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Sommerzwischenfrüchte für die Grobfutterlücke?

Landwirtschaft

Auch die aktuelle Aussaat braucht Wasser

Die Trockenheit hat vor allem die Nutztierbetriebe im Würgegriff. Nicht alle Betriebe haben noch aus dem letzten Jahr einen Vorrat im Silo, der sechs bis acht Monate reicht. Vielfach musste der Vorrat früher angebrochen werden, weil die Trockenheit auf dem Grünland nur einen, maximal zwei Schnitte zuließ. Betriebe, die mit Vorräten noch über den Winter kommen, stehen möglicherweise erst im nächsten Frühjahr vor einer Futterknappheit. Landwirte helfen sich mit Futterbörsen aus und Bundesländer formulieren Hilfspakete für Futtertransporte, die jetzt über weite Strecken notwendig werden. Ökobetriebe bekommen Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von konventionellem Futter, so dass sie für einen längeren Zeitraum ihren Ökostatus nicht verlieren.

Jetzt noch Futter anbauen?

Jetzt drängt sich eine Frage in den Vordergrund, die immer wieder einmal auftritt. Können Sommerzwischenfrüchte noch als Lückenfüller für die Grobfutterknappheit im nächsten Winter gedrillt werden? Ja, klar – aber Keimung und Wachstum sind ebenfalls an Wasser gebunden. Wo ausreichend Bodenfeuchte vorhanden ist, die Wetterprognose auf Regen steht oder gar eine Beregnungsmöglichkeit besteht, können Sommerzwischenfrüchte ausgebracht werden. Generell nutzen diese Pflanzen die Vegetationszeit nach der Ernte der Hauptfrüchte, die in den Trockneregionen bereits beendet ist und sich in anderen Regionen dem Ende nähert. Mit Kruziferen, Kohlarten und Leguminosen  steht eine ganze Palette an Sommerzwischenfrüchten zur Verfügung, die zwischen Ende Juli bis zum 20. August, Zottelwicke, Sommerrübsen, Buchweizen oder nicht nematodenresistenter Senf noch bis in den September hinein, ausgesät werden können. Sie bekommen zwischen 50 und 80 Tage Zeit, sich vor der Erne zu enwickeln. Saatzeitpunkt und Witterungsverlauf bestimmen die Trockenmasseerträge. Einjähriges Weidelgras, Sommerrübsen erzielen unter normalen Bedingungen zwischen 30 und 45 dt/ha, die Sonnenblume bis 70 dt/ha, der allerdings schon im Juli gedrillte Futterkohl kommt auf bis zu 80 dt Trockenmasse pro Hektar.

Viele Vorteile

Sommerzwischenfrüchte werden entweder für die Futtergewinnung oder für die Biogasanlage angebaut. Für die Auswahl als Futter ist deren Silierfähigkeit entscheidend und dass sie ohne Mengenbegrenzung verfüttert werden können. „Nebenbei“ verbessern Sommerzwischenfrüchte im Normaljahr die Bodenfruchtbarkeit durch den Aufbau von Humus und Reduzierung von Strukturschäden des Bodens, was zu einer besseren Wasserinfiltration führt. Ihr Wachstum unterdrückt zudem den Auflauf von Unkräutern. Die Bedeckung des Bodens verhindert Wind- und Wassererosion und verringert die Verlagerung von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor. Vor dem Hintergrund der neuen Düngeverordnung könnte die Sommerzwischenfrucht generell an Bedeutung gewinnen, weil die Pflanzen im Herbst viel Stickstoff aus dem Boden aufnehmen.

Rohfaserarm

Futterwert und Siliereigenschaften unterscheiden sich bei den einzelnen Pflanzen jedoch erheblich, weiß Prof. Dr. Olaf Steinhöfel vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Sachsen. Kruziferen, Grünraps oder Senf sind in der Jugendentwicklung rohfaser- und daher strukturarm. Dafür sind sie reich an Wasser, Protein und Energie. In Abhängigkeit der verfügbaren Wasserreserven werden die Pflanzen schnell faserig und für Nutztiere schwer verdaulich. Die Nutzungszeitspanne ist also insgesamt recht kurz, führt Prof. Steinhöfel in der aktuellen Ausgabe der Bauernzeitung aus. Eine frühe Nutzung ist vorrangig, was aber die Bergung erschwert. Nach dem Anwelken brökeln vor allem Kruziferen sehr schnell. Bei ihnen darf kein Aufbereiter eingesetzt werden. Er empfiehlt die Einplanung eines chemsichen Siliermittels.

