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Schlitzpass für Wanderfische

Landwirtschaft

Hochschule Darmstadt mit neuem Fischaufstieg

Es gibt drei Gründe, warum Fische stromaufwärts schwimmen: Einmal können sie durch Hochwasser abgetrieben werden und müssen die verlorene Wegstrecke wieder kompensieren oder Raubfische, wie die Forelle, gehen dort auf Jagd, wo die meisten Fliegenlarven und Kleinkrebse zu finden sind. Auch: Der Oberlauf gehört zum Lebensabschnitt der Fische. So kehrt der Lachs zum Laichen wieder in seinen Fluss zurück und der Nachwuchs des Aals erobert seinen Flussoberlauf von der Saragossesee des westlichen Atlantik aus.

Mühlen und Wasserkraftwerke
Ursprünglich konnten die Wanderfische die Quellwässer ungehindert erreichen. Im frühen Mittelalter allerdings begann der Mensch an kleineren Flüssen Stauwehre zu bauen, um Mahl- und Sägemühlen zu betreiben. Südlich von Darmstadt an dem Flüsschen Modau beispielsweise zeugen die Namen Schloß- oder Waldmühle noch heute davon. Zwischen Neunkirchen und Pfungstadt gab es bis in das 20. Jhd. 64 Wehre für Mühlgräben. Damit war das Wandern für die meisten Fische nur noch mit Schwierigkeiten möglich. Nur der Aal, der sich schlangengleich über nasse Wiesen um ein Wehr windet sowie Forelle und Lachs, die bei genügend Wasser kleinere Wehre überspringen, konnten noch wandern. Die Wehre aber führten im Zeitablauf in einigen Bächen zu einem Rückgang der Artenvielfalt.
Im 20. Jhd. wurden die größeren Mühlen in Wasserkraftwerke umgebaut und stellen bis heute die wichtigste regenerative Energiequelle dar. Es wurden auch Fischaufstiege gebaut, aber um die komplette „Durchgängigkeit“ der Flüsse zu gewährleisten, wären diese an allen Wehren notwendig gewesen.
Die Forderung nach Durchgängigkeit wurde seit 1990 in die Gesetze aller Bundesländer aufgenommen und ist seit kurzem auch wichtiger Bestandteil der europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Schlitzpass
Bei besonders beengten Verhältnissen wird zwischen Gebäuden und Ufermauern der so genannte „Schlitzpass“ vorgeschlagen. Er besteht aus länglichen Kammern, die treppenartig die Verbindung zwischen dem Unter- und Oberwasser eines Wehres herstellen. Durch schmale Schlitze zwischen den Kammern schwimmen die Fische bergauf. Ist das Wehr sehr hoch, können die Schlitzpässe 30 Meter lang sein.
An einem neuen Wasserkraftwerk es Flusses Elsenz im nördlichen Kraichgau, Nähe Heidelberg, soll nun ein aufwändiger Schlitzpass gebaut werden. Der Betreiber des Kraftwerks hat der Genehmigungsbehörde vorgeschlagen, die Kammern des Schlitzpasses querzustellen. Damit wäre das Bauwerk nur halb so lang und entsprechend preiswerter geworden. Zwar stimmten die Behörden grundsätzlich zu, aber die Funktionstüchtigkeit musste vor dem Bau noch nachgewiesen werden.

Modellversuch der h_da
Daraufhin hat Evelyn Bauer, Studentin des Wasserbaus, unter der Leitung von Prof. Dr. Döring des Wasserlabors der Hochschule Darmstadt (h_da) den quergestellten Schlitzpass getestet. Weil das Original zu groß geworden wäre, wurde er im Maßstab 1:2 nachgebaut. Auch die Fische, die in den Genuss kamen, das Modell zu testen wurden entsprechend kleiner ausgewählt: Schneider, Bachschmerle und Gründlinge.
Wichtig war, dass die Strömung zwischen den Kammern des Schlitzpasses nicht zu groß wird, damit auch kleine Fische den Aufstieg schaffen. Die Tiere wurden mit Videokameras beobachtet, um sie durch Bewegungen im Versuchstand nicht zu irritieren.
Es wurde eine Bauform gefunden, bei der kräftige Fische den Höhenunterschied in wenigen Minuten überwinden und schwächere Fische in ruhigeren Bereichen vor der nächsten Kammer ausruhen können. Die Durchgängigkeit ist gewährleistet und der neu konzipierte Aufstieg soll nun generell genehmigungsfähig gemacht werden. Damit stünden den rund 15.000 kleineren Wehren in Deutschland funktionsfähige, aber platzsparende und preiswertere Lösungen zur Verfügung.

h_da; roRo

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