Speiseöl Calyno ist erst der Anfang

Landwirtschaft

USA deregulieren GVO-Produkte

Calyno ist erst der Anfang. In den USA ist ein neues Sojaöl auf dem Markt. Es hat ein verändertes Fettsäureprofil, das gesünder sein soll. Das Premiumöl basiert auf Pflanzen, die von der Biotech-Firma Calyxt aus Minnesota mit Hilfe eines neuen Genomverfahrens (CRISPR/Cas) verändert wurden. Es wurden zwei Stellen im Genom blockiert, so dass die neuen Sojabohnen ein verändertes Fettsäureprofil erzeugen. Der Gehalt an gesättigten Fettsäuren ist jetzt niedriger. Der Gehalt an gesünderen ungesättigten Fettsäuren liegt jetzt bei 80 statt bei 22 Prozent. In der Verarbeitung entstehen dadurch weniger Trans-Fette. Die genaue Methode des Genom Editing wird als TALEN bezeichnet.

Lange Antragsschlange

Das besondere: Das Sojaspeiseöl Calyno der Premiumklasse wird aufwendig als GVO-frei beworben. Das entspricht der US-amerikanischen Sichtweise des Gentechnikgesetzes.

Ende Mai haben darüber auch vereinzelt deutsche Tageszeitungen berichtet. Was ihnen entgangen ist: Calyno ist erst der Anfang. Schon seit einigen Jahren hat das US-Landwirtschaftsministerium auf Anfrage von Herstellern entschieden, das die neuen Züchtungsmethoden nicht unter das alte Gentechnikgesetz fallen und unbeschränkt angebaut und verarbeitet werden dürfen. Vor zwei Jahren hat US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue den Ansatz dergestalt präzisiert, dass es keine Regelung gibt, sofern die Mutation nicht auch herkömmlich entstehen kann.

Das hat einen Innovationsschub amerikanischer Start-ups ausgelöst, die verstärkt Nutzpflanzen bearbeiten. Calyxt selbst hat fünf weitere Pflanzen in der Pipeline. Unter anderem die Futterpflanze Alfalfa (Luzerne)  mit einem geringeren Ligningehalt. An Lignin haben selbst Wiederkäuer wie Rinder hart zu arbeiten. Ein Brotweizen mit höherem Anteil an Ballaststoffen steht als nächstes an. Von Kartoffeln über Erbsen, Erdnüssen bis zu Raps ist die Antragsliste Liste GVO-freier GE-Pflanzen lang.

Noch sind die Flächen klein und die Märkte werden erst erschlossen. Bleibt die EU künftig bei ihrem „Nein“ zu GE-Verfahren, entstehen künftig erhebliche Probleme im EU-US-Handel. GE-Pflanzen können nur über Hinterlegung der Veränderung in einer öffentlichen Datenbank identifiziert werde.

SECURE-Regeln in den US

Nicht nur die kleinen und großen Züchter stehen in den Startlöchern. Die US-Administration hat am 14. Mai die Rahmenbedingungen mit den SECURE-Regeln drastisch überarbeitet. Die Abkürzung steht für Sustainable, Ecological, Consistent, Uniform, Responsible, Efficient. Innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre werden Maßnahmen der Biotechnologie neu gefasst. Ab August 2020 gibt es Ausnahmen, für die es keine Bewilligungspflicht mehr gibt. Darunter zählen nach „Point Newsletter“ von Sciences Industries Switzerland Pflanzen, die eigene Reparaturprozesse nach einem Eingriff über CRISP/Cas9 mit dem Effekt einer genetischen Veränderung durchgeführt haben. Das wäre eine Deletion. Des Weiteren dürfen einzelne Basen ausgetauscht und Gene aus dem natürlichen Genpool der Pflanzen genutzt werden.

GE-Pflanzen ohne Fremd-DNS gelten mittlerweile in Argentinien, Chile, Brasilien und Kolumbien als GVO-frei.

Lesestoff:

USDA SECURE Rule Paves Way for Agricultural Innovation, United States Depart-ment of Agriculture - Animal and Plant Health Inspection Service (USDA-APHIS), 14.05.2020; Movement of Certain Genetically Engineered Organisms, SECURE Rule – Official Text, US Federal Register, 18.05.2020; About the SECURE Rule, USDA-APHIS Website; Sarah M. Schmidt et al. 2020, The evolving landscape around genome editing in agriculture, EMBO Reports e50680.

Roland Krieg, VLE

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