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Sind Ökobetriebe bei der Pacht benachteiligt?

Landwirtschaft

Ökoanbau bei der Pachtvergabe nicht benachteiligt

Flächenknappheit betrifft Öko- und konventionelle Betriebe gleichermaßen. Die Universität Hohenheim hat sich die Bestimmungsgründe für Pachtpreise in Deutschland angeschaut, um Unterschiede zwischen Pachtpreisen für Ökobetriebe und für konventionelle Betriebe herauszufinden. Abseits persönlicher Präferenzen der Verpächter reiht sich der Ökoanbau als normaler Marktteilnehmer in den Wettbewerb der Pachtflächen ein.

Je höher der Ökoanteil in einer Region ist, desto größer wird die Pachtdifferenz zwischen Öko- und konventioneller Fläche. Bereits umgestellte Flächen haben für Ökolandwirte einen hohen Wert, der sich im Pachtpreis niederschlägt. Die relative Vorzüglichkeit des Ökolandbaus geht in den Regionen verloren, wo Wasser- und Naturschutzgebiete einen hohen Anteil an der Gesamtfläche haben. Dort müssen auch die konventionellen Landwirte ähnlich wirtschaften. Die Differenz zwischen Ökofläche und konventioneller Pacht verringert sich. Umgekehrt ist es in viehdichten Regionen. Dort haben Flächen für konventionelle Landwirte wegen der benötigen Gülleausbringfläche einen hohen Wert. Daher liegen die Pachtpreise über denen der Ökobetriebe. Das Angebot folgt konservativ der regionalen Nachfrage.

In einem Interview mit dem Portal Oekolandbau.de weist Leitautorin Eva Schmidtner auf Parallelen und Unterschiede hin. So liegt der Pachtanteil bei Ökobetrieben mit 55 Prozent lediglich zwei Prozentpunkte über dem Durchschnittswert der konventionellen Betriebe. Letztere pachten zu 60 Prozent allerdings mehr Ackerland, während die Ökobetriebe mit 46 Prozent relativ viel Grünlandflächen suchen. Das jedoch folgt der Ansiedlung von Ökobetrieben. Sie haben ihren Schwerpunkt in vieharmen und extensiven Grünlandregionen.

Ökobetriebe unterliegen im Wettbewerb um Flächen den gleichen Konkurrenzfaktoren wie konventionelle Betriebe: Flächenknappheit, hohes Pachtpreisniveau und Mit-Bewerber. Regional treffen Öko- und konventionelle Bauern auf verschiedene persönliche Interessen der Verpächter. Verpächter fürchten beispielsweise eine „Verunkrautung“ nach jahrelanger Bewirtschaftung nach Ökokriterien. Andere legen spezielle sozio-ökonomische Kriterien bei der Landvergabe fest.

Kein genereller Trend: In Oberbayern liegen die Pachtpreise für Ökobetriebe beispielsweise generell über dem Niveau der konventionellen Pachtpreise. In Niedersachsen ist es umgekehrt.

Lesestoff:

Schmidtner, Eva et al.: Öko-Pacht – Die Bestimmungsgründe der Landpachtpreise in Deutschland – eine Analyse zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ökologischer und anderer besonders nachhaltiger Landwirtschaft: http://orgprints.org/27810/

Interview: Oekolandbau: www.oekolandbau.de/erzeuger/oekonomie/betriebswirtschaft/wirtschaftlichkeit/landpacht/wettbewerbsfaehigkeit-von-oekobetrieben/

Roland Krieg

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