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Stauden sind keine Konsumartikel

Landwirtschaft

Nachhaltige Produktion und langlebige Funktion von Stauden

Stauden

Den langfristigen Nutzen von Stauden hat der Vorsitzende des Bundes deutscher Staudengärtner (BdS) im Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG) bei der Journalistenreise zur Staudensichtung Ende Juli in Weihenstephan deutlich gemacht.

„Was wir Staudengärtnern unseren Kunden liefern, steigt mit der Zeit im Wert“, betonte der Vorsitzende Michael Moll.  Stauden würden nicht „verbraucht“, sondern schmücken und funktionieren als Bestandteil von geplanten Anlagen jahrzehntelang. Moll demonstrierte den Journalisten anhand der Topfgröße, wie sinnvoll und umweltfreundlich Stauden aus Staudengärtnereien kultiviert werden: Bei einem kleinen Staudentopf mit einem halben Liter Substrat wird wenig Material verbraucht sowie wenig Transportaufwand und Kultivierungsenergie benötigt. Herbizide und chemische Hemmstoffe werden so gut wie nicht eingesetzt. Zum einen wird unerwünschter Aufwuchs mit Mulchmaterialien verhindert oder mechanisch entfernt. Zum anderen ist der staudentypische, hohe Wuchs in Gärten ausdrücklich erwünscht.

Moll verwies außerdem auf eine interne Umfrage unter den Staudengärtnern, wonach im Freiland zu 45 Prozent organische Dünger bevorzugt werden. Meistens setzen Staudengärtner Depotdünger ein. Ab 2020 will über die Hälfte der Betriebe zudem den Torfeinsatz auf unter 50 Prozent senken.

„Wir haben in den letzten Jahren in Pflanzqualität und Kundenberatung bzw. Konzepte zur Begrünung investiert und nicht in Massenproduktion und übermäßig hohen Technisierungsgrad. Das kommt uns aktuell in der Marktlage zu gute“, so Moll.

Bestäuber an Staude

Heimisch oder nicht-heimisch?

Staudengärtnermeister Till Hofmann aus Rödelsee im Landkreis Kitzigen nutzte die Gelegenheit zur Aufklärung, was heimische und nicht-heimische Stauden sind. Nach der Eiszeit sind neue Pflanzen auch mit Hilfe der Menschen in die Region eingezogen. „Pflanzenbewegungen sind Symptome einer anderen Nutzung der Landschaft – und aktuell sind diese extrem dynamisch“, stellte der Pflanzenexperte fest.

Staudengärtner brauchen ein breites Sortiment, um auf Veränderungen reagieren zu können. Pflanzen müssen robust sein, um Standortprobleme lösen zu können, Menschen und Tieren als Nahrung zu dienen oder Funktionen im Naturkreislauf oder bei ingenieurbiologischen Maßnahmen erfüllen zu können. In Bezug auf die aktuelle Bienendiskussion ergaben Untersuchungen der Ludwig-Maximilian-Universität in München zudem, dass zwei Faktoren die Bienenpopulation extrem stark gefährden: die  Spezialisierung auf einen Lebensraum sowie eine Flugzeit im Spätsommer. Im Spätsommer stehen aber nur noch wenige heimische Arten als Bienenweide zur Verfügung. Zudem sind heimische Pflanzen dem Stadtklima oft nicht gewachsen. Für bestübende Insekten ist die Frage, ob die Staudenblüte heimisch oder nicht-heimisch ist zweitrangig: Hauptsache sie ist nahrhaft.

VLE; Fotos: BdS / Banse

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