Kleinkörnige Leguminosen

Der Anbau kleinkörniger Leguminosen aber hat seit 2012 durch die Bundesregierung eine hohe Aufmerksamkeit erhalten. Darunter zählen alle Klee- und Luzernearten. Leguminosen binden Stickstoff aus der Atmosphäe und entlasten den Düngebedarf eines Feldes. Weil der Anbau von Klee und Luzerne zurückging hatte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit seiner Eiweißstrategie diese Pflanzen wieder zurück auf die Felder holen wollen. Ihr Bestand ist zudem ein Dorado für Kleinsäuger und deren Beutegreifer wie Greifvögel und Eulen. Der Anbau trägt daher zur Erhöhung der Biodiversität bei. Im ökologischen Landbau spielen Klee und Luzerne als Futterpflanzen eine tragende Rolle.

Der Anbau kleinkörniger Leguminosen hat in den letzten sieben Jahren aber keinen großen Durchbruch erzielen können und sind selbst nach Auflage der Eiweißstrategie konstant geblieben, wie das BMEL auf eine Anfrage der Linksfraktion ausweist. Die Landwirte haben sich vielmehr auf die großkörnigen Leguminosen wie Ackerbohnen, Futtererbsen, Süßlupinen und sogar auf das neue Soja kapriziert. Die haben im Rahmen des Greenings das Rennen auf dem Feld gemacht.

Von den 261.000 Hektar kleinkörnige Leguminosen im Jahr 2016 wurde nahezu ein Drittel von Betrieben zwischen 20 und 50 Hektar bestellt. Noch einmal ein Viertel der Fläche liegt in der Bewirtschaftung von Betrieben zwischen 50 und 100 Hektar. Auf Betrieben ab 200 Hektar nimmt das Interesse an Klee und Luzerne drastisch ab.

Hemmnisse abbauen

Das mag an der Verbindung der kleinkörnigen Leguminosen mit der ökologischen Landwirtschaft liegen. Schnittgut von Rot- und Weißklee werden in Gartenbaubetrieben als Düngemittel verwendet, bei dem es mittlerweile sogar einen marktfähigen Dünger (Kleepura) gibt. Forschungen haben Grünleguminosen als Eiweiß- und Rauhfuttermittel in der ökologischen Geflügel- und Schweinefütterung untersucht. Dabei müssen Blatt und Stengel getrennt werden, was technisch nur in Ansätzen gelingt.

Bei Biomasseertrag und monetärer Betrachtung fallen die kleinkörnigen Leguminosen hinter den Konkurrenzfrüchten Getreide, Mais, Zuckerrüben und Raps deutlich zurück. Schwankende Erträge und mangelnde überbetriebliche Absatzwege erschweren den Anbau zusätzlich. Zur Überwindung dieser Hemmnisse hat die Bundesregierung im letzten Jahr das Demonstrationsnetzwerk „Ausweitung und Verbesserung des Anbaus und der Verwertung von feinsamigen Leguminosen in Deutschland“ aufgelegt.

Wieder da: Strohaufschluss

Nach Prof. Steinhöfel gewinnen alte Techniken an Bedeutung. Das Stroh ist zwar knapp, aber in ausgesprochen guter Qualität. Durch eine alkalische Behandlung mit Ammoniakgas oder Natronlauge steigt der energetische Futterwert von Stroh nochmal um 0,7 bis 1,0 MJ NEL je kg Trockenmasse. Wiederkäuer nehmen bis zu zehn Prozent mehr Stroh auf. Das Ammoniakgas (2 – 5 kg je 100 kg Stroh) wird unter die Folie in das Stroh injiziert. Nach sechs bis acht Wochen kann es gelüftet und verfüttert werden. Die Behandlung erhöht auch den Rohproteingehalt um drei auf acht bis zehn Prozent in der TM. Ammoniak und Natronlauge brechen den Lignin-Mantel um die Rohfaser auf, so dass die Pansenbakterien besseren Zugang zur Zellulose bekommen. Ende der 1970er Jahre wurden Strohballen auf einer Plastikfolie aufgeschichtet und anschließend mit einer zweiten Folie abgedeckt. Vier bis fünf Tonnen Stroh lagerte wie ein Geschenk verpackt im Freien. Danach wurde mit einer Lanze in den Strohstock gestoßen und das Ammoniakgas injiziert.   

Vielleicht bekommt der Anbau von Sommerzwischenfrüchten durch das Extremjahr 2018 einen neuen Stellenwert in der betrieblichen Anbaustrategie.

Lesestoff:

Der Verband der Landwirtschaftskammern hat die kleine Broschüre „Zwischenfrüchte für Futternutzung und Gründüngung herausgebracht. U.a. unter  http://www.landwirtschaftskammer.de/riswick/ Mit Kurzproträts einzelner Sommer- und Winterzwischenfrüchte

Roland Krieg

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