr und Getreide, aber auch auf die der zweiten Generation, wie biogene Reststoffe und Energiepflanzen.

Bald drittgrößter Erdölimporteur
Wie groß die Anstrengungen wirklich sind zeigen einmal die Zahlen der Internationalen Energieagentur. Danach hat Indien im Jahr 2007 rund 56 Millionen Tonnen Erdöl importiert. Mit etwa 153.000 Tonnen am Tag entspricht das drei Viertel seines Bedarfs. Bis 2030 soll der Bedarf auf sechs Millionen Barrel am Tag ansteigen. Dann ist Indien mit täglich 822.000 Tonnen der drittgrößte Erdölimporteur.
Professor Ravindranath vom Indian Institute of Science sieht für die Substitution des fossilen Energieträgers durch Biomasse noch viel Forschungsbedarf. Der limitierendste Faktor auf dem Subkontinent ist bei einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 350 Menschen je Quadratkilometer die Landverfügbarkeit. Und gerade die ländliche Bevölkerung ist auf die Nahrungsmittelproduktion angewiesen, schreibt Marianne de Nazareth auf SciDev.net.
Um die Ziele des indischen Energieplanes aus dem Jahr 2007 zu erreichen sind, je nach wirklichem Erdölverbrauch, zwischen 3,82 und 93,26 Millionen Hektar Land für die Biomasseproduktion einzuplanen. Im Vergleich: Deutschland rechnet mit maximal vier Millionen Hektar möglicher Biomassefläche.

Welche Biomasse?
Ravindranath empfiehlt hochwachsendes Gras und Holz, um den Ansprüchen der erneuerbaren Energieversorgung gerecht zu werden. Derzeit wird die Jatropha-Pflanze, die auch auf degradiertem Land wächst, noch als Lösung favorisiert und auf mehr als 150.000 Hektar angebaut. Die FAO hat in diesem Jahr das Wolfsmilchgewächs in ihrer Ausgabe 8/2010 von „Integrated Crop Management“ als Bioenergiepflanze für Kleinbauern vorgestellt. Aber, so kritisiert die FAO, die Ausdehnung des Anbaus erfolgt derzeit noch auf einem schmalen Wissensgrat. Mehr Forschung sei nötig, die Begeisterung über Jatropha zu unterstützen. Praktiker aus Mozambique haben bereits einige Mythen der Jatropha-Pflanze entzaubert.

Lesestoff:
Ravindranath N. H. et al.: Biofuel production and implications for land use, food production and environment in India; Energy Policy (in Press) doi:10.1016/j.enpol.2010.07.044
FAO (Hrsg.): Jatropha – A Smallholder Bioenergy Crop, Integrated Crop Management, 8-2010; www.fao.org/docrep/012/i1219e/i1219e.pdf
Bauern aus Mozambique haben Ihre Erfahrungen in einem Bericht zusammengestellt.

VLE

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