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Situationsbericht 2007

Landwirtschaft

Zuversicht in der Landwirtschaft

Mittlerweile korrigieren die Wirtschaftsinstitute die Konjunkturzahlen für 2007 weiter nach oben, die Zahl der Arbeitslosen hat die vier Millionen-Marke unterschritten und die Mehrwertsteuererhöhung auf 19 Prozent wird nur in der Werbung thematisiert. „Zuversicht hat viele Väter“, sagte gestern der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, bei der Vorstellung des Situationsbericht 2007. Die Zuversicht ist in der Landwirtschaft angekommen und wird gemäß der bäuerlichen Weisheit „Hat der Bauer Geld, hat’s die ganze Welt“ diese Perspektive auf der kommenden Grünen Woche auch zur Schau stellen.

Erfolg, aber...
Ein Träger landwirtschaftlicher Einkommen ist auch Ende des Jahres 2006 der Außenhandel. Nach Angaben der WTO wächst der internationale Agrarhandel seit 2000 jährlich um neun Prozent und hat aktuell eine Größenordnung von 660 Milliarden Euro erreicht. Diese Nachfrage wirkt auf die Preise. So lagen die Weltmarktpreise bei Getreide und Fleisch um 10 bis 40 Prozent höher als noch im Jahr 2000 und Deutschland gehört zu den weltgrößten Exporteuren. 2006 erwartet Sonnleitner eine weitere Steigerung um 10 Prozent auf insgesamt 40 Milliarden Euro.
Nachwachsende Rohstoffe sind „in“. Der meiste Biodiesel wird in Deutschland produziert, Biogas könnte schon bald direkt in das Versorgungsnetz eingespeist werden und Biomasse gilt als nächster Wachstumsmarkt. Es wird wieder mit Holz geheizt, was sich auf die Erzeugerpreise positiv auswirkt.
So zeigt das Konjunkturbarometer Agrar im dritten Quartal 2006 die beste Stimmung seit Beginn der vierteljährlichen Erhebung 2000.
Aber: Die Einkommenssituation entwickelt sich unterschiedlich. Wiederholt kann der Jahresbericht ausweisen, dass die ökologischen Betriebe einen höheren Gewinn plus Personalaufwand je Arbeitskraft (23.836 zu 21.458 Euro) und höheren Gewinn je Betrieb (40.602 zu 33.520 Euro) gegenüber den konventionellen Betrieben aufweisen.
Insgesamt setzte sich jedoch die bereits 2005/2006 begonnene freundliche Entwicklung allgemein nicht durch, denn Kostensteigerungen für Treibstoff und Energie sowie rückläufige Erlöse für Getreide und Milch minimieren die Unternehmensergebnisse. Der Durchschnittsverdienst eines selbständigen Landwirts liegt bei 1.900 Euro Brutto. Davon muss er noch seine Sozialabgaben abführen und Investitionen für den Betrieb tätigen.

Russland und Ukraine
Der DBV hat sich in diesem Jahr Russland und die Ukraine für ausführliche Länderberichte ausgesucht. Vor allem die Ukraine rückt in der jüngeren Vergangenheit immer wieder in den Fokus der EU. Das Land war vor dem Zweiten Weltkrieg der „Brotkorb Europas“ und hat ein riesiges Potential an fruchtbaren Schwarzerdeböden, jedoch eine fast daniederliegende Infrastruktur. So brach nach Angaben des DBV das zweistellige Wachstum der ukrainischen Wirtschaft in den Vorjahren in 2005 „regelrecht ein“. Politische Unsicherheiten und die Streitigkeiten mit den russischen Gaslieferungen werden als Hauptursache angeführt, weil das die wirtschaftliche Reform ins Stocken gebracht hat. Auf dem Agrarsektor werden hauptsächlich Getreide, Milch und Rindfleisch exportiert und führten zu Beginn des neuen Jahrtausend zu einem regelrechten Boom, der manchem europäischen Marktexperten Sorgenfalten in die Stirn grub. Zwischen 2000 und 2004 hatte sich der Agrarhandel verdoppelt und macht rund 12 Prozent der gesamten Außenhandelseinnahmen aus. Das aber hängt vor allem damit zusammen, dass Indien und China mit dem Aufbau einer eigenen Stahlindustrie den ukrainischen Stahl nicht mehr wie gewohnt nachgefragt haben. Der Non-Food-Bereich brach ein.
2005 konnte das Land am Schwarzen Meer mit 38 Millionen Tonnen Getreide wieder eine gute Ernte einfahren. Den ausgesprochen guten Schwarzerdeböden steht jedoch auch das ausgeprägte Kontinentalklima entgegen. So fiel 2002/2003 fast das gesamte Wintergetreide dem strengen Frost zum Opfer.

Erwartungen an die deutsche Ratspräsidentschaft
Im ersten Halbjahr 2007 übernimmt Deutschland die Ratspräsidentschaft der EU. Der DBV hat konkrete Erwartungen an diese Zeit. Gerd Sonnleitner möchte den Bürokratieabbau vorangetrieben wissen, die Bioenergie ausgebaut sehen, die Flut von neuen EU-Regeln eindämmen und fordert einen klareren Umgang bei Tierseuchen. Es mache keinen Sinn eine große Anzahl an gesunden Tieren zu töten, wenn eine Seuche ausbricht. „Impfen statt Keulen“ heißt die Devise des DBV. Verstärkt werden soll dabei die Forschung, dass gesunde Tiere auch ohne Handelsbeschränkungen geschlachtet werden können. Dazu braucht es neue Diagnoseverfahren, die den Tieren eine Virusfreiheit bescheinigen.
Ein Wort hatte Sonnleitner auch noch angesichts der aktuellen Gammelfleischfunde in Berlin. Die Bauern erfahren keine nachlassende Nachfrage nach ihren Fleischprodukten. Es ärgere ihn aber, dass die Funde beim Fleisch insgesamt einen schlechten Ruf hinterlassen, so Sonnleitner. Zufrieden zeigte er sich, dass die Medien mittlerweile den Fokus auf die Kontrollen und Koordination der Kontrollen legen und nicht auf die Produktion. Die Politik habe jedoch kein Rezept zur Kontrolle internationaler Warenströme. „Teilehändler sind überhaupt nicht im System erfasst“, beklagte der Präsident. Dazu müsse es neue Strukturen geben, die allerdings am Föderalismus zu scheitern drohen.

Der Situationsbericht 2007 kann beim Deutschen Bauernverband bestellt werden. Online unter www.bauernverband.de

Roland Krieg

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