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Schmidt laufen die Tierschützer davon

Landwirtschaft

Staatliches Tierwohllabel wird immer mehr zu einem Desaster

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Kriterien für sein neues Tierwohllabel am Dienstag weder verkündet, noch zu einer Pressekonferenz eingeladen. „Plötzlich“ waren sie auf der Seite des Ministeriums vorhanden. Im Stile Trumps waren nur handverlesene Personen eingeladen.

Wohl aus gutem Grund. Denn am Mittwoch haben die Tierschützer die Beine in die Hand genommen und die Zusammenarbeit mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt aufgekündigt.

Das Ministerium hat ausschließlich für Schweine Kriterien in einer Eingangs- und einer Premiumstufe festgelegt. Immerhin ambitioniert über den aktuellen Kriterien der Brancheninitiative, die aber für 2018 bereits Verschärfungen angekündigt hatte. Das Ministerium selbst spricht von Mehrkosten in Höhe von 20 Prozent und rückt das Schweinefleisch in die Kostennähe von Biofleisch.

Viele Fragen sind offen: Wer führt die Kontrollen durch? Müssen die Landwirte in Vorleistung gehen und bekommen die Investition erst ersetzt, wenn das Schnitzel tatsächlich gekauft wurde? Von einem Fonds des Handels ist nicht die Rede.

Dennoch sollen 2018 die ersten Betriebe zertifiziert werden.

Der Deutsche Tierschutzbund hat daraufhin seine Zusammenarbeit aufgekündigt. Schmidts Vorpreschen sei übereilt, die Vorgaben mit den Stakeholdern, die bislang wohlwollend den Prozess begleitet haben, nicht besprochen. Präsident Thomas Schröder bezeichnete das Label am Mittwoch als „unfertig“. Schröder bemängelt auf der Basis seiner Erfahrungen mit dem zweistufigen Tierwohllabel, dass Kriterien alleine noch kein Siegel ausmachen. Es fehlen die Antworten zur Kontrolldichte, zur Zertifizierung, Beratung und der Fördergelder, wie auch die Trägerschaft des Labels.

Aus diesem Grund hat sich der Tierschutzbund aus dem Prozess zurückgezogen. Und ist damit nicht alleine. Denn auch die Albert-Schweitzer-Stiftung, der Bundesverband Tierschutz, Provieh und Vier Pfoten habenihre Zusammenarbeit aufgekündigt.

Damit hat Schmidt vor der Bundestagswahl wichtige Partner für die Öffentlichkeit für die weitere Arbeit an dem staatlichen Tierwohllabel verloren. Die Hoffnung, sich auf die mittlerweile gut situierte Brancheninitiative stützen zu können, wird fehlschlagen, denn die wird sich nicht eine Stufe zurück setzen lassen.

Lesestoff:

Die Kriterien finden Sie unter http://www.bmel.de/DE/Tier/Tierwohl/_texte/Einfuehrung-Tierwohllabel.html

Roland Krieg

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