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Stichworte: Notschlachtung, Dürre, Gunstregion

Landwirtschaft

Welche Tiere gehen weg?

Trotz in einigen Regionen unfassbar vieler Monate ohne Niederschlag wird das Wort „Dürre“ für Teile Deutschland genutzt. Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist das Wort längst salonfähig geworden. Grundsätzlich handelt es sich um ein Resultat aus den Ereignissen geringer Niederschlag und hohe Verdunstung durch erhöhte Temperatur oder Wind. Je nach Länge des Zustandes definiert der Deutsche Wetterdienst (DWD) verschiedene Dürrebegriffe:

Metereologische Dürre, die ein bis zwei Montate länger anhält als üblich.

Landwirtschaftliche Dürre, bei denen es nach mindestens zwei Monaten Trockenheit zu Ernteeinbußen kommt.

Hydrologische Dürre, bei der nach vier Monaten auch Grundwasser und Pegel betroffen sind.

Sozio-ökonomische Dürre ab einem Jahr, wenn auch die produzierende Wirtschaft gebremst wird.

Metereologen können den Begriff objektiv ausweisen. In einer Wüste, in der es kaum regnet ist Trockenheit der Normalzustand. Der Dürreindex in Deutschland wird vom DWD mit dem „Standardisierten Niederschlagsindex“ (Standardized Precipitation Index - SPI) widergegeben. Je nach Referenzzeitraum sieht Deutschland aktuell sehr unterschiedlich aus. Die letzten 12 Monate betrachtet halten sich Niederschlag und Verdunstung die Waage. Der Blick auf die letzten sechs Monate hingegen zeigt zwei sehr große Regionen mit Wasserdefiziten zu erkennen (Bild in der Mitte). Der Juli hat gerade Ostdeutschland wieder in die Waage gebracht hat.

SPI Deutschland

Für die Ernte natürlich zu spät. Das Wort Dürre erzeugt aber auch Bilder im Kopf jedes Einzelnen. Sie werden überwiegend aus dem Fernseher heraus gerägt. In den 1970er und 1980er Jahren wurde der Sahel von langen Dürren heimgesucht. Bilder von damals zeigen verhungerte Rinder auf trockenem Boden. Die stärkste der letzten 100 Jahre allerdings fand in den USA in den 1930er Jahren statt. Ausgerechnet zur Zeit der Weltwirtschaftskrise war der Mittlere Westen der USA in den Jahren 1935 bis 1938 von riesigen Staubstürmen betroffen. Ursache war die Umwandlung von bodendeckenden Prärielandschaften in riesige Weizenfelder, auf denen die neuen Mähdrescher zum Einsatz kamen. Nach einigen Jahren mit wenig Niederschlag blieb zwischen dem Getreide nur noch Staub übrig, der von Winden über das Land getragen wurde.

Die zweitschlimmste Dürre fand in den Jahren 1998 bis 2001 in West- und Zentralasien statt. Vom Irak bis nach Kasachstan fiel gerade einmal die Hälfte des Regens.

Was sind Notschlachtungen?

In einigen Medien wurde in der letzten Zeit von Notschlachtungen berichtet. Belegt wurde das mit einem leicht höherem Aufkommen von Schlachttieren an den Schlachthöfen. Der Begriff kann Bilder aus dem Sahel in Erinnerung rufen und dem Alarmismus dienen. Doch Notschlachtungen gibt es wegen des deutschen Sommer 2018 nicht!

Die Landwirtschaft kennt den Begriff Notschlachtung nur im Zusammenhang mit einem Unfall des Tieres. Und auch nur, wenn der Transport zum Schlachthof aus Gründen des Tierschutzes nicht mehr möglich ist. Im entsprechenden Merkblatt des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) wird betont, dass nur geschultes Personal eine Notschlachtung durchführen darf. Den Fall müssen der Tierhalter und der Tierarzt bescheinigen. Gerechtfertigt ist eine Notschlachtung nach Knochenbruch, Riss der Muskulatur, Sehnen oder ein ausgekugeltes Gelenk, eine große und stark blutende Wunde sowie nach einer traumatisch entstandenen Nervenschädigung. Kranke Tiere dürfen nicht geschlachtet werden!

Was zu einem leichten Plus im Schlachthof geführt hat, sind Bestandsminderungen. Die Landwirte wissen wie viele Tiere sie mit ihrem Futtervorrat ordentlich versorgen können. Falls Vorratsdefizite absehbar sind, gehen Tiere früher als geplant, aber satt und gesund zum Schlachthof. Auf den Milchviehbetrieben werden nicht unbedingt gebrauchte Jungtiere für die Herdenerhaltung abgegeben. Als Remontierungsrate gelten 25 bis 30 Prozent der Herde. Mastrinder und Bullenkälber können zur Entlastung der Futtervorräte nahezu ausgemästet früher als geplant vermarktet werden. Betriebe, die Rinder mästen und Milchvieh halten, könnten einige Zeit mit der Mast aussetzen, um die Milchrinder vollwertig zu ernähren.

Bevor ein Landwirt seine Tiere hungern lässt, kauft er Futter ein. Der Sommer 2018 stellt einen anderen Begriff in Frage. Landwirte und Politik sollten darüber nachdenken, ob Deutschland wirklich noch in einer Gunstregion Landwirtschaft betreibt, aus der heraus exportiert werden kann?

Roland Krieg

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