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Spreewald filtert Wasser für Berlin

Landwirtschaft

Wassermanagement in Feuchtgebieten

>Feuchtgebiete bedecken etwa 20 Prozent der Fläche Nordostdeutschlands - auch wenn sie kaum sichtbar sind. Bis zum 20. Jahrhundert wurden die Moore für die landwirtschaftliche Nutzung überwiegend durch Gräben entwässert, weswegen der ursprüngliche Charakter der Landschaft heute fast verschwunden ist. Sichtbar ist die Landschaft beispielsweise noch im Spreewald, südlich von Berlin. Der Nordosten Deutschlands befindet sich jedoch auch im Übergangsbereich zwischen maritimen und kontinentalen Klima. In den Sommermonaten gibt es ein Niederschlagsdefizit.

Spreewälder Feuchtgebiete
Mitte Mai tagten in Frankfurt/Oder und Slubice internationale Be- und Entwässerungsspezialisten. Zwei Forschungen des Leibniz-Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung (ZALF) aus Müncheberg beschäftigten sich mit dem Spreewald.
Dr. Ottfried Dietrich vom Hydrologischen Institut des ZALF referierte über das Wassermanagement. Niederschlag in Höhe von 530 mm steht ein Verlust von 610 mm Wasser pro Jahr entgegen. Der ergibt sich aus der Verdunstung über den Boden und der Transpiration der Pflanzen. Ausgeglichen werden kann die Bilanz nur über die Zuflüsse Spree und Malxe sowie aus den als Wasserspeicher angelegten Rückhaltebecken.
Diese Zuflüsse wurden noch bis 1990 durch den Ausbau des südlich des Spreewalds durchgeführten Braunkohletagebaus gut befüllt. Das Leerpumpen der Löcher führte dem Spreewald noch 1990 bis zu 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu. Jetzt werden die Löcher mit Wasser zu Seen aufgefüllt, was den Zufluss aus dem Tagebau auf nur noch 10 Kubikmeter Wasser je Sekunde reduziert, bis dieser "Strom" 2030 ganz und gar versiegt. Klimatische Veränderungen und steigende Temperaturen werden zusammen mit geringerem Niederschlag das "Sommerloch" der Spreewälder Wasserversorgung verschärfen. Mit einem Wasserbilanzmodell haben die Forscher um Dr. Dietrich verschiedene Szenarien für die zukünftige Wasserversorgung durchgespielt. Im Ergebnis finden sie den Schluss, dass Trockenverhältnisse, wie sie heute nur alle fünf Jahre vorkommen, zukünftig jedes zweite Jahr auftreten werden. Im Sommer wird das Grundwasser weiter absinken. Da keine technischen Möglichkeiten vorliegen, Wasser in die Feuchtgebiete außerhalb des Großen Fließes zu transportieren, werden diese zukünftig verloren gehen. Im von der Spree bewässerten Kerngebiet können sie erhalten bleiben. In Gebieten mit torfigen Böden können für den Sommer höhere Wasserstände einreguliert werden, was diese Areale ebenfalls erhält - allerdings auf Kosten der Nachbarregionen.
Insgesamt, so folgert Dr. Dietrich, sind diese Auswirkungen gravierender als die zukünftigen klimatischen Einwirkungen auf den Spreewald.

Filter für Berlin
FeS2: Schwefel- oder auch Eisenkies wird das Gestein genannt, das auch den griechischen Namen für "Feuer" (Pyrit) trägt. In den Tagebauminen des Braunkohlereviers oxidiert das Eisen und gibt seinen Schwefelanteil an das Wasser ab, dass ihn nordwärts Richtung Berlin trägt.
Dr. Dagmar Balla vom ZALF hat das Schwefelaufnahmevermögens des Spreewaldes untersucht. Fast ein Drittel des Spreewälder Bodens ist Torf und nimmt bei sinkendem Grundwasserspiegel im Sommer das Wasser aus Spree und Malxe auf. Und damit auch den als SO4 gelösten Schwefel. Die dort im nassen Milieu und damit unter Luftausschluss existierenden Mikroben nutzen Stickstoff und Sulfate als Energiequelle für ihren Stoffwechsel, bei dem sie organische Substanz kompostieren. Daher fällen sie den Schwefel wieder aus. In Gegenwart von Eisen bildet sich sogar wieder Pyrit im Boden. Auf 40 Kilometer Länge verringert sich der SO4-Anteil in der Spree von etwa 500 mg/l auf nur noch gut 300 mg/l nördlich des Spreewaldes. Die Torfböden tragen bei der Reduzierung am meisten bei. Die Verteilung über die Fließsysteme und der Verdünnungseffekt beim zurückströmen des Grundwassers in die Spree machen nur ein Drittel der Sulfatminderung aus. Dabei spielt die Landwirtschaft eine wesentliche Rolle, denn das Absenken des Grundwasserspiegels unter den Feuchtwiesen, um die Gräser und Kräuter zu mähen, führt das ?entschwefelte? Wasser wieder in die Gräben zurück.

roRo

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